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Im Gespräch: Präsidenten von TU und Hochschule Darmstadt : „Der Doktortitel darf nicht verwässert werden“

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TU-Präsident Hans Jürgen Prömel (rechts) und Ralph Stengler, Präsident der Hochschule Darmstadt reden über das Promotionsrecht für Fachhochschulen. Bild: Frank Röth

Das Land will Fachhochschulen dort das Promotionsrecht gewähren, wo sie forschungsstark sind. Ob das eine gute Idee ist, darüber streiten zwei Präsidenten.

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          Herr Stengler, die Fachhochschulen werden den Universitäten immer ähnlicher. Sie haben das „Fach-“ aus ihrem Namen gestrichen, ihre Abschlüsse sind denen der Unis formal gleichgestellt. Warum wollen Sie jetzt auch noch Doktortitel vergeben?

          Stengler: Wir wollen unseren Studierenden alle Karrierewege offenhalten. Wer sehr begabt ist, der soll bei uns seinen Doktor machen können und dafür nicht an eine Universität wechseln müssen.

          Herr Prömel, die Universitäten sind gegen ein Promotionsrecht für Fachhochschulen. Wollen Sie FH-Absolventen diesen Karriereweg verbauen?

          Prömel: Nein, um Gottes willen. Promotionen von FH-Absolventen sind doch jetzt schon möglich. Eine Studie der Hochschulrektorenkonferenz hat gezeigt, dass der Anteil von Promovenden aus Fachhochschulen um 50 Prozent gestiegen ist. Die Universitäten haben ein Interesse daran, gute Studierende aus den Fachhochschulen zu übernehmen.

          Aber warum sind Sie dagegen, dass Fachhochschulen selbst den Doktorgrad verleihen?

          Prömel: Wir befürchten, dass damit der Doktorgrad verwässert würde. Alles, was die Fachhochschulen wollen, kann man innerhalb des jetzigen Systems erreichen.

          Herr Stengler, wollen Sie den Doktortitel verwässern?

          Stengler: In einem Punkt sind sich Universitäten und Fachhochschulen einig: Die Promotion muss auf einem hohen Niveau stattfinden. Wir wollen nichts verwässern. Wir haben ja auch schon bewiesen, dass wir für Qualität sorgen können.

          Manchen FH-Fachbereichen wird tatsächlich eine hohe Forschungsqualität nachgesagt. Warum sollen die dann keine Doktortitel vergeben dürfen?

          Prömel: Wer sagt, welcher Fachbereich forschungsstark ist? Wie wird das kontrolliert? Ich finde es auch extrem schwierig, einem Teil einer Hochschule ein Recht zu geben, das andere Teile nicht haben. Interdisziplinäre Promotionen sind dann nicht möglich.

          Es gibt doch eine Reihe von Indikatoren für Forschungsstärke. Einer ist zum Beispiel die Menge von eingeworbenen Drittmitteln.

          Prömel: Die Hochschule Darmstadt hat je Professor ungefähr 2,9 Prozent der Drittmittel, die einem durchschnittlichen TU-Professor zur Verfügung stehen. Betrachtet man nur die Industrie-Drittmittel, kommt die Hochschule auf vier Prozent.

          Stengler: Im gleichen Zeitraum, in dem die TU 160 Millionen Euro Drittmittel eingeworben hat, kamen wir auf 6,2 Millionen. Das entspricht 535.000 Euro je TU-Professur und 21.000Euro je Professur bei uns. Aber ein Großteil der Forschungsleistung wird ja nicht von Professoren, sondern ihren Mitarbeitern erbracht, von denen es an Universitäten sehr viele gibt. Wenn man das berücksichtigt, kommt man auf 59.000Euro je wissenschaftlich Tätigem an der TU und auf 18.000Euro bei uns. Da ist das Missverhältnis dann schon nicht mehr so groß. Außerdem forschen bei uns nicht alle Professoren. Das Geld konzentriert sich also noch einmal auf eine kleinere Gruppe. Und die kann mit den Unis mithalten.

          Prömel: Aber Herr Stengler, Sie legen hier eine Milchmädchenrechnung mit falschen Berechnungsgrundlagen und Bezügen vor. Tatsache ist ein klar unterschiedliches Verhältnis zwischen TU und Hochschule bei den Drittmitteln. Ich würde hier das Bild von Riese und Zwerg bemühen.

          Auf welchen Gebieten ist denn die Hochschule Darmstadt besonders forschungsstark?

          Stengler: Zum Beispiel in der Informatik und den Ingenieurwissenschaften. Da wir vom Land keine Grundfinanzierung für Forschung bekommen, wird sie über Drittmittelprojekte finanziert, die extern evaluiert wurden. Da haben Sie doch schon eine Qualitätskontrolle.

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