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Studierende als Versuchsperson : Stromschläge zum Wohl der Wissenschaft

  • -Aktualisiert am

Des Geldes wegen nehmen Studierende gerne an wissenschaftlichen Studien teil. Bild: Helmut Fricke

Für Studien werden gerne Studierende als Versuchspersonen herangezogen. Als Belohnung winkt den Freiwilligen ein wenig Geld. Aber die Teilnahme kann strapaziöser werden, als mancher denkt.

          Aller Anfang ist einfach. So wie eine Routineuntersuchung beim Hausarzt: Größe und Gewicht sind schnell ermittelt, die Blutprobe läuft rasch ins Röhrchen, nach der Haarprobe braucht man keinen neuen Haarschnitt. Aber auch eine Stuhlprobe und ein Urintest zum Drogenscreening werden verlangt. Es folgt ein längeres Interview, um auszuschließen, dass der Proband psychische Vorerkrankungen hat.

          Dann geht es an eine Tastatur mit Bildschirm. Zwei Knöpfe und ein schnell über den Monitor flackernder Pfeil, dessen Richtung zu bestimmen ist. Zwischendurch erscheinen friedliche Bilder von Tieren, Pflanzen, Gesichtern freundlicher Menschen. Doch plötzlich ändern sich die Motive: Kriegsszenen, Unfallopfer, schwerverletzte kleine Kinder, üble Brandwunden und Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen.

          „Das war schon sehr, sehr heftig und hat mir ganz schön zugesetzt“, sagt der 20 Jahre alte Christian Schneider. In Wirklichkeit heißt er anders und studiert im vierten Semester Biowissenschaften an der Universität Frankfurt. An den schwarzen Brettern auf dem Campus Riedberg hat er schon mehrfach Aushänge entdeckt, mit denen Probanden für wissenschaftliche Studien angeworben werden, oft in der Medizin oder Psychologie. Das Thema „Resilienz“ habe ihn sofort angesprochen, sagt der Student, denn er interessiere sich brennend für Neurowissenschaften.

          Nichts für Zartbesaitete

          Neurobiologen, Psychologen und Mediziner der Universitäten Frankfurt und Mainz versuchen gerade, das Phänomen der Resilienz messbar zu machen. Der Begriff beschreibt die Fähigkeit mancher Menschen, trotz schwierigster Lebensumstände psychisch und körperlich gesund zu bleiben. Andere zerbrechen unter solchen Bedingungen. Eine halbe Milliarde Menschen auf der ganzen Welt erkrankt jährlich an stressbedingten psychischen Leiden, die zu Ängsten, Depressionen oder Burnout führen.

          Dadurch entstehe enormes subjektives Leid, zudem belaste der Arbeitsausfall die Gesellschaft finanziell, erläutern die Wissenschaftler um Christian Fiebach im Aufklärungsblatt zu der Studie namens Lora, an der Schneider teilnimmt. Aus den Erkenntnissen der Resilienzforscher könnten sich neue Möglichkeiten der Vorbeugung ergeben. „Werden Sie Teil dieser global bedeutenden Gesundheitsforschung!“, lautet der animierende Aufruf an potentielle Probanden.

          Eine mehrstündige Prozedur

          Die Bilder im Stresstest setzen auch weniger zartbesaiteten Menschen zu – das ist so gewollt und Teil der Untersuchung. Wer schon traumatische Erfahrungen gemacht hat, die so geweckt werden könnten, sollte sich also besser nicht als Freiwilliger melden. Das steht ausdrücklich in den Handreichungen, die jeder Interessierte zuvor bekommt.

          Doch nicht nur die Psyche, auch die körperliche Belastbarkeit wird auf die Probe gestellt: Elektroden auf dem Handrücken verpassen dem Studenten immer heftigere Elektroschocks, um die individuelle Schmerzgrenze zu ermitteln. „Das fand ich schon ziemlich grenzwertig“, sagt Christian Schneider hinterher. Auf dem Bildschirm erscheinen Quadrate und andere geometrische Formen, er muss angeben, wie gestresst er gerade ist. Kaum erscheint eine Raute – zack, bekommt er den nächsten Stromschlag. „Ich habe angestrengt versucht, Regelmäßigkeiten festzustellen und mich auf den Schmerz vorzubereiten. Der psychische Stress entsteht aber dadurch, dass man nie weiß, wann der Stromschlag kommt.“

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