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Studie : Fluglärm kostet Betriebe 100 Millionen Euro

  • -Aktualisiert am

Laut der Studie einer Offenbacher Bürgerinitiative sinkt die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter mit der Belastung um bis zu drei Prozent. Das koste die Unternehmen rund 100 Millionen Euro - mindestens.

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          Auf mindestens 100 Millionen Euro im Jahr schätzt die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) den Wertverlust, der für Unternehmen in der Rhein-Main-Region und Rheinhessen sowie Mainz entstehe, weil Mitarbeiter unter den Folgen des Fluglärms litten und weniger leistungsfähig seien. Diese Schätzung geht aus einer Untersuchung hervor, die der Soziologe und das BIL-Mitglied Hans Schinke erstellt hat.

          Schinke folgert, dass die Landtage von Hessen und Rheinland-Pfalz eine Lenkungssteuer beschließen müssten, um „fluglärmbedingte Produktionsschäden“ auszugleichen oder zu vermeiden. Durch eine solche Steuer könnten beide Länder im Jahr zusammen 100 Millionen Euro einnehmen. Würde noch eine Steuer für „fluglärmbedingte Gesundheitsschäden“ eingeführt und je Einwohner und Tag ein Euro zugrunde gelegt, kämen weitere 185 Millionen hinzu. „Die Steuern müssten von der Luftverkehrswirtschaft getragen werden.“

          Fluglärmbedingte Leistungsminderung

          Schinke und die BIL-Vorsitzende Ingrid Wagner wollen die Untersuchung, unterstützt von der Stadt Offenbach, der Fluglärmkommission vorlegen und mit dem Flughafenbetreiber Fraport darüber sprechen. Auch soll Kontakt zu Betrieben aufgenommen werden.

          In seiner Untersuchung stützt sich Schinke auf Studien zu den Auswirkungen des Lärms auf die Gesundheit von Einwohnern in Flughafennähe, etwa vorgelegt von dem Arzt Eberhard Greiser oder dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Schinke verweist darauf, dass Fluglärm unter anderem zu Herz- und Kreislauferkrankungen führe und die Leistungsfähigkeit herabsetze. Dadurch komme es zu Ausfallzeiten.

          Um den Wertverlust, der Unternehmen entstehe, zu ermitteln, hat Schinke eigene Berechnungen vorgenommen, wie er gestern bei der Vorstellung der Untersuchung sagte. Demnach berücksichtigte Schinke, wie viele Einwohner in der betreffenden Region unter Fluglärm leiden, die durchschnittliche Quote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die effektive Jahresarbeitszeit, die Bruttolohnkosten je Arbeitsstunde und die „fluglärmbedingte Leistungsminderung“.

          Wertverlust im Zweifelsfall sogar höher

          Schinke hat in die Untersuchung neben der Rhein-Main-Region, in der 355.700 Einwohner als vom Fluglärm belastet gälten, auch die Kreise Mainz-Bingen und Alzey-Worms sowie die Stadt Mainz einbezogen. Dort seien insgesamt zirka 150.000 Menschen betroffen.

          Als „persönlichen Schätzwert“ für die Leistungsminderung jedes Lärmbetroffenen legt Schinke ein bis drei Prozent zugrunde. Bei einem Arbeitstag von acht Stunden mache dies fünf bis 15 Minuten aus. Lege man 15 Minuten zugrunde, erhöhe sich der Wertverlust für die Wirtschaft im Jahr sogar auf 275 Millionen Euro.

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