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Stephanie Eidt : Lernen kann man auch durch Schauen

Auf Reisen: Stephanie Eidt pendelt zwischen Familie und Bühne. Bald packt sie für Salzburg, wo ihr Mann zu tun hat. Bild: Schmitt, Felix

In Frankfurt ist sie Phädra, aber zur Sommerpause zieht es Stephanie Eidt zurück zu ihrer Familie nach Berlin.

          Den Trolley hat sie immer dabei. Gleich nach dem Gespräch in der Kantine des Frankfurter Schauspiels bricht Stephanie Eidt nach Berlin auf. Dort ist sie zu Hause: bei ihrem Mann, dem Bühnen- und Filmkomponisten Bert Wrede, und ihren Kindern Aaron und Emilia. In Frankfurt ist sie quasi auf Montage: als Ensemble-Mitglied bei Intendant Oliver Reese und Untermieterin im Nordend. Wenn sie von der Probe oder der Vorstellung kommt, organisiert sie per E-Mail das Leben zu Hause. Wenn sie im Zug sitzt, hat sie Zeit: zum Essen, Schlafen und zum Rollenstudium. Deshalb zieht sie den ICE dem Flugzeug vor. Gerade hat sie die vorläufig letzte Vorstellung der „Phädra“ hinter sich. Ein Fototermin und gut vier Stunden Fahrzeit trennen sie noch von der vorgezogenen Sommerpause: drei Monate Familienleben und Urlaub in Salzburg, wo dann ihr Mann dienstlich zu tun hat.

          Claudia Schülke

          Feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mutter und zugleich Schauspielerin sein, das bedeutet Erschöpfung oder schlechtes Gewissen. Die Erschöpfung hat Eidt kennengelernt, als sie versuchte, ihre Mutterpflichten mit der Schaubühne Berlin zu vereinen. 2005 zog sie sich zeitweilig vom Theater zurück und widmete sich ganz ihren Kindern. Nur gelegentlich gastierte sie, unter anderem am Hamburger Schauspielhaus. Nach vier Jahren wollte sie wieder einsteigen. Im Deutschen Theater, das sie gern besuchte, hatte sie den damaligen Chefdramaturgen Oliver Reese kennengelernt. Als er 2009 die Schauspiel-Intendanz in Frankfurt übernahm, bewarb sie sich für jeweils zwei Rollen im Jahr: „So konnte ich mich aus der Familienarbeit teilweise herausziehen.“ Ihr Gewissen macht da aber nicht ohne weiteres mit.

          Also hetzt sie hin und her: zwischen dem szenischen Raum, den sie braucht, um sie selbst sein zu können, und dem privaten Raum, den sie braucht, um ihn mit ihrer Familie zu teilen. Sie stammt aus einer typischen Kleinbürgerfamilie. „Ich war ein sehr verschlossener Mensch“, sagt sie, als sie an ihre eigene Jugend zurückdenkt. 1966 in Limburg an der Lahn geboren, wuchs sie als Tochter eines Ingenieurs und einer Sekretärin mit zwei Geschwistern auf. Im Schultheater fand sie es faszinierend, dass ihr so viele Leute zuhörten und zusahen. „Ich brauchte einen Raum für die tragischen Geschichten und Gefühle, die man als Teenager sonst für sich behält“, erinnert sie sich. Ein Deutschlehrer erkannte ihre Begabung und probierte mit ihr die „Iphigenie“ und den „Sommernachtstraum“. Schon bald war sie sich sicher: „Hier habe ich den Raum, in dem ich existieren kann.“ Sie sprach an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg vor und wurde genommen. Schon nach drei von vier Ausbildungsjahren engagierte Claus Peymann sie für das Wiener Burgtheater. „Da dachte ich an die große Karriere.“ Aber dann kam das böse Erwachen: lauter B-Produktionen und kleine Rollen, aber kein für sie wegweisender Regisseur. Mit 23 Jahren fühlte sich Stephanie Eidt verloren zwischen den gravitätischen Stars und dem uferlosen Apparat. Nach den „Besuchern“ von Botho Strauß (Regie: Niels-Peter Rudolph) und den „Vögeln“ von Aristophanes (Regie: Axel Mantey) verließ sie das Burgtheater: „Ich habe lange gebraucht, um meinen eigenen Weg zu finden.“

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