https://www.faz.net/-gzg-7ikwx

Studenten-Ansturm in Hessen : „Seminare mit hundert Leuten sind keine Seminare mehr“

  • -Aktualisiert am

Erste Management-Prüfung im Studentenleben: einen Platz im Hörsaal ergattern. Bild: dpa

Hessische Uni-Präsidenten rechnen mit weiterhin hohen Studentenzahlen, die sie gerade so bewältigen können. Einig sind sich alle Präsidenten darin, dass sie mehr Geld benötigen.

          2 Min.

          An den fünf hessischen Universitäten werden in diesem Wintersemester ungefähr 145000 Frauen und Männer studieren, gut drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Studenten im ersten Fachsemester dürfte bei 33400 liegen, das sind etwa sechs Prozent mehr als im Wintersemester 2012/2013. Diese vorläufigen Zahlen gab gestern der Sprecher der Konferenz hessischer Universitätspräsidien, Rolf-Dieter Postlep, in Wiesbaden bekannt.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach den Worten des Kasseler Uni-Präsidenten sind diese Zuwächse nicht so hoch, wie angesichts der vielen Studienberechtigten zu erwarten gewesen wäre. Es sei aber auch nicht anzunehmen, dass die Zahlen bald wieder sinken würden: „Wir bewegen uns auf einem Hochplateau, mindestens für die nächsten zehn Jahre.“

          Auslastung am „Ende der Fahnenstange“

          Wie Postlep und seine Amtskollegen ausführten, können die Universitäten den aktuellen Andrang im allgemeinen bewältigen, wenn auch zum Teil nur unter Anspannung aller Kräfte. Es erfordere eine „ungeheure Anstrengung“, für erträgliche Lernbedingungen zu sorgen, sagte die Marburger Uni-Präsidentin Katharina Krause. Durch die großen Gruppen werde der Sinn mancher traditioneller Lehrformate in Frage gestellt. „Wir haben zum Teil Seminare mit mehr als hundert Leuten – das sind dann eigentlich keine Seminare mehr.“

          Nach Ansicht des Gießener Uni-Präsidenten Joybrato Mukherjee ist mit der derzeitigen Auslastung seiner Hochschule das „Ende der Fahnenstange“ erreicht. Das System funktioniere nur noch mit Kompromissen. Mukherjees Frankfurter Kollege Werner Müller-Esterl äußerte, seine Universität komme „mit den jetzigen Anforderungen zu Rande“. An der Technischen Universität Darmstadt ist die Lage laut ihrem Vizepräsidenten Christoph Motzko „angespannt, aber beherrscht“. Er fügte jedoch hinzu: „Das sind Zustände, die man einer Organisation nicht über eine lange Zeit zumuten kann.“

          Promotionsrecht für Fachhochschulen sei ein Problem

          Einig sind sich alle Präsidenten darin, dass die Grundfinanzierung der Universitäten erhöht werden müsse. Postlep verwies auf die Forderung von Hochschul- und Wissenschaftsorganisationen, dass der jährliche Budgetzuwachs mindestens ein Prozent über der Inflationsrate liegen solle. Nötig seien regelmäßige Zuwendungen des Bundes an die Hochschulen. Dazu müsse das Kooperationsverbot im Grundgesetz fallen, das eine direkte, dauerhafte Unterstützung aus dem Bundesetat unmöglich mache.

          Die Präsidenten erinnerten daran, dass der Großteil der akademischen Ausbildung in Hessen von den Universitäten geleistet werde: An ihnen seien 65 Prozent aller Studenten eingeschrieben. Die Forschung wird vollends von den Universitäten dominiert, wie Postlep deutlich machte: Ihnen kämen 96 Prozent aller von Hochschulen eingeworbenen Drittmittel zugute. Deshalb sei es wichtig, den wissenschaftlichen Standard etwa bei Doktorarbeiten hochzuhalten. „Wenn FH-Kollegen glauben, das Promotionsrecht gehöre auch an die Fachhochschulen, dann haben wir damit ein Problem“, sagte Mukherjee. Sinnvoll seien aber kooperative Promotionen, bei denen FH-Forscher den Titel von einer Uni verliehen bekommen.

          Weitere Themen

          Drei IS-Anhänger in Offenbach festgenommen

          Staatsanwaltschaft Frankfurt : Drei IS-Anhänger in Offenbach festgenommen

          170 LKA-Beamte und Polizisten waren im Einsatz: In Offenbach haben die Behörden drei IS-Anhänger festgenommen und Sprengstoff gefunden. Laut Frankfurter Staatsanwaltschaft sollen sie eine religiös motivierte Straftat mit vielen Opfern im Rhein-Main-Gebiet geplant haben.

          Börsenglocke zum Geburtstag Video-Seite öffnen

          F.A.Z. wird 70 : Börsenglocke zum Geburtstag

          Nein, die F.A.Z. geht nicht an die Börse. Dass Werner D'Inka, seine Mit-Herausgeber und die Geschäftsführer die Eröffnungsglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durften, war ein Geschenk der Deutschen Börse zum 70. Geburtstag.

          Topmeldungen

          Wie teuer wird die Reise für diese Autos? Das hängt von der Zollentscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ab.

          Handelskonflikt mit der EU : Verschiebt Trump die Autozölle?

          Die Zeichen mehren sich, dass Amerika vorerst keine neuen Zölle auf europäische Autos erhebt. Offenbar will der amerikanische Präsident damit auch auf Ursula von der Leyen zugehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.