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Studie der Goethe-Uni : „Anteil weiblicher Führungskräfte steigt kaum“

  • -Aktualisiert am

Eher ein Einzelfall: Marie-Luise Wolff-Hertwig führt den Versorger HSE. Bild: dpa

Viele Unternehmen fördern Frauen noch nicht genug. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist in den vergangenen Jahren nur marginal angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Frankfurt.

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          Trotz vieler Instrumente der Karriereförderung von Frauen hat sich der Anteil weiblicher Fachkräfte in Führungspositionen in den vergangenen vier Jahren kaum erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (Iwak) der Goethe-Universität, die am Donnerstag zusammen mit dem Genderbericht der hessischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit vorgestellt wurde.

          Das Institut hatte im vergangenen Jahr 989 hessische Betriebe gefragt, wie viele Frauen bei ihnen in Führungspositionen arbeiten und welche Maßnahmen sie zur Förderung der Chancengleichheit ergreifen, ob sie etwa betriebliche Kinderbetreuung, finanzielle Hilfen für Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, flexible Arbeitszeiten und gezielte Frauenförderung anbieten. Dabei kam heraus, dass fast 70 Prozent der Betriebe gar keine Maßnahmen bieten. Am ehesten werde noch auf familiäre Betreuungspflichten Rücksicht genommen, sagte Oliver Nüchter, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Iwak.

          Gezielte Karriereförderung weiter auf niedrigem Level

          In hessischen Betrieben gibt es demnach 54.000 Geschäftsführerinnen, weibliche Vorstandsmitglieder und Betriebsleiterinnen, zum Großteil in sehr kleinen Unternehmen. Das entspricht einem Anteil von 26 Prozent. Gegenüber 2008 sei das ein Anstieg um drei Prozentpunkte. Als Erfolg sei dieser Anstieg allerdings nicht zu werten, sagte Nüchter, denn 2004 habe die Frauenquote in der höchsten Führungsebene schon einmal bei 25 Prozent gelegen. Kleine und mittelständische Betriebe seien den Großbetrieben mit mehr als 50 Personen voraus. Sogar in Betrieben mit hoher Frauenquote sei nicht garantiert, dass eine Frau an der Spitze stehe. In vier von zehn Betrieben mit überdurchschnittlichem Frauenanteil gebe es keine einzige weibliche Führungskraft.

          Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Fortschritte gebe. Doch die gezielte Karriereförderung verharre auf niedrigem Niveau. Als Gründe hierfür führte Nüchter zum einen durch Elternzeit unterbrochene Erwerbsbiographien an, zum anderen, dass sowohl Frauen als auch Männer Führung nach wie vor mit Männlichkeit assoziierten. „Es bleibt ein dickes Brett, was da zu bohren ist“, sagte er.

          Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion, hob hervor, dass Frauen das größte inländische Potential böten, um den drohenden Fachkräftemangel zu bekämpfen. Doch obwohl mehr Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt seien, müsse noch viel getan werden, um Chancengleichheit herzustellen. Die Beschäftigungsquote, die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Bevölkerung, lag bei Frauen 2012 bei 48,6 Prozent, bei Männern bei 56,4 Prozent. Dass die Zahl der Arbeitsplätze gewachsen sei, gehe auf den Anstieg der Teilzeitbeschäftigungen zurück. Und vom Trend zur Teilzeit seien in erster Linie Frauen betroffen. Auch geringfügige Beschäftigung wie 450-Euro-Jobs sei ein „Frauenthema“, sagte Martin. Der Frauenanteil an den geringfügig entlohnten Beschäftigungen lag bei zwei Dritteln.

          Nach wie vor konzentrieren sich Frauen bei der Berufswahl auf wenige Ausbildungsberufe. „Das schränkt die Karrierechancen deutlich ein“, sagte Martin. Auch hier müsse sich etwas ändern.

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