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Streit um Gema-Gebühren : Disko-Besitzer warnen vor Club-Sterben

  • -Aktualisiert am

Bald ausgetanzt?] Im „Cocoon“ wird meist mit Technomusik gefeiert. Bild: Bode, Henning

Der neue Gema-Tarif sorgt für Unmut bei Betreibern von Diskotheken und Musikclubs. Sie fürchten horrende Gebührenerhöhungen. Die Gema bestreitet die Vorwürfe.

          Fünf Minuten lang herrschte Stille in vielen Diskotheken im Lande, auch in Frankfurt. Nicht irgendwann natürlich, sondern um 23.55 Uhr. Geplant hatte die Aktion der Verband Deutscher Discotheken und Tanzbetriebe für die Nacht von Samstag auf Sonntag. Die Botschaft war klar: Es ist fünf vor zwölf. Es sollte ein Zeichen sein gegen die umstrittene Tarifreform für Diskotheken und Clubs, die der deutsche Urheberrechteverwerter Gema im Auftrag seiner Mitglieder, etwa Komponisten, Textdichter und Musikverleger, plant.

          Die Clubs befürchten horrende Gebührenerhöhungen. Vor kurzem demonstrierten in Berlin etwa 5000 Leute gegen die für Januar 2013 angekündigte Reform, die auch in Frankfurt für Unmut sorgt. Mehr als 20 Veranstalter und Inhaber von Diskotheken haben sich in der Initiative „Clubs am Main“ zusammengeschlossen und wollen Widerstand leisten. „Die Reform ist eine willkürliche Tariferhöhung, die zu einem Clubsterben führen wird“, sagt Matthias Morgenstern, Vorsitzender des Vereins und Inhaber des Tanzhaus West. Der Cocoon-Club zahlt nach eigenen Angaben bisher jährlich 14.000 Euro an die Gema, bald aber könnten es 165.000 Euro sein. Das Travolta rechnet mit künftig 6.0000 Euro, statt bislang 10000. Das Tanzhaus West geht von einer Steigerung von 1500 Euro auf mehr als 50.000 Euro im Jahr aus.

          Die Gema sagt, es seien Einzelfälle

          Dabei sollte die seit langem von Politik, Musikern und auch Clubbetreibern geforderte Reform nur Klarheit in den Tarif-Wirrwarr bringen. Das ist gründlich schiefgegangen. Zehn Prozent vom Eintrittspreis sollen künftig an die Gema gehen. Die bisherigen elf Tarifstufen für Musikveranstaltungen sollen auf zwei reduziert werden. Die Gema unterscheidet dann nur noch zwischen Live-Musik und Tonträgerwiedergabe. Bislang entrichten die Clubs und Diskotheken jährliche Pauschalbeträge. Ab Januar 2013 müssten sie Gebühren für jede einzelne Veranstaltung zahlen. Diese Abgaben orientieren sich an der Größe der Veranstaltungsorte und dem Preis der höchsten Eintrittsgelder. So käme eine Summe von 10 Prozent der Bruttoeinnahmen an der Tür zustande.

          Die Gema bestreitet nicht, dass es mit den neuen Tarifen für manche Clubs zu Gebührenerhöhungen um das Zehnfache kommen kann, ist aber der Ansicht, dass das Einzelfälle seien. Mit einem „Clubsterben“ rechne sie deshalb nicht. Sie könnten das ebenso wenig wollen wie ihre Auftraggeber, die Gema-Mitglieder, sagt ein Sprecher der Verwertungsgesellschaft. Weniger Clubs bedeuten weniger Einnahmen.

          Jede Veranstaltung würde berechnet, als wäre „volles Haus“

          Laut einer Tabelle auf der Gema-Internetseite sind die Tarife von 2013 an für die meisten Veranstalter günstiger. Gegner der geplanten Tarife bezweifeln diese Darstellung allerdings. Tatsächlich zahlt etwa ein Frankfurter Club mit einer Größe von 300 Quadratmetern derzeit pauschal ungefähr 8000 bis 10000 Euro im Jahr Gema-Gebühren. Laut des Tarifrechners, den die Gema auf ihrer Internetseite eingerichtet hat, steigen die künftigen Gebühren auf jährlich knapp 50000 Euro. Die Eckzahlen, die dabei wichtig sind, sind die Raumgröße und die Höhe des Eintritts (beim Testlauf 10 Euro). Die Tariferhöhung betrüge also 500Prozent. Benutzt man den Tarifrechner, den der Verband Deutscher Discotheken und Tanzbetriebe auf seiner Seite eingerichtet hat, sind die Zahlen sogar noch viel höher.

          Die Gema-Tabelle vergleiche lediglich die Grundtarife sagen Kritiker, nicht aber die Zuschläge, die sich in den meisten Fällen summieren: Dauert eine Veranstaltung länger als fünf Stunden, wovon im Nachtleben generell auszugehen ist, so erhöht sich der Tarif um 50Prozent. Nach weiteren drei Stunden erhöht sich der Tarif um weitere 50 Prozent. Die angeblichen 10Prozent der Eintrittseinnahmen würden somit überschritten. Ein Gema-Sprecher sagte allerdings, diese Zuschläge seien noch in Verhandlung mit dem Schiedsgericht, dass der Musikverwerter beauftragt habe.

          Aber selbst, wenn die Zuschläge zurückgezogen werden: „Die Gema geht fälschlicherweise von einer maximalen Auslastung aus“, sagt Ralf Scheffler, Inhaber der Batschkapp. Jede Veranstaltung würde berechnet, als wäre „volles Haus“. In seinen Club passen 2000 Leute, meistens kämen aber nur etwa 500. Zahlen müsste er nach der neuen Reform aber für die 2000 Gäste. Deswegen würde er künftig auf Disko-Veranstaltungen verzichten: „Ich müsste dann statt bisher 3000 Euro von 2013 an rund 60.000 Euro im Jahr zahlen. Dann lasse ich solche Veranstaltungen doch eher sein.“ Ihm seien mehr Live-Konzerte zwar lieber, aber da viele Auftritte gerade so bei „Null“ herauskämen, dienten gut laufende Tanzveranstaltungen bisher zur Querfinanzierung, um hochwertigere Live-Konzerte anzubieten. „Das würde in Zukunft dann nicht mehr gehen.“

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