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Darmstädter Studenten : Ein Powersnack aus Brauresten

  • -Aktualisiert am

Restverwertung: Darmstädter Studenten machen aus Abfallprodukten Energieriegel. Bild: Francois Klein

Was beim Bierbrauen als Abfallprodukt übrig bleibt, muss nicht immer entsorgt werden. Findige Darmstädter Studenten haben aus den Resten sogar nahrhafte Riegel entwickelt.

          3 Min.

          Darmstadt. Zunächst war es bloß ein Wahlpflichtfach: „Craft Beverage Entrepreneurship“ nannte sich das Seminar, in dem sich die Studenten Eric Galinski, Christian Stöcker, Arne Schlotheuber und Axel Neumann im April 2018 trafen. Dass dieses Seminar aber das Leben der Sportmanagement-Studenten nachhaltig verändern würde, hätten die vier damals nicht einmal im Traum erwartet. Doch aus der Veranstaltung an der TU Darmstadt ist ein kleines Unternehmen hervorgegangen, das mit seinen Produkten eine Nische erobern und sich gegen die Lebensmittelverschwendung stemmen möchte.

          Unter dem Namen Rebert produzieren Galinski und seine Mitgründer eine Art Müsliriegel mit besonderem Inhalt: Treber. Das ist ein Nebenprodukt, das beim Bierbrauen vom gekochten Malz übrig bleibt. Treber ist rein pflanzlich und gilt als protein- und ballaststoffreich. Mitunter wird er als Viehfutter verwendet oder in Brot verbacken. Wirklich durchgesetzt hat sich Treber als Nahrungsbestandteil aber noch nicht. Die Gründer wollen das mit ihrem Riegel, der keinen Alkohol enthält und auch nicht nach Bier schmeckt, ändern.

          Gute Inhaltsstoffe vor dem Müll bewahren

          „Wir fanden es schade, dass etwas im Müll landet, was gute Inhaltsstoffe enthält“, berichtet Galinski. Auf die Idee seien sie gekommen, weil sie wie andere Sportler auch stets Bedarf an sättigenden, proteinreichen Snacks hätten.

          Zuerst befassten sie sich bloß in der Theorie damit. Die Abschlussarbeit des Seminars war ein Konzept, wie sich Treber zu Riegeln verarbeiten und verkaufen lässt. Ein Professor brachte die Studenten dann auf die Idee, es damit auch in der Realität zu versuchen. „Wir sind dann auch gleich losgezogen und haben bei einer Darmstädter Brauerei den ersten Treber besorgt“, sagt Stöcker. In der heimischen Küche ging es ans Werk. Doch die ersten Riegel waren zu trocken. Also experimentierten sie, setzten Kerne, Haferflocken und Zucker hinzu und verwarfen manche Idee wieder – bis sie endlich in einen Riegel bissen, der ihnen schmeckte. Das Produkt war bereit, auch von anderen getestet zu werden. Das aber stellte die Truppe vor das nächste Problem: „Ein paar Riegel kann man ja noch zu Hause backen, aber sobald es ein paar mehr sein sollen, wird es schwierig“, sagt Stöcker.

          Ein Unternehmen musste her, das sich bereit erklärte, die Riegel zu produzieren. Es folgte das Klinkenputzen bei Herstellern. „Manche haben wir angefragt, ihnen Muster-Riegel geschickt, aber dann nie wieder was von ihnen gehört“, erinnert sich Stöcker. Andere Firmen hätten zwar die Riegel produzieren wollen, aber auf zu hohe Mindestabnahmemengen bestanden. Wieder andere schickten Proberiegel, die aber mit dem Ursprungsprodukt nicht mehr viel gemein hatten. Statt knusprig-crisp war der Riegel klebrig-zäh und enthielt Zutaten, die zwar die maschinelle Produktion der Snacks erleichterten, den Erfindern aber nicht schmeckten. „In unseren Riegeln ist etwa kein Palmfett, weil wir das ökologisch nicht einwandfrei finden“, hebt Galinski hervor. Auch auf Süßstoffe und Agavendicksaft werde verzichtet. Farbstoffe und Konservierungsmittel gibt es nicht. Dafür aber je nach Sorte reichlich Körner oder Kakao.

          2,50 Euro pro Riegel

          Inzwischen haben die Unternehmer einen Bäcker in Polen gefunden, der kleinere Mengen nach dem Originalrezept von Hand herstellt. Der Treber für die Snacks, von denen einer rund 200 Kalorien enthält, stammt von einer Bio-Brauerei aus Hamburg. „Unser Ziel ist aber, irgendwann selbst zu produzieren“, sagt Galinski. 432 Stück umfasste die erste Lieferung. Im Jahr 2020 aber möchten die Gründer schon rund 100.000 Riegel verkaufen, für einen Stückpreis von 2,50 Euro.

          Jungunternehmer: Christian Stöcker, Arne Schlotheuber, Axel Neumann und Eric Galinsky (von links) verkaufen einen Riegel namens Rebert.

          Finanzierten die Gründer ihre ersten Schritte mithilfe des „Hessen-Ideen-Stipendiums“, so haben sie inzwischen eine Crowdfunding-Aktion gestartet. 14.000 Euro sollen dabei zusammenkommen, unter anderem für die Produktion weiterer Riegel. Erste Snacks gibt es schon zu kaufen, online sowie in „Timms Café“ im Darmstädter Johannesviertel. Und die Jungunternehmer, die nebenbei noch ihr Studium beenden, haben schon neue Pläne: Zu den Geschmacksrichtungen Körner und Kakao soll ein Fruchtriegel hinzukommen. Ferner stehen Treber-Chips und Brotbackmischungen auf dem Wunschzettel. Außerdem könnte Trester, also das, was beim Keltern von Wein übrigbleibt, bald ebenfalls zu Leckereien verarbeitet werden. „Trauben sind kleine Kraftpakete und auch zu schade zum Wegwerfen“, findet Galinski.

          Doch egal, wie sich das Unternehmen einmal entwickeln wird – der Name ihres ersten Produkts wird sie immer an ihre Anfänge erinnern: Rebert ist das Palindrom für Treber.

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