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Studentische Kunstausstellung : Alles ist möglich

Nassauischer Kunstverein: Hier wird den Studenten ein Forum geboten. Bild: Janine Drewes

Peitschenhiebe für den Kunstbetrachter: Die Klasse von Tobias Rehberger stellt im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden aus.

          2 Min.

          Inzwischen ist es fast schon eine kleine Tradition. Ob den Studenten der Hochschule Rhein-Main, der Malereiklasse Anne Bernings in Mainz oder den jungen Künstlern der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, immer wieder hat der Nassauische Kunstverein in Wiesbaden wie nur wenige andere Institutionen in der Region jungen studentischen Positionen in den vergangenen Jahren ein Forum geboten. Allerdings, eine „Schülerausstellung“ war nicht eine einzige der Präsentationen.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nicht nur, so wurde in jeder der bisherigen Ausstellungen schnell klar, reifen an den Kunsthochschulen des Rhein-Main-Gebiets keine Epigonen ihrer prominenten Lehrer heran. Stets auch gewährten die Gruppenschauen einen Blick in die Ateliers, auf aktuelle Diskurse der zeitgenössischen Kunst vor allem auch, wie es sonst allenfalls an den Semesterrundgängen der Akademien möglich ist.

          Wenn sich nun die Klasse Tobias Rehberger an der Frankfurter Städelschule mit „Lash 23“, mit 23 Peitschenhieben also, in Wiesbaden vorstellt, muss man sich freilich nicht gleich fürchten. Zunächst einmal fällt vielmehr die Fülle als konzeptuell zu bezeichnender Positionen auf. Sicher, die klassische Skulptur spielt noch immer eine im Wortsinne gewichtige Rolle unter den Studenten der Bildhauerei. Etwa in Nadja Büttners sanft ein- und ausatmender „Unterfläche“, Lukas Heerichs seltsam melancholisch stimmender Garderobe „5“ oder auch Béla Feldbergs „Spolia V“, die ungefähr so aussieht, als habe sie der 1992 in Frankfurt geborene Künstler kurzerhand aus unserer Kellerwand herausgesägt.

          Nichts ist unmöglich

          Gemeinsam aber ist den Arbeiten kaum mehr als ein bemerkenswertes Interesse für den Raum. Physisch wie metaphorisch. Mehr noch, ob Pia Ferm, deren Arbeiten im Frühjahr bereits in einer Einzelausstellung im Nassauischen Kunstverein zu sehen waren, ihre Malerei in geknüpfte Teppiche überführt, Robin Stretz mit seinen Zeichnungen in schwarzer Tinte dem Kino seine Reverenz erweist, oder ob Kristina Lovaas eine Torte aus glasierter Keramik für ihr gleichermaßen komisches wie makabres „Mea culpa“ wählt: Nichts ist unmöglich in der Klasse Tobias Rehberger.

          Wie schon vor neun Jahren, als sich Rehbergers damalige Studenten in der Villa in der Wilhelmstraße vorstellten, wird gemalt und gezeichnet, gebildhauert und collagiert und wechselt eine ganze Reihe der jungen Künstler immer wieder einmal die Disziplinen, um ihren Ideen künstlerisch Form zu geben. Das gilt für Alyona Volkova, die noch zum Rundgang an der Städelschule ihre erste Skulptur überhaupt zeigte und die sich nun mit „The Art of Doing Nothing“ als figürliche, an Mode, Lifestyle und Ennui interessierte Malerin vorstellt, geradeso wie für Line Lyhnes reizvolles Mosaik „Cry me a River“.

          Und für Nicholas Warburg, der gleich mit drei Geschichte und Erinnerung reflektierenden Arbeiten vertreten ist, gilt es ohnehin. Auch hier wird es etwa mit „Gravitation“ schon mal sarkastisch bitter. Und doch, wiewohl der eine oder andere seiner „Peitschenhiebe“ durchaus seine Spuren beim Betrachter hinterlässt, bleibt angesichts des Läufers mit dem Konterfei des jungen Jürgen Möllemann, bleibt vor dem 1000-Teile-Puzzle „Die Arbeit“ oder den gesammelten, als „Work in progress“ Jahr für Jahr mehr werdenden Urlaubsgrüßen seiner Eltern am Ende noch stets alles offen.

          KLASSE TOBIAS REHBERGER / LASH 23 Ausstellungstermine

          Bis 5. Januar im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden, Wilhelmstraße 15, Dienstag, Mittwoch, Freitag 14-18 Uhr, Donnerstag 14-20 Uhr, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr

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