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Studenten im Finanzwesen : Weiter Lust auf Banken

Pforte zur Karriere: Viele Studenten am House of Finance der Goethe-Uni liebäugeln immer noch damit, später bei einer großen Bank anzufangen. Doch auch Jobs bei Fintechs oder Beratungen sind bei Absolventen beliebt. Bild: Wonge Bergmann

Konzerne wie die Deutsche Bank und die Commerzbank warten derzeit mit eher schlechten Nachrichten auf. Sorgen um den Nachwuchs müssen sie sich trotzdem nicht machen.

          Said Haschemi wäre der ideale Mann für eine Bank. Er studiert Wirtschaftswissenschaften an der Frankfurter Universität, ist Finanzchef eines Start-ups und war zuletzt für ein Auslandssemester an der renommierten Wharton School in den Vereinigten Staaten, aus der schon viele prominente Unternehmer hervorgegangen sind. Die Deutsche Bank oder auch die Commerzbank könnten eine junge, ambitionierte Nachwuchskraft wie den 21 Jahre alten Haschemi sicher gut gebrauchen. Doch der hat sich schon entschieden, gegen eine Karriere in der Großbank. „Zwölf bis sechzehn Stunden für einen Konzern zu arbeiten ist nicht meine Vorstellung vom Sinn des Lebens“, sagt er selbstbewusst. Haschemi will etwas bewegen - am besten mit einer eigenen Firma.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zum Selbstverständnis der Frankfurter Banken gehört es eigentlich, für Leute wie Haschemi besonders attraktiv zu sein. Jahrelang waren die großen Finanzkonzerne das Traumziel für Wirtschaftsstudenten, weil sie die Hoffnung hatten, dort in internationalem Umfeld schnell Karriere zu machen und gutes Geld zu verdienen.

          Auch weiche Faktoren im Blick

          Doch seit Monaten ist über Geldhäuser wie die Deutsche Bank und die Commerzbank - immerhin die beiden größten Banken Deutschlands - vorwiegend Negatives zu lesen. Die Deutsche Bank verbuchte im vergangenen Geschäftsjahr einen Milliardenverlust, die Aktie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, die Manager in den Doppeltürmen kämpfen zudem mit Altlasten wie Rechtsstreitigkeiten.

          Das tut dem Image ebenso wenig gut wie die Ankündigung der Commerzbank, bis 2020 mehr als 9000 Stellen abbauen zu wollen. Alle Banken ächzen unter der Last niedriger Zinsen, weil sie zu sinkenden Erträgen führen. Gleichzeitig steigen die Kosten, zum Beispiel durch die nach der Finanzkrise erheblich verschärften Regulierungsauflagen in Europa. Und drittens stehen die Häuser vor Strukturveränderungen, weil sie sich dem digitalen Wandel und neuer Konkurrenz stellen müssen.

          „Schlechte Nachrichten wie Rechtsstreitigkeiten beeinflussen die Berufswahl von Absolventen natürlich“, sagt Stephan Bahns, der bei der Personalberatung Robert Half in Frankfurt Kunden aus der Finanzbranche betreut. Gerade die junge Generation achte heute bei der Berufswahl nicht nur auf das Gehalt, sondern auch auf weiche Faktoren wie die Reputation und das ethische Handeln ihres potentiellen Arbeitgebers. „In diesen Kategorien hat die Finanzbranche in den vergangenen Jahren leider gelitten“, so Bahns.

          Hohe Anziehungskraft

          Doch offenbar - zumindest in Frankfurt - in nur so geringem Ausmaß, dass Entscheidungen, wie sie Haschemi getroffen hat, die Ausnahme sind. „Wir spüren keinen Rückgang bei der Nachfrage nach unseren Studiengängen“, sagt Martina Dietz vom Career Service der Frankfurt School of Finance and Management. Zwar wägten die Studenten heute stärker ab als etwa noch vor zehn Jahren. „Aber wer sich für eine Karriere in einer Bank entscheidet, der nimmt die Veränderungen in der Branche auch in Kauf“, so Dietz.

          Katharina Lampkemeyer bestätigt das. Zwar würden Banken aus ethischen Gründen zunehmend kritisch gesehen, sagt die Wirtschaftsstudentin an der Goethe-Uni. Andererseits übe die Veränderungswelle, die derzeit über die Branche schwappe, auf junge Leute eine hohe Anziehungskraft aus. „Viele Studenten motiviert das, weil sie an diesem Umbruch teilhaben und weil sie so das System von innen heraus verändern können“, so Haschemi.

          30 neue Stellenangebote

          Die Banken selbst werben inzwischen immer kreativer um die besten Talente, wie Karriereberaterin Dietz berichtet. „Die Rekrutierungsmethoden verändern sich“, sagt sie und verweist etwa darauf, dass Firmen immer früher auf potentielle Nachwuchskräfte zugingen, um sie zum Beispiel mit Praktika an sich zu binden. „Die Unternehmen präsentieren sich anders als früher und veranstalten Kochabende oder Kletterkurse, um Studenten frühzeitig ins Boot zu holen“, so Dietz.

          Das stellt auch Harry Trummer fest. Der Wirtschaftsprofessor ist geschäftsführender Direktor der Goethe Finance Association, bei der sich im Wochenrhythmus die Chefs großer Finanzkonzerne die Klinke in die Hand geben, um für ihre Unternehmen zu werben. „Das ist ein regelrechter Wettbewerb um die besten Talente“, sagt Trummer. Erst vor einigen Tagen habe er 30 neue Stellenangebote von der Deutschen Bank auf die Seite der Netzwerkorganisation aktueller und ehemaliger Studenten gestellt.

          Risikobereitschaft gestiegen

          Trotz schlechter Nachrichten strebten nach wie vor viele Studenten eine Karriere in großen Banken wie der Commerzbank und der Deutschen Bank an, beobachtet Personalberater Bahns. „Dafür sprechen beispielsweise gute Verdienstmöglichkeiten und internationale Perspektiven aufgrund von Standorten in verschiedenen Ländern.“ Allerdings komme neue Konkurrenz auf. So lockten junge Finanz-Start-ups, sogenannte Fintechs, und kleinere Unternehmensberatungen die Absolventen mit flachen Hierarchien und neuen Ideen.

          Doch gerade die Fintechs seien in der Masse noch zu unbedeutend, sagt Uwe Walz, Direktor des Center for Financial Studies, das im House of Finance an der Uni Frankfurt seinen Sitz hat. Er glaubt trotzdem, dass die Bereitschaft unter den Studenten gestiegen sei, mehr Risiko auf sich zu nehmen und sich mit einem eigenen Unternehmen zu versuchen. „Die jungen Leute sind sehr zielorientiert und wissen, was sie wollen.“ Dennoch sagt auch Walz: „Die Nachfrage nach Jobs bei den Frankfurter Banken ist ungebrochen.“

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