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Stoltze-Museum : Leuchten wie die Latern

Eröffnung des Stoltze-Museums in der Frankfurter Altstadt: Mancherorts wird aber noch geschraubt. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Stoltze-Museum in der neuen Frankfurter Altstadt wurde eröffnet. Doch was gibt es zu bestaunen? Denn teilweise sind die Räumlichkeiten noch eine Baustelle.

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          Gestern früh wurde das Stoltze-Museum in Frankfurts neuer Altstadt eröffnet, am Abend jedoch erst einmal wieder für das Publikum gesperrt. Denn es braucht noch mindestens sechs Wochen, bis es keine Baustelle mehr ist, aber die Frankfurter Sparkasse, Träger der Institution, wollte den Termin nicht mehr ändern, wo doch schon so viele zugesagt hatten. So war es gegen elf Uhr proppenvoll im Erdgeschoss der Fachwerkschönheit namens „Goldene Waage“, wo ein Teil der Ausstellung im sogenannten Kaminzimmer gezeigt werden wird. Es besitzt gar keinen Kamin. Heißt aber so, weil in dem ursprünglichen, im Kern mittelalterlichen Gebäude mit einer Renaissance-Fassade, dessen Grundriss und Ausstattung allerdings nicht ganz mit der Rekonstruktion übereinstimmt, einer existierte. Dafür ist dort jetzt ein „Stoltze-Ofen“ zu sehen, dessen Gestaltung sich auf den Dichter, Journalisten, Urvater der Frankfurter Satire bezieht und auch dessen berühmten Spruch zitiert: „Un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“

          Oberbürgermeister ist sehr angetan

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Den anderen Teil der Stoltze-Schau beherbergt künftig das angrenzende Haus „Weißer Bock“. So fügt sich, was sich fügen musste: In unmittelbarer Nähe des Stoltze-Brunnens auf dem Hühnermarkt wird museal an den aufmüpfigen Autor erinnert, dessen Biographie eng mit der Altstadt verbunden ist. Hier wurde er geboren, hier wuchs er auf, hier debattierten im väterlichen Gasthof „Zum Rebstock“ demokratisch gesinnte Bürger über Freiheit und Gerechtigkeit.

          Macht Lust auf mehr: Blick auf das Museums-Schaufenster. Bilderstrecke

          Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zeigte sich denn auch sehr angetan vom „Frankfurter Latern“-Gründer, einer Zeitschrift, die mit Vorliebe aufspießte, was die Preußen anzettelten, weshalb diese das Blatt immer wieder mit Zensur belegten und seinen Herausgeber 1866, als sie Frankfurt annektierten, sogar zur Flucht in die Schweiz zwangen. Als „Kämpfer für die Pressefreiheit“ lobte das Stadtoberhaupt Stoltze, er lehre uns, dass der Einsatz für die Demokratie nie zu Ende gehe und heute nötiger denn je sei. Wie auch die anderen Redner zitierte Feldmann den Mundartdichter und freute sich über dessen Präsenz in der neuen Altstadt. Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein (CDU) sagte, sie bekomme mit Stoltze eine Seele. Mit dem Nachbau verhalte es sich wie mit dem Weihnachtsbaum auf dem Römer, erst schimpften die Frankfurter, dann jammerten sie, und schließlich seien sie glücklich. Er erntete Zustimmung unter den Gästen, darunter Michael Quast, Leiter der Fliegenden Volksbühne und glühender Stoltze-Verehrer, Frank Lehmann, einst das Fernsehgesicht der Börse, und Adolf Stoltze, Nachfahr des großen Frankfurters.

          Vorteilhafter Standort

          Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse, schwärmte vom neuen Standort des bislang etwas versteckt gelegenen Stoltze-Museums und dessen Erweiterung: „Wenn ein Prozent der erwarteten zwei Millionen Altstadt-Besucher im Jahr den Weg in die Ausstellung fänden, wäre das eine hervorragende Auslastung.“ Die langjährige Leiterin des Museums, Petra Breitkreuz, schaute auf viereinhalb Jahre Vorbereitungszeit zurück und sagte sichtlich gerührt, das neue Haus brenne für Friedrich Stoltze. Wortwörtlich.

          Nachts leuchteten die beiden Altstadthäuser, als handele es sich um die „Latern“. Ein rotes Band wurde durchschnitten. Und jeweils nur zehn Personen ein paar Minuten lang Einblick ins Museum gewährt – „die Bauabnahme“, hieß es, „ist noch nicht erfolgt“. Möbel und allerlei Gegenstände aus Stoltzes Besitz sind im Kaminzimmer zu sehen, und es gibt dort unter anderem einen „Medientisch“, der keine Frage zu Stoltze übrig lässt. Die digitale Moderne hat sich auch in der neuen Alstadt etabliert.

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