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Folgen der Corona-Krise : Viele Lokale kurz vor der Insolvenz

Keine Gäste: Viele Lokale stehen in Hessen kurz vor der Insolvenz (Symbolbild). Bild: dpa

Wegen der Corona-Krise sind viele Gastronomiebetriebe insolvenzgefährdet. Im Bundesländer-Vergleich geht es Gastronomen in Hessen dennoch vergleichsweise gut.

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          Die Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel warnt angesichts der Coronavirus-Krise vor deutlich mehr Pleiten in der hessischen Gastronomie. Stand Ende Oktober seien 12,8 Prozent der Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés im Land insolvenzgefährdet, heißt es in einem Papier, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Das sei ein Anstieg von gut 50 Prozent im Vergleich zum Februar, bevor Gastronomen für mehrere Wochen behördlich angeordnet schließen mussten. Damals hatte Crif Bürgel 8,1 Prozent der Gastronomieunternehmen als insolvenzgefährdet eingestuft.

          Jacqueline Vogt
          Ressortleiterin der Rhein-Main-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Im Bundesländer-Vergleich geht es laut dieser Analyse Gastronomen in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg vergleichsweise gut. Weit höher als in diesen drei Ländern sei der Anteil insolvenzgefährdeter Betriebe in Sachsen-Anhalt (20,1 Prozent), Sachsen (19,1) und Berlin (17,2).

          Die Wirtschaftsauskunftei, die bundesweit die finanzielle Lage von 57.300 Gastronomiebetrieben analysiert hat, warnte vor einer Pleitewelle im Gastgewerbe der Branche. Insgesamt seien rund 14,5 Prozent der Branchenfirmen in Deutschland insolvenzgefährdet. Die Situation vieler Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés werde sich wohl noch verschlimmern, schätzt Geschäftsführer Frank Schlein. Im ersten Quartal 2021 könnte jedes fünfte Unternehmen aus der Gastronomie insolvenzgefährdet sein.

          Geschäfte hatten sich kontinuierlich erholt

          Für die Studie hat Crif Bürgel Informationen zur Finanzlage von Firmen, die Aufschluss über die Zahlungsfähigkeit geben, ausgewertet. Dazu zählen Angaben in Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Mitarbeiter- und Umsatzzahlen oder Zahlungserfahrungen. Auch negative Gerichtsmerkmale wie Mahnverfahren, Inkasso-Überwachungen oder allgemeine Einträge im Schuldnerverzeichnis flossen ein.

          Der deutsche Hotel- und Gastronomieverband hatte schon im Sommer vor einer möglichen Insolvenzwelle in der Gastronomie gewarnt. Der Präsident des Verbands in Hessen, der Wiesbadener Hotelier Gerald Kink, sprach von bis zu 1500 möglichen Betriebsaufgaben bis zum Jahresende. Laut Statistischem Bundesamt lagen in der Gastronomie die Umsätze von März bis August preisbereinigt um 40,5 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums. „Auch nach der Wiedereröffnung ist die Branche aufgrund von Abstandsgeboten, Kapazitätsbegrenzungen und Reisebeschränkungen von Normalumsätzen weit entfernt“, hieß es in der jüngsten Mitteilung des Amts zum Thema.

          Betrachtet man die einzelnen Monate, ging laut den Statistiken der Umsatz der Betriebe im April mit 68,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat am stärksten zurück. Seitdem hatten sich die Geschäfte kontinuierlich erholt: Im August 2020 fiel der Umsatzrückgang der Gastronomie im Vorjahresvergleich mit 22,3 Prozent geringer aus.

          Innerhalb der Gastronomie besonders stark betroffen waren Lokale, die ihr Geld mit dem Ausschank von Getränken verdienen: In dieser Sparte fiel der Umsatz von März bis August 2020 um 45,5 Prozent geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Dagegen konnten Restaurants, Gaststätten und Imbisslokale offenbar mit Lieferdiensten und Ab-Haus-Verkäufen einen Teil des Gästeschwunds kompensieren: Hier lagen die Umsätze von März bis August 2020 um 29,3 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums, die der Caterer um 42,1 Prozent.

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