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Gesetzliche Rente : 45 Jahre Arbeit, 920 Euro Rente

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Wo lässt es sich gut leben? Was von der Rente übrig bleibt, hängt auch vom Wohnort ab. Bild: dpa

Eine Studie befasst sich mit der gesetzlichen Rente im Jahr 2040. Die Daten zeigen, welche Berufsgruppen Probleme bekommen werden - und sie relativieren den Reiz der Großstädte in der Rhein-Main-Region.

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          Frau Müller nimmt in ihrem Leben keine großen Umwege. Gleich nach der mittleren Reife beginnt sie ihre Lehre als Verkäuferin und bleibt diesem Job ihr Berufsleben lang treu. Sie arbeitet aber nicht immer Vollzeit, vor allem nach der Geburt ihrer beiden Kinder tritt sie eine Weile etwas kürzer, steigt sogar für zwei Jahre komplett aus dem Beruf aus. Auch danach hat sie kurze Phasen, in denen sie nur geringfügig beschäftigt ist. Und am Ende ihres Berufslebens, kurz vor ihrem 60. Geburtstag, steigt sie auf Teilzeit um. Mit 65 hat es Frau Müller dann geschafft.

          Aber wie viel Rente bleibt ihr nach den mehr als vier Jahrzehnten Arbeit als Verkäuferin, wenn sie im Jahr 2038 in den Ruhestand geht? Das kommt darauf an, wo Frau Müller wohnt. Im Rhein-Main-Gebiet schwankt die Kaufkraft ihrer monatlichen gesetzlichen Bezüge zwischen 922 Euro in Frankfurt und 1121 Euro im Main-Kinzig-Kreis.

          Die Biographie der fiktiven Frau Müller ist einer von sechs Lebensläufen, die Wirtschaftsforscher des Prognos-Instituts ersonnen haben. Sie basieren auf Arbeitsmarktdaten und sollen so der Realität für bestimmte Berufe nahekommen. Gleiches gilt für den Ingenieur, den Elektroinstallateur und die Sozialpädagogin, die in der Rentenstudie vorkommen.

          In den großen Städten fressen Mieten die Renten auf

          Das Papier erlaubt einen Blick auf eine mögliche Zukunft der gesetzlichen Renten auch auf Kreis- und Stadtebene. Sie zeigen, dass in den Großstädten zwar hohe Beträge zu erwarten sind, weil die Löhne hoch und das Risiko von Jobverlust und Arbeitslosigkeit relativ gering sind. Aber um das Preisniveau bereinigt, sieht es für manchen Arbeitnehmer in Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden und Darmstadt nicht gerade rosig aus. So hat ein Elektroinstallateur in Frankfurt nur mit einer Kaufkraft von gut 1200 Euro monatlich zu rechnen. „Das ist der viertniedrigste Wert in ganz Deutschland“, schreiben die Autoren der Prognos-Studie.

          Bild: F.A.Z.
          Bild: F.A.Z.

          Um die realen Renten vergleichen zu können, haben sie versucht, einen Warenkorb zusammenzustellen, der den Konsumgewohnheiten der Senioren Rechnung trägt, also einen höheren Betrag für Wohnen und Gesundheit veranschlagt. In den großen Städten fressen etwa die Mieten die nominal hohen Renten auf.

          Im Fall der fiktiven Verkäuferin führt das dazu, dass nach der Prognose nur die Angestellten im Main-Kinzig-Kreis eine überdurchschnittlich hohe Rente erhalten. Für Ingenieure sieht es in der Rhein-Main-Region etwas besser aus, doch auch für sie machen die Unterschiede in der Kaufkraft einige hundert Euro im Monat aus.

          Die Studie hat das Prognos-Institut im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstellt. „Wir wollten wissen, wie es um die gesetzliche Rente jenseits des statistischen Durchschnitts bestellt ist“, sagte Alexander Erdland, der GDV-Vorsitzende. Die regionalen Unterschiede nennt er „gewaltig“, sie machten zum Teil 50 Prozent der Kaufkraft aus. Die Berechnungen zu einzelnen Lebensläufen zeigten, wie sehr berufliche Auszeiten das Rentenniveau drücken könnten. „Gerade bei Geringverdienern ist das ein echtes Armutsrisiko.“

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