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Straßenbahnen in Frankfurt : „Nadelöhr“ Hauptbahnhof

Zu wenig Platz: Der Verkehrsdezernent will die Haltestelle am Frankfurter Hauptbahnhof ausbauen. Bild: Victor Hedwig

Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling setzt auf die Straßenbahn. Er will, ohne im großen Stil neue Strecken zu bauen, das Angebot attraktiver und leistungsfähiger machen. Am Hauptbahnhof stößt das schon jetzt an Grenzen.

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          Wer noch mehr Fahrgäste für den öffentlichen Nahverkehr gewinnen will, der muss nach Ansicht von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) das Angebot an Bussen ausbauen und längere U-Bahn-Züge einsetzen, die zudem häufiger fahren. Vor allem aber müsse in Frankfurt das Straßenbahnnetz ausgebaut werden. „Dieser Schritt ist unumgänglich“, sagte Oesterling am Montag, als er eine „Strategie zur Neuausrichtung des Straßenbahnnetzes“ vorstellte. Schließlich gebe es schon jetzt einige Strecken, auf denen die Straßenbahnen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um es vorwegzunehmen: Der Verkehrsdezernent konnte genauso wenig wie Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold beziffern, wie viele Millionen Euro investiert werden müssen, um aus den strategischen Überlegungen Wirklichkeit werden zu lassen. Es gibt auch noch keinen genauen Zeitplan. Nur so viel steht fest: Das meiste soll in diesem Jahrzehnt umgesetzt werden. Denn die Strategie sieht im Wesentlichen vor, dass das bestehende Schienennetz der Straßenbahn durch mehr Linien und längere Züge stärker genutzt und nur vereinzelt ausgebaut wird.

          Haltestelle am Bahnhof auch für Busse

          Eins der wichtigsten Ausbauvorhaben ist die Straßenbahn-Gleisanlage vor dem Frankfurter Hauptbahnhof. „Das ist ein Nadelöhr“, sagte Oesterling. Deren Kapazität soll in den nächsten Jahren von derzeit zwei Straßenbahngleisen in jede Richtung auf dann vier verdoppelt werden. Oesterling erinnert sich noch an die Zeit, als die Stadt die Zukunft des Nahverkehrs ausschließlich in der U-Bahn sah und vor Jahrzehnten die Straßenbahngleise vor dem Hauptbahnhof auf die derzeit zwei Gleise zurückbauen ließ. Heute, da Frankfurt auf die Renaissance der Straßenbahn setzt, wünschen sich Oesterling und die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq wieder den Ausbau der Gleise. Und zwar so, dass auch Busse die Haltestelle nutzen können. Die drei Buslinien, die den Hauptbahnhof passieren, sollen also nicht länger zum Südausgang fahren.

          Um möglicher Kritik an diesem Vorschlag entgegenzutreten, verwies Oesterling darauf, dass sich durch den Straßenbahnausbau nichts grundlegend an der Aufteilung des Verkehrsraums vor dem Hauptbahnhof ändern werde. Die bisherige Planung sehe vier Spuren für den Autoverkehr, zwei Radfahrspuren und den neuen, größeren Haltepunkt für die Straßenbahnen vor. Es werde lediglich „ein ganz kleines bisschen vom Vorplatz des Hauptbahnhofs benötigt“, um die neuen Straßenbahnpläne umsetzen zu können. Dafür entfalle aber die von den Bussen genutzte Südschleife. Der vorgesehene Umbau der B-Ebene, inklusive Taxistände, für den es bereits einen Planfeststellungsbeschluss gebe, sei von der Straßenbahnplanung nicht tangiert.

          Neue Linien und längere Züge

          Um das vorhandene Straßenbahnnetz besser als bisher nutzen zu können, sieht der Strategieplan die Schaffung von drei neuen Linien vor, die Direktverbindungen zwischen Stadtteilen bilden, die es in dieser Form bisher nicht gegeben hat. Dabei orientieren sich die Planer am Fahrgastaufkommen. Eine neue Linie 19 soll beispielsweise von der Friedberger Warte über den Lokalbahnhof bis zur Stadtgrenze Offenbach fahren und damit erstmals eine Direktverbindung zwischen Oberrad und der Konstablerwache schaffen. Die neue Linie 20 soll zwischen Niederrad und der City-West sowie dem Rebstockgelände pendeln. Die neue Linie13 verbindet den Industriehof in Hausen mit dem Hauptbahnhof. Dazu wird die Betriebsstrecke an der Schlossstraße reaktiviert.

          Andere Linien werden verlängert, unter anderem die 14, die statt an der Mönchhofstraße im Gallus dann erst an der Kirche in Nied endet. Auf wieder anderen werden, sobald sie ausgeliefert sind, die ersten „Langzüge“ eingesetzt, die 40 statt bisher 30 Meter lang sind und entsprechend mehr Fahrgäste aufnehmen können.

          Zentrale Änderung ist der bereits angekündigte Zehn-Minuten-Takt, der montags bis samstags auf allen Linien gelten soll. Auf Strecken, auf denen mindestens zwei Linien fahren, wird dann, wenn die Strategie beschlossen und realisiert ist, den Fahrgästen praktisch sogar ein Fünf-Minuten-Takt angeboten.

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