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„Superentscheidung für Frankfurt“ : Rennbahn soll DFB-Leistungszentrum weichen

Keine Chance gegen König Fußball: Der Volkssport wird die Golfer und die Freunde des Galoppsports wohl aus Frankfurt-Niederrad vertreiben. Bild: Finger, Stefan

Die Stadt Frankfurt hat dem Fußball-Verband angeboten, auf dem Areal der Pferderennbahn das DFB-Leistungszentrum zu errichten. Eine Zusage sei sehr wahrscheinlich. Scheint doch der Pachtbetrag eher symbolisch zu sein.

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          Das geplante Leistungszentrum des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Areal der Frankfurter Galopprennbahn entstehen. Entsprechende Informationen dieser Zeitung hat das Büro von Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) bestätigt. Das Präsidium des DFB wird voraussichtlich auf seiner nächsten Sitzung am 21.März über die Annahme des Angebots entscheiden. Die Investitionskosten für das Zentrum belaufen sich auf bis zu 40 Millionen Euro.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          „Wir sind optimistisch, dass die Entscheidung zugunsten von Frankfurt fallen wird“, äußerte ein Sprecher des Planungsdezernats. Auch Sportdezernent Markus Frank (CDU) sprach von einer „Superentscheidung für die Sportstadt Frankfurt, wenn es so kommt“.

          Teil vom Golfplatz umgebaut

          Nach dem derzeitigen Planungsstand soll dem DFB in knapp zwei Jahren das südliche Drittel des 45 Hektar großen Rennbahnareals auf 99 Jahre in Erbpacht überlassen werden. Offenbar ist vorgesehen, dass dies zu einem symbolischen Betrag geschieht. Für das Kompetenz- und Leistungszentrum müssten die Stallungen und das Restaurantgebäude weichen, auch ein Teil des Golfplatzes könnte nicht erhalten werden. Dagegen würde die Tribüne vermutlich in die Anlage mit fünf Rasenplätzen integriert werden. Ob auch das im Bau befindliche Hotel, dessen Fertigstellung sich mehrfach verzögert hat, in die Konzeption mit einbezogen werden könnte, blieb Spekulation.

          Der DFB-Mediendirektor Ralf Köttker sagte: „Die Stadt Frankfurt hat uns das Grundstück zur langfristigen Nutzung angeboten. Wir prüfen diese Option sehr sorgfältig und werden uns in der Präsidiumssitzung am 21.März damit befassen.“

          Zukunft des restlichen Areals unsicher

          Nach Angaben des Sprechers von Planungsdezernent Cunitz hat die Stadt rund 20 Standorte auf ihre Eignung hin geprüft. Am Ende sei nur das Rennbahn-Areal übrig geblieben. Die Planungen seien mit dem Umweltdezernat abgestimmt. Große Teile des Rennbahn-Areals sind als Landschaftsschutzgebiet deklariert.

          Noch unklar ist, was mit dem restlichen Areal der Rennbahn geschieht. Nach der Verkleinerung kommt es für seine ursprüngliche Nutzung nicht mehr in Frage. Denkbar sei etwa die Anlage eines Parks, hieß es aus dem Planungsdezernat, auch könnte der Golfplatz eventuell als Neun-Loch-Anlage weiterbetrieben werden. Eine Wohnnutzung komme aus planungsrechtlichen Gründen nicht in Frage.

          Spannungen bei Renn-Klub und Stadt

          Mit dem Betreiber der Rennbahn befindet sich die Stadt nach eigenen Angaben in aussichtsreichen Gesprächen, den Rennbahnbetrieb in Niederrad spätestens zum Jahreswechsel 2015/2016 aufzugeben. Betreiber ist die Hippodrom GmbH, die mit dem Frankfurter Renn-Klub eng verbunden ist. Starker Mann hinter GmbH wie Klub ist der Bad Homburger Unternehmer Manfred Hellwig. Er bestätigte auf Anfrage, dass man mit der Stadt nach einer einvernehmlichen Lösung suche. Er verstehe, dass die Ansiedlung des DFB-Zentrums für die Stadt eine hohe Priorität habe. Sollte sich der DFB tatsächlich für den Standort in Frankfurt entscheiden, werde man sich im Vorstand des Renn-Klubs eingehend damit beschäftigen, sagte Hellwig weiter. Es bliebe genug Zeit, einen anderen Standort für eine Rennbahn zu finden. Sportdezernent Frank sagte, wenn sich die Möglichkeit ergebe, eine neue Rennbahn auf wirtschaftlich gesunder Basis zu etablieren, dann sei die Stadt dafür offen. Eventuell ließe sich gemeinsam mit der Region eine Lösung finden.

          Dunkle Wolken ziehen über der Frankfurter Rennbahn auf.

          Die Beziehungen zwischen Stadt und Renn-Klub waren zuletzt stark angespannt gewesen, da der Verein der Stadt noch 300 000 Euro an Miete und Nebenkosten schuldig war. Hellwig machte seinerseits geltend, dass die Rennbahn von der Stadt nicht angemessen gefördert werde. Offenbar suchen Stadt und Klub nun nach einer umfassenden Lösung von finanziellen und Standort-Fragen.

          Kein festes Trainingszentrum

          Außer Frankfurt hatten sich auch andere Städte darum bemüht, Standort des DFB-Leistungszentrums zu werden. Die Idee für ein solches Zentrum, in dem alle Nationalmannschaften betreut werden sollen, war vor allem von Oliver Bierhoff vorangetrieben worden. Der Vorschlag des Nationalmannschafts-Managers war innerhalb des DFB zunächst nicht nur wegen der damit verbundenen Kosten auf Skepsis gestoßen, sondern auch, weil die Planungen die Interessen von Landesverbänden mit eigenen Sportschulen und Leistungszentren berühren. Inzwischen hat Bierhoff aber eine Mehrheit gewinnen können, aber offenbar unter der Zusage, dass es nicht zum festen Trainingszentrum der Nationalmannschaft wird. Schon vor einem Jahr hatte der DFB Frankfurt als Favoriten bezeichnet.

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