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Stadtwald in Grünberg : Haselmäuse müssen Windrädern weichen

  • -Aktualisiert am

Bedroht: Nicht nur im Grünberger Stadtwald kämpfen Haselmäuse ums Überleben. Bild: dpa

In Grünberg gibt es Streit um Haselmäuse im Stadtwald. Denn das Regierungspräsidium hat deren „Vergrämung“ erlaubt. Der Vorstand der Jägervereinigung vermutet taktische Gründe.

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          Weil eine im Stadtwald Grünberg geplante Windkraftanlage die Winterquartiere von mehreren Haselmäusen bedroht, haben die Jägervereinigung Oberhessen und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Strafanzeige gegen das Regierungspräsidium Gießen erstattet. Die von der Behörde erlaubte „Vergrämung“ der in Deutschland streng geschützten Haselmaus sei ein schwerer Verstoß gegen das Arten- und Tierschutzgesetz „aus niedrigen Beweggründen“, argumentieren die Anzeigensteller. Hier werde das Interesse eines Investors in unvertretbarer Weise über den Tierschutz gestellt, denn es sei naheliegend, dass durch die Vertreibung Haselmäuse in großer Zahl getötet würden.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Angaben des Regierungspräsidiums handelt es sich um eine Population von lediglich drei Haselmäusen, die Ende Oktober bei einer Kontrolle in dem Waldstück festgestellt worden sei. Daraufhin hätte der Antragsteller mit der Rodung der Fläche eigentlich bis zum nächsten Frühjahr warten müssen, doch sei in diesem Fall eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden.

          Besondere Verantwortung

          Aus Sicht der Behörde sei es möglich und fachlich vertretbar gewesen, das Areal für die Haselmaus noch vor Beginn des Winterschlafs in einen „unattraktiven Zustand“ zu versetzen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Das bedeute, dass keine Bäume gefällt und nur solche Maßnahmen vorgenommen werden dürften, die reversibel seien. Zusätzlich hätten Laub und herumliegendes Holz entfernt werden dürfen. Den Vorwurf, dass artenschutzrechtliche Belange nicht gewahrt worden seien, weist das Regierungspräsidium entschieden zurück.

          Von Naturschützern war die Jägervereinigung Oberhessen Mitte November über „ungewöhnliche forstliche Maßnahmen“ im Grünberger Stadtwald informiert worden. Laub und Gehölz seien in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ auf der Zufahrt zu den geplanten, aber noch nicht genehmigten drei Windrädern mit einem Bagger „großflächig“ entfernt worden, berichtet Helmut Nickel, der Vorsitzende der Jägervereinigung. Ein Vorarbeiter habe auf Nachfrage erläutert, dass man vermeiden wolle, dass die Haselmaus an dieser Stelle ihr Winterquartier beziehe. Nickel vermutet, dass die „Brutalität“ und die Eile des Vorgehens gegen die Tiere durch die sich im nächsten Jahr verschlechternden Konditionen für Windstrom zu erklären seien.

          Die Genehmigung des Regierungspräsidiums sei angesichts des besonderen Schutzstatus der Haselmaus nicht akzeptabel, argumentiert Nickel. Das nachtaktive Nagetier habe in Hessen einen Verbreitungsschwerpunkt, und der Landesbetrieb Hessen-Forst spreche deshalb auch von einer besonderen Verantwortung des Bundeslandes für die Erhaltung dieser Tierart.

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