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Anschlag auf Mutter und Kind : Die Suche nach dem Warum

  • -Aktualisiert am

Zeichen der Trauer an Gleis 7 am Frankfurter Hauptbahnhof Bild: dpa

Der Mord an einem Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof hat Deutschland erschüttert. Vor allem eine Frage drängt sich in den Vordergrund: Was trieb den verdächtigen Eritreer zu der unfassbaren Tat?

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          Zu begreifen, was nicht zu fassen ist: Der Mord an dem Jungen am Montag im Frankfurter Hauptbahnhof führt einen an die Grenze dessen, was Geist und Seele verarbeiten können. Das gilt in erster Linie für die Familie des Kindes, aber auch für die Augenzeugen und für viele, die in den vergangenen Tagen gezeigt haben, wie verbunden sie sich dem Opfer fühlen.

          Die Wortgefechte am Rande der Andacht am Dienstagabend vor dem Hauptbahnhof machten aber auch deutlich, wie sehr der Verdacht, das jeweilig andere politische oder ideologische Lager schrecke nicht davor zurück, selbst solch ein grausames Verbrechen zu instrumentalisieren, sich verfestigt hat. Damit die Scharfmacher auf beiden Seiten nicht reüssieren, muss dieser Fall so transparent wie möglich aufgeklärt werden.

          Dazu gehört eben auch die Biographie des mutmaßlichen Täters, wo er herkam, wie er sich in seiner neuen Heimat zurecht fand und wie und weshalb er, scheinbar wie aus dem Nichts, die Kontrolle über sein Leben verlor. Würde man dies verschweigen, würde man denen Vorschub leisten, die dem Staat vorwerfen, er stelle sich nicht den möglichen Verwerfungen von Migration und Integration in einem offenen Europa oder versuche gar, sie zu unterdrücken.

          Zu früh für ein Urteil

          Noch ist es viel zu früh, sich eine Meinung geschweige denn ein Urteil darüber zu bilden, was den mörderischen Impuls auslöste. Wie für jeden Tatverdächtigen gilt für Habte A. die Unschuldsvermutung. Das darf keine Floskel bleiben, sondern ist in solch extremen Fällen besonders nötig, um einen klaren Blick zu bewahren. Auf der Suche nach dem Motiv der Schreckenstat lässt sich derzeit kaum etwas ausschließen – auch nicht die Möglichkeit, der mutmaßliche Mörder habe sich radikalisiert oder unbewältigte, womöglich in seiner Heimat oder auf der Flucht erlittene Traumata seien aufgebrochen.

          Aber umso mehr müssen sich nicht nur die Ermittler mit der Frage befassen, wie ein Mann, der als Muster einer gelungenen gesellschaftlichen Eingliederung galt, offenbar binnen Wochen, wenn nicht gar binnen Tagen zu einer solchen Tat fähig wurde.

          Polizei und Justiz sind gefordert wie selten. Eine schnelle Aufklärung ist vor allem für die Familie des Kindes wichtig. Aber auch die Menschen, die sich um ihre Sicherheit sorgen, warten auf Antworten.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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