https://www.faz.net/-gzg-9xz13

Polizei geht von Suizid aus : Trauer um Hessens Finanzminister Thomas Schäfer

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer im März Bild: dpa

Wiesbadener Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass der hessische Finanzminister Suizid begangen hat. Ministerpräsident Volker Bouffier zeigt sich fassungslos.

          2 Min.

          Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) ist tot. Nach Auskunft der Wiesbadener Staatsanwaltschaft und der Polizei sei davon auszugehen, dass sich der 54-Jährige selbst getötet hat. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) reagierte mit tiefer Trauer und großer Fassungslosigkeit auf die Nachricht. „Wir sind alle geschockt und können es kaum glauben, dass Thomas Schäfer so plötzlich und unerwartet zu Tode gekommen ist“, teilte Bouffier am Samstagabend mit und ergänzte: „Wir alle müssen seinen Tod jetzt verarbeiten und trauern mit seiner Familie. Unser aufrichtiges Beileid gilt daher zuerst seinen engsten Angehörigen und wir wünschen ihnen für diese schwere Zeit Kraft und Stärke.“ Für Sonntag um 12 Uhr ist ein Statement des Ministerpräsidenten angekündigt – wegen der Corona-Krise per Videoschalte.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ähnlich betroffen äußerte sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer: „Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Thomas Schäfer hat mich, hat uns alle in der CDU schockiert. Sie trifft uns und macht uns traurig und fassungslos“, schrieb sie auf Twitter.

          Schäfer war mehr als zwei Jahrzehnte in der hessischen Landespolitik aktiv, seit dem Jahr 2010 war er auf dem Posten des Finanzministers. In seinem Amt hatte der Finanzexperte auch bundesweit auf sich aufmerksam gemacht. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

          Nach Auskunft der Polizei wurde der Rettungsleitstelle am Samstagmorgen eine leblose Person im Bereich der Bahngleise der ICE-Strecke in der Gemarkung Hochheim gemeldet. Die alarmierten Einsatzkräfte fanden dort eine männliche Leiche. Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Westhessen leiteten umgehend ein Todesermittlungsverfahren ein. Dabei wurde festgestellt, dass es sich bei dem Toten um den hessischen Finanzminister handelte. Aufgrund der Umstände, der Spurensuche am Tatort und der Befragung zahlreicher Zeugen sowie umfangreicher technischer und kriminalwissenschaftlicher Auswertungen und Untersuchungen geht die Polizei nach eigener Aussage von Suizid aus.


          Hilfe bei Suizidgedanken

          Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

          Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

          Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
          Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

          Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

          Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

          Wie aus Ermittlerkreisen zu hören war, hat Schäfer einen Abschiedsbrief hinterlassen. Darin habe er die Gründe für seinen Suizid genannt. Weitere Angaben zum Sachverhalt wollten die Ermittler am Samstagabend nicht machen.

          Die Parteien im hessischen Landtag zeigten sich tief erschüttert über den Tod des CDU-Politikers. „Ich kenne wenige Persönlichkeiten, die so standfest, interessant und zuverlässig waren wie Thomas Schäfer“, sagte Landtagspräsident Boris Rhein. „Schon jetzt fehlt er! Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, Politik ohne ihn zu gestalten.“ Der Frankfurter Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU) äußerte auf Twitter, er sei „geschockt, sprachlos und zutiefst traurig“.

          Auch Vertreter der Oppositionsparteien äußerten sich fassungslos und drückten ihr Beileid für die Familie und die Hinterbliebenen aus. Die SPD-Vorsitzende Nancy Faeser schrieb, sie sei „fassungslos und tief bestürzt. Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt in dieser schweren Zeit seiner Familie“. Ähnlich äußerte sich die Fraktion der Linkspartei: „Der Tod von Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer lässt uns mit Entsetzen und geschockt zurück. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Angehörigen und der Familie Thomas Schäfers. Ihnen gilt unser aufrichtiges Beileid.“

          Hinweis: Zum Schutz der Familie und wegen der anhaltenden Ermittlungen haben wir eine ältere Version der Meldung am Samstagabend angepasst und nennen keinen Grund, die Schäfer in seinem Abschiedsbrief genannt hat.

          Weitere Themen

          Familienmensch und Machtpolitiker

          Volker Bouffier : Familienmensch und Machtpolitiker

          Bevor Volker Bouffier wieder zum Vorsitzenden der hessischen CDU gewählt wird, muss er ein Kunststück vollbringen. Trotz seines Willens zum Weitermachen muss er den Übergang einleiten.

          Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm Video-Seite öffnen

          Wahrzeichen steht wieder : Zum ersten Mal auf dem neuen alten Goetheturm

          Er erstrahlt fast wieder in seinem alten Glanz - der Frankfurter Goetheturm. Und gäbe es Corona nicht, würde Frankfurt dieses Wochenende zu einer Eröffnungsfeier einladen. Zumindest ein kleiner Kreis konnte das Wahrzeichen am Freitag schon mal genauer in Augenschein nehmen.

          Topmeldungen

          Die AfD-Fraktion im deutschen Bundestag berät sich nach der gescheiterten Wahl von Mariana Harder-Kühnel zur Bundestagsvizepräsidentin.

          Bundestagsarbeit : Die AfD macht nicht mit

          Früher einigten sich die Fraktionen im Bundestag auf eine Tagesordnung. Aber die AfD ist immer dagegen. Was tun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.