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Hessen und Frankfurt uneins : Streit um Kulturcampus

Uneinigkeit: Das Theater soll vor dem Bockenheimer Depot erreichtet werden. Bild: Foto Wonge Bergmann

Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen sind sich uneins über das weitere Vorgehen beim Kulturcampus. Das betrifft auch die Zukunft der Städtischen Bühnen.

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          Bei der Planung des Kulturcampus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim verhärten sich die Fronten zwischen der Kommune und dem Land Hessen. Während die Kunst- und Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Die Grünen) den gemeinsam mit der Stadt geplanten Architekturwettbewerb für den Neubau der Musikhochschule und das angegliederte „Zentrum der Künste“ rasch ausschreiben will, benötigt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) einen Teil der Fläche als optionale Reserve für ein Ausweichquartier der Städtischen Bühnen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hartwig will den Bau des „Zentrums der Künste“ daher in zwei Schritten realisieren: Südlich der Bockenheimer Landstraße soll zunächst das Tanzzentrum LAB neben der Musikhochschule entstehen. Nördlich der Straße will Hartwig das für die übrigen Einrichtungen des „Zentrums der Künste“ gedachte, dreieckige Tortengrundstück vor dem Bockenheimer Depot erst später bebauen, wenn Klarheit herrscht über die Städtischen Bühnen. Das stößt im Ministerium auf Ablehnung. „Der Wegfall des Zentrums der Künste auf dem Tortengrundstück würde komplett neue Vorzeichen für das gesamte Projekt bedeuten, von denen ich nicht weiß, ob es sich um die Position der gesamten Frankfurter Koalition handelt. Das muss zunächst auf politischer Ebene geklärt werden, bevor weitere Schritte unternommen werden“, sagt Dorn, die sich zudem darüber beschwert, von den geänderten Plänen aus der Zeitung erfahren zu haben. Das weist der Sprecher des Kulturdezernats zurück: „Seit 2018 wissen alle, dass das Zentrum der Künste auf zwei getrennten Baufeldern errichtet wird“, sagt er.

          „Zwei Fliegen mit einer Klappe“

          Auf der Suche nach einem neuen Standort für das Frankfurter Schauspielhaus ist das Tortengrundstück laut Michael Guntersdorf, dem Leiter der Stabstelle für die Städtischen Bühnen, eine Variante von vielen. Entstünde an dieser Stelle eine Interimsbühne, könnte sie anschließend dem „Zentrum der Künste“ zur Nachnutzung überlassen werden. „Das würde immense Mittel einsparen“, meint Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen ABG, die als Bauherrin des „Zentrums der Künste“ im Gespräch ist. Auch Guntersdorf meint, dass in einem solchen Fall „zwei Fliegen mit einer Klappe“ geschlagen werden könnten. Für eine Interimsbühne und Nebenräume sei das Grundstück groß genug.

          Das Schauspiel würde während der Bauzeit einer neuen, festen Spielstätte an einem anderen Ort in der Stadt dann gemeinsam mit der Frankfurt Dresden Dance Company und der Oper das Bockenheimer Depot als vorübergehende Aufführungsfläche nutzen sowie einen weiteren Saal, der auf dem Tortengrundstück entstehen und später vom Zentrum der Künste genutzt werden könnte. Nach diesem Szenario wäre die Stadt nicht länger auf das Grundstück der Universitätsbibliothek in Bockenheim angewiesen, um das Theater vorübergehend auf dem Campus unterzubringen. Wann und ob dieses Grundstück zur Verfügung stünde, ist nämlich völlig unklar. Die Bibliothek soll zwar mittelfristig auf dem Campus Westend neu gebaut werden. Es gibt dafür aber noch keine konkreten Pläne und keinen Termin. Außerdem steht die Bibliothek unter Denkmalschutz und ist kaum umnutzbar.

          Aufgrund dieser Überlegungen will das Kulturdezernat das „Zentrum der Künste“ zunächst in einer reduzierten Version auf dem südlichen Baufeld realisieren. Das Kulturdezernat sieht sich nach den Worten eines Sprechers in der Lage, den gemeinsamen Architektenwettbewerb mit dem Land noch im Frühjahr auszuschreiben. Zuvor muss allerdings noch geklärt werden, wer die Baukosten für das LAB finanziert. Die Stadt will, dass sich das Land daran beteiligt, denn es handele sich bei den Einrichtungen des „Zentrums der Künste“ nicht um städtische Institutionen, sondern um Einrichtungen in freier Trägerschaft, die vom Land und der Stadt zu gleichen Teilen gefördert werden. Das Kulturdezernat plädiert für ein Mietmodell. Die ABG würde das auf 60 Millionen Euro geschätzte Gebäude errichten und an das „Zentrum der Künste“ vermieten. Die Mietkosten würden sich Stadt und Land teilen. „Es soll ein Leuchtturm der freien Szene für Performance und Tanz in der Region werden. Es ist den Frankfurter Bürgern nicht zuzumuten, die Kosten alleine zu tragen“, sagt ein Dezernatssprecher.

          Finanzierung sichern

          Dorn will sich zu der Finanzierung nicht äußern, und macht dafür die Stadt verantwortlich: „Wir haben eine fertige Raumplanung und könnten den Architekturwettbewerb morgen ausschreiben. Dagegen gab es bisher in allen Gesprächen auf politischer Ebene noch keinerlei Klarheit über die Planungen der Stadt. Deshalb konnten Fragen der Finanzierung noch gar kein Thema sein“, sagt sie und hat Hartwig in einem Brief um ein klärendes Gespräch gebeten.

          Um Synergien zwischen der Musikhochschule und dem LAB nutzen zu können, plädiert das Kulturdezernat für einen zweistufigen Ideen- und Realisierungswettbewerb. Auch Junker hält eine vorgeschaltete Ideenphase für sinnvoll. „Zunächst muss aber die Finanzierung gesichert sein.“

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