https://www.faz.net/-gzg-9qt31

Stoltze-Museum in Frankfurt : Manuskripte und eine Bürgerwehrpistole

Umzug mit positiven Auswirkungen: Das Stoltze Museum profitiert vom neuen Standort in der Frankfurter Altstadt. Bild: Wonge Bergmann

Der Umzug in die neue Frankfurter Altstadt hat dem Stoltze-Museum offenbar gut getan. Das lässt sich am Publikumszuspruch und einer Vergrößerung der Sammlung erkennen.

          2 Min.

          Seit das Stoltze-Museum in die neue Frankfurter Altstadt umgezogen ist, wuchs nicht nur der Publikumszuspruch, sondern auch die Sammlung. Etliche Schenkungen sind in den vergangenen Monaten ins Haus gekommen, viele Förderer möchten etwas beitragen zu Ausstellung und Ambiente, es gibt einen kleinen Stoltze-Boom. Schließlich können die Frankfurter von heute sich auch unumwunden mit einem Mann identifizieren, der schon im 19. Jahrhundert für etwas stand, was vielen als typisch für Hessens heimliche Hauptstadt gilt: eine heimatverbundene Weltläufigkeit, ein fortschrittliches Denken, einen trockenen Humor.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Die wenigsten werden etwas von ihm gelesen haben, und doch sind diese Gedichtzeilen den meisten Einheimischen geläufig: „Es is kaa Stadt uff der weite Welt, die so merr wie mei Frankfort gefällt, un es will merr net in mein Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ Das ist ironisch, gewiss, zeugt aber auch von der tiefen Zuneigung, die er für die Stadt empfand, in der er 1816 auf die Welt gekommen war. Stoltzes lebenslanger Kampf für Demokratie und eine republikanische Verfassung, für die Einheit Deutschlands und die bürgerlichen Freiheiten sind jedoch entscheidend für seine Aktualität. Dass nichts selbstverständlich ist und immer wieder neu erarbeitet und erstritten werden muss, ist eine Erkenntnis, die man aus der Beschäftigung mit diesem politischen Denker ziehen kann.

          Dass er als Satiriker und Verfasser komischer Literatur, als Mundartdichter mit genauem Blick für seine Mitmenschen der nach Goethe bedeutendste Schriftsteller aus Frankfurt ist, gerät allmählich ebenfalls wieder ins Bewusstsein von Hiesigen und Eingeplackten, nicht zuletzt durch das Denkmal, das nun wieder am Hühnermarkt steht. Wenige Schritte vom Stoltze-Museum entfernt, das im Weißen Bock mit der Adresse Markt 7 residiert und mit Objekten aus seinem Umfeld, mit Manuskripten und Dokumenten, nicht zuletzt jedoch mit einer multimedialen Vermittlung seines Lebens, seines Werks und der Zeitumstände die Besucher anzieht.

          Der Schatz hat sich vergrößert

          Nun also hat sich der Schatz, aus dem die Einrichtung schöpfen und Ausstellungen bestücken kann, vergrößert: Die Liste von Stoltzeana etwa, die in jüngster Zeit Renate Euler dem Museum überlassen hat, ist lang. Darunter finden sich Bücher, Drucke, Fotografien und Originalhandschriften von Friedrich Stoltze. Vor Jahren hatten Renate und ihr mittlerweile verstorbener Mann den Nachlass der Familien Theissinger und Jungblut übernommen, die mit Stoltze und seiner Familie befreundet waren. Auch eine Bürgerwehrpistole aus dem Theissinger-Erbe gehört zu den Objekten, die dem Museum anvertraut wurden, ohne dass sie alle gleich auf Dauer öffentlich gezeigt werden können. Dazu fehlt es schlicht an Platz. Das prächtige Schießeisen, so viel ist allerdings schon sicher, wird im Mittelpunkt einer Sonderschau stehen, die zu Stoltzes Ballade „Gefühle einer Stadtwehr-Uniform“ geplant ist.

          Originalhandschrift: Brief Stoltzes an seinen Freund Daniel Theissinger

          Ein anderer Spender ist Günter Stoltze, ein Nachfahre der älteren Schwester von Friedrich Stoltze, Annett. Vor ein paar Wochen hatte sich der Nachkomme beim Museum gemeldet. Ein Foto-Porträt von Friedrich und eine idealisierte Lithographie mit dem Bild seiner Schwester sind jetzt ebenso dorthin gekommen wie die Gipsbüste, die der Bildhauer Gustav Herold geschaffen hat. Er hatte sich an dem Wettbewerb für ein Stoltze-Denkmal beteiligt. Der Siegerentwurf, der am Hühnermarkt umgesetzt wurde, stammte allerdings von Friedrich Schierholz.

          Weitere Themen

          Kein Wort über Geigers Geheimnisverrat

          Bürgermeisterwahl in Eschborn : Kein Wort über Geigers Geheimnisverrat

          Am amtierenden Eschborner Bürgermeister gibt es einiges zu kritisieren. Weil das Publikum auf einer Veranstaltung mit den drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl von dieser Kritik aber nichts hören will, werden persönliche Angriffe lieber vermieden.

          Topmeldungen

          Trump beleidigt Pelosi : „Sie ist sehr krank“

          Die Demokraten haben ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten abgebrochen, weil Donald Trump die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi beleidigt haben soll. Der Präsident legte auf Twitter noch nach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.