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Streit vor Gericht : „Hilferuf“ für Egelsbacher Tierherberge

  • -Aktualisiert am

Heimstatt für Hunde: Blick in die Tierherberge Egelsbach, um deren Zukunft es einen Rechtsstreit gibt. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Um das Tierheim am Rand des Flugplatzes Egelsbach zu erhalten, streitet der Trägerverein mit dem Landkreis Offenbach vor Gericht und sucht Unterstützer.

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          Der Verein „Tierrettungsdienst Frankfurt“ verstärkt seine Anstrengungen, um die Tierherberge in Egelsbach weiter betreiben zu können. Nun wandte er sich in einer Pressekonferenz mit einem, so die Vereinsvorsitzende Petra Franci, „Hilferuf an die Öffentlichkeit“, und am 20. März soll es um 14 Uhr eine Demonstration vor dem Kreishaus in Dietzenbach geben. In dem Tierheim ist Platz für rund 60 Hunde, vor allem für solche, die aus dem Ausland stammen. Die Tiere werden an Privatleute vermittelt.

          Anlass für den Protest des Vereins sind Einwände des Bauamts und des Veterinäramts des Landkreises Offenbach gegen den derzeitigen Betrieb. Im Zentrum stehen baurechtliche und veterinärrechtliche Fragen. So moniert der Kreis, dass auf dem Gelände illegal errichtete Gebäude stünden, für die es keine planungsrechtliche Grundlage gebe, und dass bis heute keine „Erlaubnis für den gewerbsmäßigen Tierhandel“ beantragt worden sei.

          „Wollen eine vernünftige Lösung“

          Der Streit wird mittlerweile vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt ausgetragen. Derzeit will der Trägerverein vor allem verhindern, dass die vom Kreisveterinäramt mit Verweis auf die fehlende Betriebserlaubnis zum 15. April angeordnete „Auflösung des Tierbestands“ Wirklichkeit wird. Dagegen hat der Verein geklagt. Nach Auffassung des Vereinsjustitiars Thomas Krampol könnte es noch in diesem Monat zu einem vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich kommen. Danach müssten die Tiere das Heim nicht verlassen, es dürften aber auch keine neuen mehr aufgenommen werden.

          Ungeachtet dessen würden die beiden sogenannten Hauptsacheverfahren zum Bau- und zum Veterinärrecht weitergehen. Dem Vergleich zuzustimmen falle dem Verein zwar schwer, „aber wir wollen eine vernünftige Lösung finden“. Den Sofortvollzug einer Abrissverfügung konnte er im vergangenen Jahr bereits verhindern.

          Dass die Hundehütten einst ohne Genehmigung errichtet worden sind, bestreitet der Trägerverein nicht, kritisiert aber, dass dieses Kriterium jetzt gelten solle, wo der Kreis doch jahrzehntelang nichts zu beanstanden gehabt habe. Ein Gewerbe für das Heim anzumelden lehnt der Verein ab. „Er würde sonst seine Gemeinnützigkeit verlieren, dürfte keine Spenden mehr sammeln oder Erbschaften annehmen“, so Krampol. „Das wäre das finanzielle Aus für die Tierherberge.“ Franci wehrt sich gegen die „Unterstellung“ des Kreises, die Herberge sei ein Gewerbebetrieb: „Wir erzielen keine Gewinne.“

          Kosten von 230.000 Euro im Jahr

          Nach Angaben des Vereins lagen die Kosten für das Heim im vergangenen Jahr bei 230.000 Euro. Um die Hunde kümmern sich drei Tierpfleger und zwei 400-Euro-Kräfte. Zu Buche schlagen auch Ausgaben für den Tierarzt. An Einnahmen wurden aus der Vermittlungsgebühr für 281 Hunde 65 300 Euro erzielt. Der Rest musste über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Patenschaften erwirtschaftet werden. Das Gelände hat der Verein von der Hessischen Flugplatz GmbH gepachtet.

          Der Streit begann vor etwa fünf Jahren, als der Verein ein Wohnhaus auf dem Gelände abreißen musste, in dem Privatleute die Tierschutzarbeit begonnen hatten. Der Verein wurde 1981 dort tätig. Franci hob hervor, sich intensiv nach einem anderen Standort umgeschaut, aber keinen gefunden zu haben. „Wir wollen für die Tierherberge kämpfen.“ Bisher hat der Tierrettungsdienst Frankfurt mehr als 12 500 Unterschriften gesammelt und dem Kreis übergeben. Kontakt gab es auch zu Politikern, von denen sich der Verein allerdings mehr Unterstützung erhofft hat.

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