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Urbane Kunst : Stadterkundung mit dem Skizzenbuch

  • -Aktualisiert am

Alte Brücke im Sonnenuntergang: Die Künstlerin nimmt sich die Zeit, Frankfurts Momentaufnahmen aufzuzeichnen. Bild: Ricardo Wiesinger

Sie wollen Frankfurt von seiner schönen und natürlichen Seite zeigen: Das Künstlernetzwerk Urban Sketchers lädt zum Zeichnen in Gesellschaft ein.

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          Mit Skizzenbüchern auf dem Schoß und Farbpaletten in der Hand sitzen Künstler auf Campinghockern am Sachsenhäuser Mainufer. Sie schauen in verschiedene Richtungen, viele haben den Yachtklub am Mainufer im Blick. Radfahrer und Fußgänger bleiben stehen und beobachten die Künstler beim Zeichnen. In den Skizzenbüchern entstehen Bilder von dem, was die Urban Sketchers sehen: Danny Hawk zum Beispiel zeichnet mit Tinte die Umrisse des Yachtklubs, der Alten Brücke und der Hochhäuser.

          Das Sachsenhäuser Mainufer ist an diesem Abend Treffpunkt der Urban Sketchers – auf Deutsch Stadt-Skizzierer – aus dem Rhein-Main-Gebiet. 14 Mitglieder des Künstler-Netzwerks sind gekommen, um gemeinsam zu zeichnen. Seit 2013 treffen sie sich einmal im Monat an verschiedenen Orten in der Region. Die Werke, die dabei entstehen, werden eingescannt und auf dem Blog der Gemeinschaft Urban Sketchers Germany verbreitet. Oft teilen die Künstler ihre Zeichnungen auch in sozialen Netzwerken wie Instagram.

          „Nach dem Zeichnen setzen wir uns oft zusammen und tauschen uns darüber aus“, erklärt Clara Schuster. „Jedes Mal sind neue Leute dabei. Jeder sucht sich die Perspektive aus, die ihm gefällt.“ Während einige der Urban Sketchers als Architekten, Grafiker oder Illustratoren auch beruflich zeichnen, sind andere hier, um ihrem Hobby nachzugehen. So auch der 28 Jahre alte Danny Hawk, der aus Ohio kommt und seit sechs Jahren in Deutschland lebt. Neben seiner Arbeit in der Unternehmenskommunikation brauche er einen Ausgleich, sagt er. Als Hawk auf Youtube nach Inspirationen gesucht hat, ist er vor einem Jahr auf die Urban Sketchers gestoßen und zeichnet seitdem in der Rhein-Main-Gruppe. „Zeichnen kann ein einsames Hobby sein“, sagt er. Dank der Urban Sketchers sitzt er jetzt umgeben von anderen Künstlern am Mainufer.

          Urban Sketchers

          Als Hawk im August nach Valencia gereist ist, hat er sich dort mit Urban Sketchers getroffen. Die haben nicht nur mit ihm gezeichnet, sondern ihm auch die Stadt gezeigt. Denn das Künstlernetz gibt es nicht nur im Rhein-Main-Gebiet. Auf der ganzen Welt zeichnen Urban Sketchers aus direkter Beobachtung: in den Städten, in denen sie leben oder in die sie reisen. Das internationale Netzwerk entstand 2007 durch ein Online-Forum, das der Journalist und Illustrator Gabriel Campanario aus Seattle für Künstler einrichtete, die in Städten zeichnen. „Es ist cool, zu wissen, dass überall auf der Welt Gleichgesinnte sind“, sagt Hawk. Mit anderen Stadt-Skizzierern war er auch schon bei einem Treffen in Porto. „Da waren 800 Zeichner aus der ganzen Welt überall in der Stadt verteilt“, erinnert sich Hawk, als er die Umrisse des Yachtklubs mit grüner Aquarellfarbe ausfüllt.

          Bloß ein Augenblick: Die Urban Sketchers sitzen am Mainufer und zeichnen alles genau auf. Bilderstrecke
          Urban Sketchers : Hobbyzeichner halten die Momente der Stadt fest

          Johanna Krimmel taucht ihren Pinsel in ein Glas Wasser und verwischt die Farbe auf ihrem großen Skizzenblock. Sie zeichnet die Europäische Zentralbank, die am anderen Mainufer in die Höhe ragt. „Mir gefällt das Zusammenspiel von Wasser und Stadt“, sagt die 44 Jahre alte Darmstädterin. Beim Zeichnen in der Gruppe werde man angespornt, neue Techniken auszuprobieren. Die Designerin sagt: „Jeder nimmt die Umgebung anders wahr. Hier können wir uns darüber austauschen.“

          Bettina Klinkig zeichnet alle Details, die sie sieht. Damit will die 52 Jahre alte Aschaffenburgerin Leuten vor Augen führen, wie ihre Umwelt aussieht - und sie will ihre Augen trainieren. Wegen einer Augenkrankheit ist ihr Sehvermögen eingeschränkt. Als sie von ihrem Leiden erfahren hat, dachte sie: „Ich muss zeichnen, zeichnen, zeichnen.“ Dabei lerne man, anders hinzusehen. Jetzt füllt sie ihr Skizzenbuch in jeder freien Minute. Klinkig sagt: „Ich denke, dass ich noch so gut sehe, weil ich viel zeichne.“

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