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Suche nach entflohenem Mörder : Jetzt doch öffentliche Fahndung

  • Aktualisiert am

Polizei im Dienst: Auch in der Nacht zum Donnerstag waren Beamte nach dem Vorfall zur Stelle. Bild: dpa

Nach der Flucht eines Häftlings in Limburg beginnt die öffentliche Suche. Bisher hat die Staatsanwaltschaft darauf verzichtet. Die CDU-Opposition sieht Widersprüche bei der Fahndung.

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          Eineinhalb Wochen nach der Flucht eines Mörders setzt die Staatsanwaltschaft Frankenthal nun doch auf eine öffentliche Fahndung mit aktuellem Foto. Behördenleiter Hubert Ströber begründete die Entscheidung am Freitag damit, dass seit der Flucht des 47 Jahre alten Häftlings viele Bilder von ihm veröffentlicht worden seien, die mit seinem aktuellen Aussehen wenig zu tun hätten: „Das führt in die Irre.“ Die Polizei verbreitete ein aktuelles Foto des Mannes, der 1995 in Ludwigshafen eine Frau erstochen hatte. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft darauf verzichtet, öffentlich nach ihm zu fahnden.

          Aktuelles Fahndungsfoto: der entflohene Häftling aus der JVA Diez

          Der 47 Jahre alte Insasse der JVA Diez war am 7. Juni während eines Begleitausgangs im hessischen Limburg entkommen. Das kam erst mehrere Tage später nach einem Zeitungsbericht ans Licht. Die Staatsanwaltschaft hatte die Sache nach eigenen Angaben nicht an die große Glocke gehängt, um möglichst effektiv und schnell nach dem Mann suchen zu können. Das löste eine Diskussion über das richtige Vorgehen in einem solchen Fall aus. Justizminister Herbert Mertin (FDP) war erst fünf Tage später über die Flucht informiert worden.

          „Ältere Bilder lassen falschen Eindruck entstehen“

          Mertin kündigte die Kehrtwende am Donnerstagabend in der SWR-Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ an und begründete sie mit kursierenden alten Bildern, die nicht mehr das Aussehen des Mannes zeigten. „Das ist jetzt geändert, damit wenigstens ein aktuelles Bild in Umlauf ist.“ Sein Ministerium erklärte: „Das ist eine Angelegenheit der Staatsanwaltschaft, die nach eigenem Ermessen entscheidet.“

          Der Oberstaatsanwalt hatte die vorläufige Absage der öffentlichen Fahndung am Dienstag auch damit erklärt, dass der Verurteilte ein „Allerweltsgesicht“ habe. Bei einer Veröffentlichung hätten zahlreiche falsche Hinweise die Ermittlungen behindern können.

          Am Freitag wollte Ströber nicht von einer Kehrtwende sprechen. Seine Behörde habe stets betont, dass es vorerst keine Öffentlichkeitsfahndung gebe. „Wir haben immer gesagt, wir beurteilen es lageabhängig.“ Inzwischen ließen ältere Bilder einen falschen Eindruck entstehen. „Dem musste entgegengewirkt werden.“ Er gehe aber „weiter davon aus, dass mit einem Foto ein Durchbruch nicht zu erzielen ist“.

          Kritik vom Oberstaatsanwalt

          CDU-Oppositionschefin Julia Klöckner dringt auf Aufklärung im Rechtsausschuss des Landtags. „Entweder gilt das, was vorher gesagt worden ist“, sagte Klöckner über die Gründe der Ermittler für eine nicht öffentliche Fahndung. „Dann müsste das auch jetzt noch gelten. Oder es war ein Fehler, dass man keine öffentliche Fahndung ausgeschrieben hat.“

          Der Oberstaatsanwalt kritisierte, dass die Flucht des verurteilen Täters „ohne Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft“ veröffentlicht worden sei, was unbemerkte und effektive Ermittlungen vereitelt habe. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wies dies als „ungeheuerlich“ zurück. „Medien haben auch in ermittlungstaktisch problematischen Situationen einen Auskunftsanspruch“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall.

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