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Studentenschwemme : Uni-Präsidenten wettern gegen „schleichende Auszehrung“

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So voll war es schon 2009 an der Uni Gießen - und es ist noch voller geworden Bild: Christina Hucklenbroich

Die Hörsäle platzen aus den Nähten, Studenten besetzen aus Protest ein Uni-Gebäude, immer mehr junge Studierende gehen demonstrierend auf die Straße - nun wehren sich auch die hessischen Uni-Direktoren gegen die Flut von Studenten. Sie finden deutliche Worte.

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          Die hessischen Universitäten warnen vor einer „schleichenden Auszehrung“ der Hochschulen durch mangelhafte Finanzierung und steigende Studentenzahlen. Die Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU) fordert die Landesregierung auf, die Kosten für die steigenden Tarife zu übernehmen. „Die Konferenz der Hessischen Universitätspräsidien ist in großer Sorge um die Qualität von Lehre, Studium und Forschung“, heißt es in einem am Montag in Frankfurt verabschiedeten „Appell der fünf hessischen Universitäten an die Landesregierung“.

          Die Zahl der Erstsemester allein an den Universitäten ist laut KHU seit 2007 um 44 Prozent gestiegen, mit Masterstudiengängen sogar um 61 Prozent. Die Zahl der Studierenden stieg im selben Zeitraum um 27 Prozent. „Ein Rückgang der Studierendenzahlen ist nicht absehbar“, heißt es in dem Papier. „Im Gegenteil, der Trend wird anhalten, zumal in Hessen der G8-Anstieg erst noch bevorsteht.“ Der Höhepunkt werde erst im Jahr 2015 erreicht.

          Einsparungen von 34 Millionen Euro

          „Das reale Grundbudget der Hochschulen sinkt“, sagte der Sprecher der KHU, der Präsident der Frankfurter Goethe-Universität, Werner Müller-Esterl. Zwar gebe es Programme, die den Zuwachs an Studenten abfedern, „aber die sind erstens nicht dauerhaft und zweitens nicht auskömmlich.“

          Neben den Einsparungen von 34 Millionen Euro, zu denen sich die hessischen Hochschulen 2011 verpflichten mussten, kämen nun noch die Mehrkosten für die gestiegenen Vergütungen des Lehrpersonals. Die KHU beziffert sie für 2011 und 2012 auf 28 Millionen Euro. „Das ist eine Belastung, die wir nicht mehr auffangen können“, sagte Müller-Esterl. Das letzte Mittel seien Wiederbesetzungssperren, „was de facto einem Jobabbau gleichkäme“ - in Hinblick auf den immer schärfer werdenden globalen Wettbewerb um Fachkräfte sei dies auch politisch ein falsches Signal, hieß es.

          „Lehre aus Drittmitteln aufrechterhalten“

          Professor Joybrato Mukherjee (Präsident Universität Gießen) sprach von einer „sehr kritischen Situation“. Professor Rolf-Dieter Postlep (Präsident Universität Kassel) sieht einen Trend zu immer mehr Zulassungsbeschränkungen: „Die Eintrittsbarrieren werden immer höher“. Professor Hans Jürgen Prömel (Präsident Technische Universität Darmstadt) rechnete vor, ein Student der Ingenieurswissenschaften koste pro Jahr 15.000 Euro - die Hochschulen bekämen für ihn aber nur 6500 Euro. „Die Lehre wird weitgehend von Drittmitteln aufrechterhalten.“

          „In diesem Wintersemester erreichten etliche hessische Hochschulen absolute Höchststände bei den Studierendenzahlen“, heißt es warnend in dem gemeinsamen Positionspapier. Die Technische Universität Darmstadt unterhalte 25.021 Studenten, an der Universität Gießen studieren 25.277 Männer und Frauen, die Universität Kassel weist 21.518 Studierende auf und an der Universität Marburg sind 22.661 registriert.

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