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Streit um Windräder : Koalition schont den Taunuskamm

  • -Aktualisiert am

Luftnummer: Windräder im Rheingau sind höchst umstritten. Bild: dpa

Das rot-grüne Bündnis in Oestrich-Winkel kommt den Windkraftgegnern nun zum Teil entgegen und verzichtet auf Anlagen auf dem Taunuskamm. Der CDU ist das nicht genug. Sie will grundsätzlich keine Rotoren im Rheingau.

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          SPD und Grüne in Oestrich-Winkel haben gemeinsam Konsequenzen aus den beiden Bürgerforen zur Nutzung der Windenergie im kommunalen Wald gezogen: Sie schließen nun alle Standorte für Windräder auf der Südflanke des Taunus und auf dem Taunuskamm aus.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die Koalitionspartner sind mit dem Informationsfluss vor dem Bürgerentscheid am 7. Dezember zufrieden. Die Sichtbarkeitsanalyse von zwölf Windrädern auf den von den Stadtverordneten beschlossenen Flächen widerlegt ihrer Ansicht nach die Befürchtungen des Vereins „Pro Kulturlandschaft Rheingau“. Weder werde der Rheingau nach diesen Plänen unwiederbringlich zerstört, noch erlitten die Stadt und ihre Bürger einen dauerhaften Schaden, wie es in der Begründung des Vereins zum Bürgerentscheid formuliert sei. Alle Bedenken mit Hinblick auf den Naturschutz würden gutachterlich geprüft und bei der Genehmigung berücksichtigt.

          CDU hält keinen Standort für geeignet

          Dessen ungeachtet sei der Windstrom nach dem Klimaschutzkonzept des Zweckverbandes Rheingau für Oestrich-Winkel erforderlich. Standorte auf der Südflanke des Taunus und auf dem Taunuskamm selbst seien dabei nicht vorgesehen. Dies wollen SPD und Grünen noch einmal durch einen Antrag im Stadtparlament bekräftigen, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

          Unterdessen empfiehlt die CDU den Oestrich-Winkelern, beim Bürgerentscheid mit Ja und damit gegen die Aufstellung von Rotoren im Kommunalwald zu stimmen. „Windräder passen nicht in die Rheingauer Landschaft und gehören schon gar nicht in den Hinterlandswald, das größte zusammenhängende Waldgebiet Hessens“, heißt es zur Begründung. Die CDU hält es für unseriös, den Bürgern vorzuspiegeln, es gebe geeignete Standorte für Windräder „weit hinten im Wald“, die optisch verträglich seien. Die Rotoren blieben in jedem Fall weithin sichtbar und störten das Landschaftsbild.

          Abstimmung am 7. Dezember

          Zudem bezweifelt die CDU, dass sich für entlegene und schwer erreichbare Standorte tatsächlich Investoren finden. Damit wachse der Druck auf die näher gelegenen und günstigeren Standorte auf dem Taunuskamm und der Südseite: „Wir glauben SPD und Grünen nicht, dass sie diesen Verlockungen dann widerstehen werden“, meint die CDU.

          Für zwölf Windräder im Wald müssten nach Berechnungen der Union 4000 Bäume aus „ökologisch wertvollen Beständen“ gefällt werden. Nur ein geringer Teil der gerodeten Flächen könne anschließend wieder aufgeforstet werden. Bis der neue Wald die positiven Wirkungen auf Boden, Wasser, Tierwelt und Erholungssuchende wieder entfalten könne, vergingen 80 bis 100 Jahre. Damit einher gehe eine starke Wertminderung des Forstes, heißt es in der Erklärung der CDU. Sowohl die Koalition als auch die CDU wollen auf ihren jeweiligen Internetseiten ihre Positionen noch einmal ausführlich darstellen. Die CDU lädt überdies für Donnerstag, 27. November, 20 Uhr, zu einem Filmabend ins Bürgerzentrum Oestrich, um die Auswirkungen von Windrädern im Wald zu zeigen.

          Unterdessen teilt die Stadt mit, dass die Wahlbenachrichtigungen für die Abstimmung am 7. Dezember mittlerweile versandt sind. Nach ihrem Erhalt könne unmittelbar die Briefwahl beantragt werden.

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