https://www.faz.net/-gzg-7j38f

Studie zu Beziehungen von Teenagern : Psycho-Druck statt Romantik

  • Aktualisiert am

Nicht nur eitel Sonnenschein: Jedes vierte Mädchen berichtetet in ihrer Beziehung von sexualisierter Gewalt, bei den Jungen waren es 13 Prozent. Bild: dpa

Sechs von zehn Jugendliche haben in ihren ersten Liebesbeziehungen bereits belastende Erfahrungen bis hin zur Gewalt gemacht. Laut den Forschern müssen Teenager lernen, respektvoller miteinander umzugehen.

          1 Min.

          In ersten Liebesbeziehungen haben mehr als 60 Prozent der Jugendlichen laut einer Studie belastende Erfahrungen bis hin zu körperlicher oder sexualisierter Gewalt gemacht. Rund 66 Prozent der Mädchen und 60 Prozent der befragten Jungen zwischen 14 und 17 Jahren beklagten, mindestens einmal Opfer von psychischer oder körperlicher Gewalt geworden zu sein. Das sind Ergebnisse eines Forschungsprojekts, über das die Hochschule Fulda am Montag berichtete.

          Nach ihren Angaben ist die Studie aus Hessen deutschlandweit einmalig. 509 Jungen und Mädchen aus zehn Schulen hatten an der Befragung teilgenommen, deren Ergebnisse laut Hochschule verallgemeinert werden können. Von sexualisierter Gewalt berichtete demnach jedes vierte Mädchen (26 Prozent), bei den Jungen waren es knapp 13 Prozent. Egal ob Junge oder Mädchen - jeder zehnte Befragte berichtete von körperlicher Gewalt in den ersten Liebesbeziehungen.

          Folgen reichen bis zu Suizid-Gedanken

          Psychische oder sexualisierte Gewalt komme häufiger vor als körperliche Gewalt, stellten die Wissenschaftler fest. Verstärkt seien vor allem diejenigen betroffen, die in ihrem familiären Umfeld Gewalterfahrungen gemacht hätten. Gewalt in Teenager-Beziehungen komme häufiger vor als erwartet, sagte Projektleiterin Beate Blättner von der Hochschule Fulda. „Will man die weitere Chronifizierung von Gewalt verhindern, müssen Jugendliche lernen, wie man bei Dates oder in Beziehungen respektvoll miteinander umgeht“, riet die Pädagogin.

          Schon emotional belastende Erfahrungen wie Kontrolle durch den Partner, verbale Aggressionen, Zwang oder Drohung könnten negative Auswirkungen auf die Opfer haben. Auswirkungen seien möglich auf den Gesundheitszustand, auf die psychische Stimmung, auf das Ess- und Trinkverhalten bis hin zu Suizid-Gedanken, hatte Blättner bereits in einem Interview mit dem „Deutschlandradio“ gesagt.

          Die vom Land Hessen finanzierte Studie orientierte sich an einer 2009 veröffentlichten Untersuchung aus Großbritannien. Dort berichteten 80 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen von emotionaler Gewalt.

          Weitere Themen

          Die ungeplante chemische Reaktion

          „The Effect“ : Die ungeplante chemische Reaktion

          Liebe in Zeiten von neurowissenschaftlichen Versuchen und dem unterschätzten Placebo-Effekt: Das English Theatre Frankfurt zeigt Lucy Prebbles klinische Romanze „The Effect“.

          Topmeldungen

          Er wedelt noch, sie merkelt schon: Habeck, Baerbock und die „Merkel-Raute“

          Heimlich für Merz? : Die Grünen hoffen auf Merkel-Stimmen

          Die Grünen wollen regieren. Das ginge mit einer Laschet-CDU leichter als mit einer Merz-CDU. Vor allem wollen sie jedoch stärkste Partei werden. Den Platz dafür in der politischen Mitte könnte eher Merz als Laschet schaffen.

          Unzufriedene Deutsche : Kapitalismus am Pranger

          Die Löhne sind hoch, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, der Sozialstaat wächst. Trotzdem glaubt mehr als jeder zweite Deutsche, dass der Kapitalismus mehr schadet als nutzt. Dahinter steckt nicht nur Gejammer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.