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Streit um „Südend-Neger“ : Rosenmontagszug mit Polizeischutz nach Rassismusvorwürfen

  • Aktualisiert am

Solidarität I: Eine Fuldaer Närrin tritt für den „Neger vom Südend“ ein Bild: Reuters

Jahrelang hat Karnevalist Wolfgang Schuster in Fulda beim Umzug den „Neger vom Südend“ gemimt. Dieses Jahr bleibt er nach Rassismusvorwürfen ungeschminkt. Die Polizei hat gleichwohl Hinweise auf „erhöhte Gefährdung“.

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          In Fulda hat bei mildem Wetter Hessens größter Rosenmontagsumzug begonnen - unter besonderen Umständen. Einer der Vereine bekommt Polizeischutz. Die Narren vom Karnevalverein Südend Fulda sahen sich im Vorfeld Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Die Polizei hatte Hinweise auf eine erhöhte Gefährdung.

          „Ich bin ziemlich angespannt“, sagte der Vorsitzende des Karnevalvereins, Andreas Beck, vor dem Umzug. „Ich hoffe, dass nichts passieren wird.“ Um 13.33 Uhr fiel der Startschuss für den Zug durch die Innenstadt, zu dem rund 60.000 Schaulustige erwartet wurden.

          Vergangenheit: Karnevalist Wolfgang Schuster vom Karnevalsverein Südend Fulda als „Neger vom Südend“

          Schon vor dem Start des Umzugs bekam der Fuldaer Verein Solidarität und Zustimmung. Manche Narren haben sich das Gesicht mit schwarzer Farbe eingerieben, einer hat ein Schild mit der Aufschrift „Ein Herz für Neger“ getragen. Der Verein hat nach der Kritik auf seine Figur des „Südend-Negers“ verzichtet, bei dem eines seiner Mitglieder schwarz geschmickt mit Knochenkette, Leopardenfell und Perücke kostümiert ist. Der Mann ist ohne Schminke und Knochenkette beim Umzug mitgelaufen.

          Der Verein stand auch wegen seiner Kolonialuniformen in der Kritik. Auf diese Verkleidung haben die Narren nicht verzichtet.

          Wissenschaftler rügen „Blackfacing“ beim Karneval

          Die als rassistisch bezeichneten Kostüme des Karnevalvereins Südend Fulda werden von Wissenschaftlern kritisch bewertet. Gewisse Grenzen und Normen seien in der Karnevalszeit traditionell ausgesetzt, sagt der Kultursoziologe Jörn Ahrens von der Universität Gießen. Doch es gebe weiter Grenzlinien.

          Die Mitglieder des Fuldaer Klubs tragen Kolonialuniformen und hatten in den letzten Jahren in ihrer Mitte die Figur des „Südend-Negers“ - ein weißer Mann, der sich das Gesicht schwarz geschminkt hatte und mit Knochenkette, Leopardenfell und Perücke unterwegs war. Dass von „Neger“ gesprochen wird, findet Kultursoziologe Ahrens bereits unangebracht. „Das Wort ist seit 20 bis 25 Jahren aus dem normalen Sprachgebrauch heraus“, sagte er. Farbige Menschen würden mit diesem Begriff abgewertet. Wenn sich weiße Menschen als Schwarze anmalen, wird das „Blackfacing“ genannt - die Praxis wird allgemein als rassistisch kritisiert.

          Historiker der Universitäten Kassel und Leipzig sehen außerdem die kolonial anmutenden Uniformen des Fuldaer Vereins kritisch. Vor mehr als 100 Jahren wurden Aufstände in deutschen Kolonien teilweise brutal niedergeschlagen. (dpa)

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