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Pilzgefahr für Streuobstwiesen : Spuren der Hitze

Schwarzes Loch: vom Rindenbrand befallener Apfelbaum auf einer Sossenheimer Streuobstwiese Bild: privat

Nicht nur der Wald hat unter den beiden vergangenen Sommern gelitten. Auch für die Apfelbäume war es hart – mit Folgen für die Streuobstwiesen.

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          Schwarz ist keine typische Farbe an Obstbäumen. Schon gar nicht an Apfelbäumen. Und so ist es kein Wunder, dass Streuobstwiesenbesitzer sich über die schwarzen Stellen an den Stämmen und Ästen ihrer Bäume wundern. Mitunter sind die dunklen Flecken nicht nur an Stellen zu sehen, an denen der Baum Risse und Verletzungen hat, sondern der gesamte Stamm wirkt, als sei er in Tinte getaucht worden. Fachleute sprechen vom sogenannten Rindenbrand. Auslöser dieser Krankheit ist ein Pilz, der „Diplodia mutila“, der als Schwächeparasit gilt, also erst dann seine Wirkung entfalten kann, wenn der befallene Baum nicht mehr gesund ist.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erstmals ist das Phänomen nach dem heißen Sommer 2003 aufgetreten. Und auch in den beiden folgenden Jahren erhielt Tobias Storch, der beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Pflanzenberater im Gartenbau ist, Anrufe von zahlreichen Streuobstwiesenbesitzern, dass sie an einigen ihrer Apfelhochstämme merkwürdige Schwarzfärbungen beobachtet hätten. Damals, sagt er, seien die Meldungen aus allen Streuobstwiesengebieten des Rhein-Main-Gebiets gekommen, häufig auch aus dem größten zusammenhängenden Areal, dass sich vom Berger Hang in Frankfurt bis nach Maintal-Bischofsheim und hinüber bis nach Bad Vilbel erstreckt. Dort, aber auch in Frankfurt-Sossenheim und auf den Wiesen im Vordertaunus stehen die Bäume, an denen das Obst für den Apfelwein wächst.

          Immer und überall vorhanden

          Dann kehrte in Sachen Rindenbrand an Apfelbäumen zunächst wieder Ruhe ein. Oliver Martinez, Masterstudent im Fachbereich Gartenbau an der Hochschule Geisenheim, resümierte die Erfahrungen in seiner Arbeit „Apfelsterben im Streuobst- und Bioanbau“. Demzufolge trifft der Befall nur jene Obstbauern, die ihre Flächen extensiv bewirtschaften, ihre Bäume also nicht bewässern und ohne Fungizide arbeiten. „Der gewerbliche Anbau ist von dem Phänomen ausgenommen“, sagt Storch, dessen Wissen über den Parasiten, der Risse, Schnitte oder andere Verletzungen der Bäume nutzt, um sich dort festzusetzen, wieder stark nachgefragt ist. „Der Pilz ist nicht bedingt durch das warme, mediterrane Klima zurückgekehrt“, sagt Storch, er sei immer überall vorhanden. Einem gesunden Baum könne er nur eben nichts anhaben. Die Apfelbäume seien infolge von Hitze und Trockenheit in den vergangenen beiden Sommer jedoch „gestresst“ und könnten dem Pilz keinen Widerstand mehr leisten.

          Anders als die vergleichbare Rußrindenkrankheit bei Ahornbäumen, die ebenfalls durch einen Schwächeparasiten verursacht wird, sind die Sporen des Pilzes, der den Rindenbrand bei Apfelbäumen auslöst, für den Menschen nicht gefährlich. Sie hätten keinerlei Auswirkungen auf Personen, die mit den kranken Stellen am Baum in Kontakt kämen, sagt Storch. Das mag betroffene Obstbaumbesitzer auf der einen Seite beruhigen, auf der anderen aber wollen sie wissen, wie sie ihre Bäumen retten können.

          Nicht viel Handlungsspielraum

          Storch rät, befallene Äste abzuschneiden. Sollte der Stamm an einzelnen Stelle schwarze Verfärbungen zeigen, sei es möglich, diese auszuschneiden und die Wunde mit einem Verschlussmittel abzudecken. „Es kann aber derzeit niemand sagen, ob sich der Baum erholt.“ Storch rät nicht zur Säge, aber für ihn steht fest, dass zahlreiche Apfelbäume die Folgen der beiden heißen Sommer nicht überleben werden.

          Zum Schutz der Obstbäume raten die Fachleute die Stämme „zu weißeln“. Die helle Farbe verhindere, dass sich die Rinde im Sommer zu stark aufheize und Risse bilde, über die der Pilz eindringen könne. Ideal, so Storch, wäre es, die Bäume in den Sommermonaten zu bewässern. Da dies bei Streuobstwiesen in alle Regel nicht möglich ist, bleibt jenen, die solche Flächen pflegen, nicht viel Handlungsspielraum. „Eigentlich“, so Storch, „kann man gar nichts machen.“

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