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Streit um Energiewende : Letzte Chance für Taunuswind

Kein Windrad weit und breit: Aus den Hügeln bei Taunusstein ragt nur der Fernmeldeturm auf der Hohen Wurzel heraus. Bild: dpa

Chronik eines absehbaren Rückschlags für die Energiewende in Hessen: Über einen umkämpften Windpark auf dem Taunuskamm wird nun vor Gericht verhandelt – obwohl er mit großer Wahrscheinlichkeit nie gebaut werden wird.

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          Am Anfang gab es noch einen Konsens. Vor acht Jahren hatten sich Wiesbaden, Taunusstein, die Wiesbadener Eswe und der Landesbetrieb Hessenforst auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, um das Potential des Taunuskamms für die Windenergienutzung zu untersuchen und die besten Standorte für Rotoren zu erkunden. Anfänglich hieß es, mögliche Standorte für Windräder sollten nur gemeinsam entwickelt werden, wobei sich Hessenforst auf die Rolle des Flächenverpächters beschränken wollte.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Noch im gleichen Jahr gab Taunusstein eine Umfrage in Auftrag. Danach hielten zwei Drittel der Bürger in Wiesbaden und Taunusstein die Energiewende für richtig, und 74 Prozent der Taunussteiner und 57 Prozent der Wiesbadener sahen die Windenergie als geeignet an, die Energiewende zu realisieren. Mehr als die Hälfte der Taunussteiner Bürger konnte sich Windräder in unmittelbarer Nähe des Wohnortes vorstellen.

          Damals waren bis zu drei Windparks mit jeweils zehn Rotoren im Grenzgebiet zwischen beiden Kommunen in der Diskussion. Der damalige Taunussteiner Bürgermeister Michael Hofnagel (CDU) räsonierte öffentlich über die Inbetriebnahme der ersten Anlagen bis Ende 2014. Doch der Protest wurde schnell stärker, und der politische Wind drehte sich. Bürgerinitiativen bildeten sich, die Taunussteiner CDU positionierte sich mit ihrem Fraktionschef und späteren Bürgermeister Sandro Zehner unerwartet klar gegen das Projekt und gewann FDP und FWG für diese Position. Im Frühjahr 2013 lehnten die Taunussteiner Stadtverordneten die Windräder dank zweier Abweichler aus den Reihen der SPD rundweg ab. Der Taunuskamm galt fortan als schützenswerter Grünzug. Damit war die geplante Beteiligung an der eigens gegründeten Eswe-Tochter Taunuswind GmbH Makulatur.

          Gemeinde will keine Windkraftanlagen zulassen

          Unterstützung für Taunusstein kam unter anderem aus Niedernhausen. Dessen Gemeindevertreter lehnten die Nutzung der Windkraft auf dem Taunuskamm ab und bestätigten eine von CDU und SPD eingebrachte Entschließung: „Die Gemeinde wird auf ihren eigenen, auf dem Taunuskamm gelegenen Waldflächen keine Errichtung von Windkraftanlagen zulassen.“

          Um sich nicht dem Vorwurf der Verhinderungsplanung auszusetzen, brachte Taunusstein einen neuen Teilflächennutzungsplan auf den Weg, der die Nutzung der Windkraft auf zunächst nicht näher definierte Gebiete konzentrieren und das übrige Stadtgebiet nebst Taunuskamm von Rotoren frei halten sollte.

          Wiesbaden hatte sich unterdessen auf die „Hohe Wurzel“ als einzigen Standort für den geschätzt 55 Millionen Euro teuren Windpark konzentriert. Zehn Windenergieanlagen vom Typ Enercon E-115 sollten dort jährlich rund 85.000 Megawattstunden Strom liefern. Rechnerisch genug für 22.000 Drei-Personen-Haushalte.

          Alle Register gezogen

          Taunusstein hatte sich derweil entschlossen, „alle juristischen Mittel“ einzusetzen. Wiesbaden, so hieß es aus der einwohnerstärksten Stadt des Landkreises, werde „Schiffbruch erleiden“, wenn die Landeshauptstadt weiter versuche, „gegen alle Vernunft die Axt an den Wald auf dem Taunuskamm zu legen“.

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          Damit bezog sich Taunusstein auf ein Fachgutachten zur „massiven Gefährdung des Trinkwassers“ beim Bau eines Windparks auf dem Taunuskamm. Auch planungsrechtlich zog Taunusstein alle Register, um das Projekt zumindest zu verzögern, nachdem Taunuswind im Frühjahr 2015 beim Regierungspräsidium den immissionsrechtlichen Genehmigungsantrag für den Bau des Windparks gestellt hatte. Nach der Kommunalwahl 2016 legte sich die neue Taunussteiner Koalition aus CDU und FWG fest, „alle politisch und rechtlich möglichen Maßnahmen“ zu ergreifen, um Windräder auf dem Taunuskamm zu verhindern.

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