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Neues Umspannwerk : Stromverbrauch in Frankfurt wächst weiter

  • -Aktualisiert am

Im Internet steckt viel Energie: Rechenzentren machen 20 Prozent des gesamten Strombedarfs von Frankfurt aus. Bild: AP

Frankfurts Hunger nach Strom wächst - noch ist der Flughafen auf Platz eins, doch besonders Rechenzentren verbrauchen immer mehr Strom. Daher baut die Mainova nun eigens für sie ein weiteres Umspannwerk.

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          In Frankfurt wird immer mehr Strom verbraucht – und das liegt vor allem an den Rechenzentren in der Stadt. Schon heute machen die unscheinbaren Kolosse 20 Prozent des gesamten Strombedarfs der Stadt aus, nur der Flughafen benötigt momentan noch mehr Energie. Auf absehbare Zeit werden die Rechenzentren den Flughafen sogar von der Spitze verdrängen, prognostiziert die Mainova. Bisher liegt der Strombedarf des Flughafens bei etwa 25 Prozent der in ganz Frankfurt verbrauchten Energie.

          Mit dem Bau eines neuen Umspannwerks reagiert der Versorger deshalb jetzt auf den steigenden Energiebedarf und den Wunsch nach einer sicheren Stromversorgung auch in Zukunft. Im Gallus entsteht auf einem Grundstück des Rechenzentrum-Betreibers Telehouse ein weiteres unauffälliges Gebäude, das Starkstrom in Strom mit einer niedrigen Spannung umwandelt. 30 Umspannwerke sind schon jetzt in Frankfurt notwendig, damit der starke Strom aus den Kraftwerken in der richtigen Spannung bei den Endverbrauchern, wozu auch Rechenzentren zählen, ankommt.

          Internethauptstadt Deutschlands

          Für Telehouse ist das neue Werk wichtig, weil so der Hochspannungsstrom direkt vor die Tür ankommt erst dort umgewandelt wird. Die heutigen Kabel des Niedrigspannungsstroms von den bisherigen Umspannwerken würden aufgrund der Ausbaupläne von Telehouse in absehbarer Zeit an ihre Auslastungsgrenzen kommen.

          Für die Mainova lohnt sich die Investition, weil sie so eine gute Versorgungssicherheit für die Zukunft gewährleisten kann. Das ist wichtig, weil die Serverzentren ununterbrochen gigantische Mengen an Strom benötigen und eine sehr sichere Versorgung mit Energie ein entscheidendes Kriterium dafür ist, wo sich ein Serverpark ansiedelt oder ausgebaut wird. Schon heute gilt Frankfurt als Internethauptstadt Deutschlands, wenn nicht sogar Europas, der größte Internetknoten der Welt befindet sich hier. Diese Wettbewerbsposition möchten Stadt und Wirtschaft erhalten und ausbauen. Der enorme Strombedarf der Serverparks wird alleine am Verbrauch von Telehouse deutlich. Deren Rechenzentrum benötigt so viel Strom wie eine durchschnittliche Stadt mit 40.000 Einwohnern, also zum Beispiel Dreieich. In Frankfurt steht Telehouse allerdings nur für etwas mehr als zwei Prozent des gesamten Stromverbrauchs, weil es viele andere Großverbraucher gibt.

          „Serverparks sind Energiesparer“

          Zum Vergleich: Alle Privathaushalte zusammen benötigen gerade einmal 20 Prozent des gesamten Stroms der Stadt – also nur rund zehn Mal so viel wie das Rechenzentrum von Telehouse. Hochgerechnet auf alle Zentren heißt das wiederum, dass sie zusammen so viel Strom verbrauchen wie alle Privathaushalte zusammen.

          So gigantisch der Strombedarf der Zentren ist, der Verbrauch wäre noch höher, wenn es sie nicht gäbe. Weil diese Zentren nur die Infrastruktur für zahlreiche Unternehmen wie Banken liefern, die ihre Serverparks dort unterbringen, wäre nach Kalkulation der Mainova der Stromverbrauch um 50 Prozent höher, wenn jedes Unternehmen sich einen eigenen Serverpark errichten würde. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova, brachte es auf eine paradoxe Formel: „Serverparks sind ungeheure Stromverbraucher, aber auch Energiesparer.“

          Weil sich immer mehr Rechenzentren in Frankfurt niederlassen und die bestehenden ausgebaut werden, rechnet die Mainova mit einem weiter steigenden Strombedarf in den nächsten Jahren. Konkret beziffern kann das Unternehmen das erwartete Wachstum aber nicht. Zu sehr hänge es davon, wie sich die Wirtschaft in der Stadt entwickele und wie viele Zentren hier blieb ausgebaut würden oder hinzukämen, sagte eine Sprecherin. In den vergangenen Monaten wurde die unschönen Seiten der vielen Rechenzentren in Frankfurt durch Edward Snowden ans Licht gebracht. Der Bundesnachrichtendienst darf danach die Datenströme überwachen und leitete sie bis 2007 an die NSA weiter.

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