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Student erliegt Werben von MLP : Super Seminare

Hier fing der Ärger für Dominik Schulz mit MLP an: der Platz vor dem Hörsaalzentrum der Frankfurter Universität Bild: Slesiona, Patrick

Bewerbungstraining, Gehaltsanalyse, Steuern sparen, alles kostenlos natürlich: Ein Student erliegt dem Werben des Finanzvertriebs MLP.

          Der ganze Ärger fing mit zwei Kreuzchen an. Sie finden sich auf einem Vordruck mit dem Titel „MLP Kernkompetenzen - Aus Ihrem Studium in Ihre erfolgreiche Karriere“. Dominik Schulz hat ihn ausgefüllt, kurz vor Ostern im Hörsaalzentrum der Goethe-Universität, an einem Stand des Finanzdienstleisters MLP. Dort gab es Schokohasen und verlockende Versprechungen, wie der 26 Jahre alte Managementstudent schildert: „Wie haben super Seminare für euch“, habe es geheißen, Bewerbungstraining, Gehaltsanalyse, Steuern sparen, alles kostenlos natürlich.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schulz, der in Wirklichkeit anders heißt, wusste, dass MLP kein Wohltätigkeitsverein ist. Die Gratis-Verheißung lockte ihn aber schon. Steuerseminar und Gehaltsanalyse, dafür interessierte er sich. Also gab er am Stand Adresse und Telefonnummer an, und er setzte auf dem Vordruck in der Angebotsliste, dort wo „Steuervorlesung“ stand, ein Kreuzchen.

          Überaus freundlicher Mitarbeiter

          Auf dem Formular, das dieser Zeitung vorliegt, sind allerdings noch zwei weitere Kreuze zu sehen. Sie finden sich unter der Überschrift „Financial Education“, bei den Punkten „Studentenstatus optimal einsetzen und konservieren“ und „Wirtschaftliche Beratung“. Vielleicht sind sie der Grund dafür, dass die nächste Begegnung von Schulz mit MLP anders ablief, als er es sich erhofft hatte.

          Ein paar Tage später rief ein überaus freundlicher Mitarbeiter der Finanzberatung bei ihm an, um einen Termin für ein persönliches Gespräch zu vereinbaren - in einer Frankfurter MLP-Filiale. Schulz folgte der Einladung. „Nach zwei Minuten Kennenlernen“, sagt er, sei aus der Unterhaltung ein Verkaufsgespräch geworden. Lebens- und Rentenversicherung, Fonds und ein Konto bei MLP, alles habe der Berater ihm aufschwätzen wollen. Nur von den Gratisseminaren sei keine Rede mehr gewesen. Da hatte Schulz genug von MLP. Er findet, einer Firma, die mit derart „fiesen Maschen“ arbeite, solle die Uni keinen Raum bieten.

          „Solche Methoden gehen nicht“, meint auch Jochen May. Er ist Geschäftsführer der Campuservice GmbH, die alle Werbeaktionen auf dem Gelände der Universität koordiniert. MLP habe eine Vereinbarung mit der Hochschule, der zufolge das Unternehmen dort Gratisseminare etwa zum Bewerbungstraining anbieten dürfe. Am Ende dieser Veranstaltungen könne die Firma die Teilnehmer um Kontaktdaten bitten. Dass aber ein Student, der sich nur für diese Seminare anmelden wolle, direkt in einer MLP-Geschäftsstelle lande, sei „eigentlich der Super-GAU“. Man nehme Schulz’ Vorwürfe ernst und werde ihnen nachgehen.

          Das Rätsel der beiden Kreuzchen

          MLP selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Sollte bei Schulz ein „falscher Eindruck“ entstanden sein, „bedauern wir dies natürlich - auch wenn wir es anhand der Unterlagen nicht nachvollziehen können“, schreibt ein Unternehmenssprecher. Am Stand, im Telefonat zur Terminvereinbarung und im Beratungsgespräch sei gefragt worden, welche Themen für den Studenten relevant seien, und über die habe man mit ihm geredet.

          Bleibt das Rätsel der beiden Kreuzchen. Zumindest das hinter dem Punkt „Studentenstatus“ hat eine andere Form als jenes, das Schulz bei „Steuervorlesung“ gesetzt hat. Und er ist sich auch „ziemlich sicher“, dass das Zeichen hinter „Wirtschaftliche Beratung“ nicht von ihm stammt. Damit konfrontiert, lässt MLP wissen, dass die „Compliance-Verantwortlichen“ des Unternehmens auch diesen Punkt überprüft und „keine Hinweise für ein Fehlverhalten gefunden“ hätten. Da die Compliance-Regeln von MLP gewiss nicht das Manipulieren von Kunden-Unterlagen erlauben, muss Dominik Schulz die Kreuze wohl doch selbst gesetzt haben. In einem Moment der Umnachtung, verursacht von Osterhasen und der Aussicht auf Super-Gratisseminare.

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