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Studieren mit Stipendium : Vom Labor in Cambridge zum Uno-Planspiel nach New York

  • -Aktualisiert am

In Cambridge: Dort schreibt Fabian Ulmer seine Masterarbeit. Bild: privat

Der Frankfurter Informatikstudent Fabian Ulmer verbrachte sein Masterstudium großteils im Ausland. Jetzt schreibt er in Cambridge an der Abschlussarbeit. Unterstützt wird er dabei vom wirtschaftsnahen Studienförderwerk Klaus Murmann.

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          Ein Einserabitur kann helfen, aber oft zählen noch andere Qualitäten: Wer ein Stipendium anstrebt, sollte sich die Profile der unterschiedlichen Förderwerke genau ansehen. In dieser Serie stellen wir Stipendiaten verschiedener Stiftungen vor.

          Fabian Ulmer ist ein Weltenbummler. Neuseeland in der Oberstufe, Australien, Indonesien, Fiji, Singapur, Indien und Thailand nach der Schule. Sri Lanka, Ägypten, USA, Kanada und Großbritannien im Studium. Der Frankfurter studiert an der Goethe-Universität Informatik mit der Spezialisierung auf Künstliche Intelligenz. Ihn zieht es immer wieder in die Ferne, sei es zu Hilfsprojekten oder an fremde Universitäten. Die Zeit des Masterstudiums hat er bisher hauptsächlich im Ausland verbracht. Seit dessen Beginn im Oktober 2019 unterstützt ihn dabei das Studienförderwerk Klaus Murmann unter dem Dach der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW). Rund 1900 Stipendiaten gehören dem Förderwerk an, das 1996 unter Federführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Murmann gegründet wurde.

          Anfang dieses Jahres ist es nicht einfach gewesen, einen Gesprächstermin mit Ulmer zu finden. Er schreibt in Cambridge an seiner Masterarbeit und hat einen gut gefüllten Terminkalender. Das Studium ist anspruchsvoll, abends ist an den verschiedenen Colleges immer etwas los. Nach sechs Monaten in Toronto mit einem Austauschprogramm der Goethe-Universität arbeitet Ulmer nun im Cyber-Human Lab am Institute for Manufacturing der britischen Eliteuni. An den Wochenenden stehen Hockeyspiele an.

          Begeisterung für neue Welten, Kulturen und Menschen

          Hockey spielt seit der Kindheit eine wichtige Rolle im Leben des Studenten. Im Auslandsjahr in Neuseeland habe er an seiner High School das Schulteam übernommen, sagt Ulmer. „Der Coach hatte leider kurz vorher das Team verlassen, und weil ich damals schon in der Hessenauswahl und im Verein gespielt hatte, bin ich eingesprungen.“ Selbst noch Schüler, organisierte er vor und nach der Schule die Trainingszeiten, teilte das Team in zwei Gruppen auf und kümmerte sich um den Social-Media-Auftritt seiner Mannschaft. Das Schuljahr beendete die Mannschaft auf dem ersten Platz der Liga. Er habe aus dieser Zeit viel mitnehmen und umgekehrt auch einen positiven Einfluss hinterlassen können, sagt Ulmer. Das Team coache sich bis heute selbst.

          Die lange Zeit im Ausland merkt man ihm an. Immer wieder benutzt er englische Wörter. Seine Begeisterung für neue Welten, Kulturen und Menschen begleite ihn auch im Stipendiatenleben, sagt er. „Ich habe in meinem Studium immer versucht, aus meiner eigenen Filterblase rauszukommen und in Kontakt mit Menschen aus anderen Bereichen zu kommen. Und die SDW fördert das.“ In Frankfurt hat sich der Fünfundzwanzigjährige als Regionalgruppensprecher engagiert und ist im April von seinen Mitstipendiaten in den Stipendiatischen Rat der Stiftung gewählt worden. Auch in England trifft er sich regelmäßig mit anderen dort studierenden SDW-Stipendiaten. Stammtische, Kulturveranstaltungen, Vorträge – die Liste möglicher Aktivitäten ist lang. In erster Linie geht es dabei um Vernetzen und Zusammensein. Ulmer nimmt davon so viel mit, wie er kann. Als Head Delegate flog er im April mit einer Delegation der SDW zu den Model United Nations nach New York, einem Planspiel, das der UN nachgebildet ist. Dies ist nur eine von vielen Veranstaltungen, an denen Ulmer teilgenommen hat. Auch Chinesisch-Sprachkurse sind darunter und das Jahresprogramm Herausforderung Unternehmertum.

          Die SDW gibt an, Studenten bei der Weiterentwicklung ihres Gemeinsinns und ihrer unternehmerischen Grundhaltung unterstützen zu wollen. Soziale Kompetenz, vernetztes Denken, gesellschaftliches Engagement, Noten und Allgemeinwissen zählten bei der Bewerbung gleich viel, schreibt die Stiftung auf ihrer Website. Was die Studienfächer angeht, so bilden mit 36 Prozent (Stand Februar 2021) Wirtschaftswissenschaften, Jura und soziale Studiengänge die größte Gruppe. Studierende der MINT-Fächer wie Ulmer bilden mit 22 Prozent die drittgrößte Gruppe.

          Die digitale Transformation vorantreiben

          Er, der während seines Studiums mittlerweile sieben Tutorien in verschiedenen Fachbereichen geleitet und sich bei Bildungsprojekten in Sri Lanka und Ägypten engagiert hat, scheint auf den ersten Blick mit Unternehmertum nicht allzu viel zu verbinden. Der Frankfurter widerspricht: „Eine ganz klare Linie zwischen Unternehmertum und sozialem Engagement lässt sich gar nicht ziehen. Wenn man sich für ein besseres Umfeld einsetzt, wirkt sich das automatisch auf unternehmerische Tätigkeiten aus, egal, ob es sich um die eigenen oder die von anderen handelt.“

          Insbesondere seine Tutoren-Jobs habe er aus einer ähnlich gelagerten Motivation angenommen, sagt Ulmer: „Man kann eine sehr große, positive Wirkung auf die Menschen in seiner Umgebung haben, die selbst über das Studium hinaus prägen kann.“ Unternehmerisches Interesse habe er aber auch schon im Studium gehabt und zum Beispiel mit anderen Studenten eine interdisziplinäre Lern- und Austauschplattform für Programmiersprachen und Technik aufgebaut. Wegen dieser Erfahrung nutze er umso lieber die Förderprogramme der SDW.

          „Ich wollte die digitale Transformation der Welt und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen von Grund auf verstehen und sie mitgestalten. Und ich sehe es als meine soziale Verantwortung als Fachkundiger, diesen Wandel so zugänglich wie möglich zu machen für verschiedene Menschen“, sagt Ulmer über sein Studium. In seiner Masterarbeit analysiert er, wie erweiterte und virtuelle Realität zusammen mit Künstlicher Intelligenz die Ausbildung und das Lernen im Ingenieurwesen unterstützen können. Dem idyllischen Cambridge bleibt Ulmer noch bis zur Abgabe der Thesis im Spätsommer erhalten. Danach geht es für ihn in Berlin bei Tech4Germany weiter: Als Product Fellow wird er in dem Bundesprogramm an der Entwicklung nutzerzentrierter Software mitwirken.

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