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Studie zum Medienvertrauen : Lügenpresse-Vorwürfe überzeugen kaum

Lügenpresse: Elf Prozent der Deutschen glauben, systematisch von den Medien belogen zu werden. Bild: dpa

Eine Langzeitstudie aus Mainz und Düsseldorf zeigt, dass das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Medien gestiegen ist. 56 Prozent der Befragten glauben den Medien in wichtigen Fragen. 2015 waren es nur 28 Prozent.

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          Elf Prozent der Deutschen gehen einer Studie zufolge weiterhin davon aus, dass sie von den Medien systematisch belogen werden. Zwei Drittel der Befragten, die sich am Ende des vergangenen Jahres an einer repräsentativen Telefonumfrage zum Thema „Medienvertrauen“ beteiligt haben, wiesen den in den vergangenen Jahren immer wieder zu hörenden Lügenpresse-Vorwurf dagegen zurück. Dies sei der höchste Wert, der in diesem Zusammenhang bisher gemessen wurde, teilten die Autoren der seit mehr als einem Jahrzehnt laufenden Untersuchung mit, deren Zwischenergebnisse in der Fachzeitschrift Media Perspektiven veröffentlicht worden sind.

          Markus Schug
          (sug.), Rhein-Main-Zeitung

          Mitarbeiter des Instituts für Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und des Instituts für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf wollen mit den regelmäßig vorgenommenen Umfragen herausfinden, wie groß das Vertrauen der Bevölkerung in Medien ist oder wie sehr den Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten, aber auch den sozialen Netzwerken misstraut wird.

          56 Prozent glauben Medien bei wichtigen Themen

          Aus gegebenem Anlass sind in der jüngsten Befragung, bei der insgesamt 1207 Erwachsene ihre Einschätzungen abgeben durften, auch Fragen zur Corona-Pandemie gestellt worden.

          Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich 56 Prozent, stimmten der Aussage zu, dass man den Medien, wenn es um wirklich wichtige Themen wie Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale oder auch schwere Krisen gehe, vertrauen könne. Bei vorausgegangenen Erhebungen habe der Wert meist zwischen 41 und 44 Prozent, im Jahr 2015 sogar nur bei 28 Prozent gelegen, hieß es. Rund 16 Prozent der Befragten fanden allerdings auch im November und Dezember des vergangenen Jahres noch, man könne den Medien „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ vertrauen.

          Ähnlich viele gaben an, „die Medien arbeiten mit der Politik Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren“. Im Jahr zuvor hatten laut Studie noch 23 Prozent dieser Aussage zugestimmt.

          Vertrauen in die Medien ist in der Corona-Krise gestiegen

          „Grundsätzlich ist das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Medien in der Corona-Krise gestiegen“, so die Autoren: Es sei allerdings möglich, dass sich die Stimmung in den nächsten Wochen, parallel zu einer wachsenden Unzufriedenheit mit dem politischen Krisenmanagement, wieder ändern könne. Konkret erhielten die „etablierten Medien“ bei der Vertrauensfrage vergleichsweise hohe Zustimmungswerte von alles in allem 63 Prozent. Dabei genießt der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie gehabt, das höchste Ansehen, gefolgt von Regionalzeitungen und überregionalen Tageszeitungen; private Fernsehanstalten und Boulevardzeitungen wurden der Studie zufolge mit deutlichem Abstand als weniger vertrauenswürdig eingestuft. Was in noch stärkerem Maße für Social-Media-Angebote wie Videoportale, alternative Nachrichtenseiten und Messenger-Dienste gelte, „die von den meisten Deutschen auch in Corona-Zeiten nicht als vertrauenswürdige Nachrichtenquellen angesehen werden“.

          Nach mehr als einjähriger und zum Teil sehr intensiver Corona-Berichterstattung äußerten 40 Prozent der Befragten, dass sie des Themas überdrüssig seien; 34 Prozent widersprachen, und ein Viertel von allen Befragten war in dieser Frage unentschieden.

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