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Jagdhaus von Fresenius : Ein Brief kommt nicht zur Sprache

Reif für den Abriss? Das Jagdhaus von Eduard Fresenius Bild: Marcus Kaufhold

Das Jagdhaus von Eduard Fresenius soll zur wissenschaftlichen Tagungsstätte werden. Das will die Stieftochter von Else Kröner nicht hinnehmen.

          3 Min.

          Der Verkehr, die mögliche Lärmbelästigung und das Fällen von Bäumen sind Dinge, die bei einem Bauvorhaben im Wald diskutiert werden. Deswegen gibt es in Schmitten eine Bürgerinitiative, die sich gegen die von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung geplante Tagungsstätte richtet. Sie soll anstelle des ehemaligen Jagdhauses von Eduard Fresenius entstehen. Der Frankfurter Apotheker gab dem in Bad Homburg ansässigen Dax-Konzern seinen Namen, wobei die Entwicklung zum weltweit tätigen Unternehmen erst unter seiner Ziehtochter Else Kröner und deren Mann Hans Kröner begann.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Am Mittwochabend haben die Schmittener Gemeindevertreter einstimmig, bei zwei Enthaltungen, den Entwurf des Bebauungsplans „Haus im Wald“ verabschiedet. Dabei ging es vor allem um die Fragen von Lärm, Verkehr und Baumschutz. Weshalb Michael Vankov von den Freien Wählern noch einen Änderungsantrag der FWG/CDU-Koalition vorlegte, wonach später die Zufahrt zum Seminarhaus ausdrücklich auch über die durch den Ort führende Freseniusstraße möglich sein soll. Während der Bauzeit hingegen dürfen die Lastwagen ausschließlich den Weg über den Kohlberg durch den Wald nehmen.

          Im Dorfgemeinschaftshaus saß auch Stiftungsvorstand Michael Madeja. Der Neurowissenschaftler kommt als Vertreter des Bauherrn nicht umhin, sich seit Monaten mit den Eigenheiten des Planungsrechts zu beschäftigen. Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, die derzeit mit mehr als 50 Millionen Euro jährlich die medizinische Wissenschaft fördert und humanitäre Hilfsprojekte unterstützt, möchte im Schmittener Wald Seminarräume für zehn bis 20 Teilnehmer schaffen. Drei kleine Appartements sollen als „temporärer Rückzugsort“ für einzelne Wissenschaftler dienen. Ausmaß und Form des etwa zwei Millionen Euro teuren Neubaus sollen sich am bestehenden Holzhaus orientieren.

          Jugend- und Alterssitz der Gründerin

          Auch wenn sich die Stiftung ausdrücklich darauf beruft, damit den Jugend- und Alterssitz ihrer Gründerin Else Kröner im Sinne des Stiftungszwecks zu nutzen, findet sie damit Widerspruch bei Gabriele Kröner. Die Tochter von Hans Kröner gehörte früher dem Fresenius-Aufsichtsrat und dem Vorstand der Stiftung an und lag jahrelang mit Stiftung und Konzern in juristischem Streit. Am Mittwoch kam sie eigens nach Schmitten und nahm in der ersten Zuschauerreihe Platz. Mit ihrer Stiefmutter Else Kröner war sie nach eigenen Worten oft in dem früheren Jagdhaus gewesen. Am Tag vor der Sitzung hatte sie einen Brief an die Gemeindevertreter geschrieben und gebeten, den Abriss zu verhindern. Weil es sich um einen authentischen Erinnerungsort sowohl an Fresenius als auch an das Ehepaar Kröner handele, aber auch wegen der architekturhistorischen Bedeutung .

          Der Brief kam in der Sitzung der Gemeindevertreter nicht zur Sprache. Wohl auch deshalb, weil Abriss- und Baugenehmigung nicht in den Händen der Gemeinde liegen. Sie folgen erst, wenn das laufende Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist. Dem Brief Gabriele Kröners war ein Gutachten des stellvertretenden Direktors der Görlitzer Sammlungen, Kai Wenzel, beigefügt. Das aus Holz-Fertigteilen gebaute Jagdhaus sei ein seltenes Beispiel eines in industriellem Maßstab gefertigten Barackentyps, benannt nach dem Konstrukteur Johann Doecker. Solche Gebäude in Holzbauweise aus der Zeit um 1910 zählten zu den besonders raren Baudenkmälern der Moderne. Wobei das von Wenzel genannte Baujahr 1912 wohl nicht korrekt ist. Der Bauschein für das Jagdhaus datiert vom 26. September 1916.

          „Else hat von der Bauweise geschwärmt“

          „Else hat von der Bauweise geschwärmt“, sagte Kröner nach der Sitzung im Gespräch. „Aber als Kind hört man nicht so genau hin.“ Das kleine Haus habe ihre Stiefmutter immer sehr gepflegt. „Das war ihr wichtig.“ In seiner ursprünglichen Form möchte Kröner das Jagdhaus als Erinnerungsstätte wiederherstellen. „Mit einem Kräutergarten und einer Magerwiese wie früher.“ Dabei könne es in gewissem Rahmen auch öffentlich zugänglich sein. Sie habe der Stiftung nochmals ein Kaufangebot gemacht. Ansonsten hoffe sie auf das Landesamt für Denkmalpflege, dem sie das allerdings aus der Ferne erstellte Gutachten aus Görlitz habe zukommen lassen. Die Behörde hatte keine Einwände gegen die Stiftungspläne geltend gemacht.

          Das Landesamt bestätigte gestern auf Anfrage, eine entsprechende Mail erhalten zu haben. Es verwies darauf, dass das Jagdhaus nicht in der 2013 überprüften Denkmaltopographie für den Hochtaunuskreis enthalten sei. Zweifelsfrei handele es sich um ein familiengeschichtlich interessantes Objekt. Die für eine Denkmalausweisung relevante historische Bausubstanz des ruinösen Gebäudes sei jedoch stark gestört oder nicht mehr vorhanden, etwa Fenster, Fensterläden und markante Schmuckelemente.

          Die Ausführungen des Görlitzer Kollegen seien offensichtlich „ohne denkmalkundlichen Hintergrund“ erstellt worden und stellten architekturhistorisch eher eine Außenseitermeinung dar, so die Einschätzung aus Wiesbaden. Von dieser wusste Gabriele Kröner am Mittwochabend zwar noch nichts. Aber schon vom Ergebnis der Gemeindevertretersitzung ließ sie sich nicht entmutigen: „Ich gebe nicht so schnell auf.“

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