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Abschied von Stephan Pauly : „Derzeit planen alle nur auf Sicht“

Verlässt Frankfurt mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Stephan Pauly Bild: Wonge Bergmann

Stephan Pauly, der zum 1. Juli nach Wien wechselt, blickt auf achteinhalb erfolgreiche Jahre als Intendant der Alten Oper in Frankfurt zurück. Nicht nur Großprojekte wie „One Day in Life“ werden in Erinnerung bleiben.

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          Nach dem Vorbild der benachbarten Oper Frankfurt für die verbleibende Saison auch in der Alten Oper ein Ersatzprogramm mit kleineren Veranstaltungen anzubieten, hat Stephan Pauly nicht mehr in Erwägung gezogen. Als Eigenveranstaltungen waren bis Ende Juni, also bis zum Ende seiner Amtszeit als Intendant und Geschäftsführer des Konzerthauses, ohnehin nur noch Programme für Kinder geplant. Da aber Gruppen wie Schulklassen nicht mehr teilnehmen dürften, seien diese Angebote unmöglich geworden. Die größeren En-suite-Produktionen vor der Sommerpause, diesmal „Star Dust“ und „Hair“, hätte wie immer ein Mieter des Hauses veranstaltet. Stattdessen nun Liederabende oder andere kleine Konzerte für ein kleines Publikum anzubieten und dafür „den ganzen Apparat hochzufahren“, hat aus Paulys Sicht aber keinen Sinn.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sehr arbeitsintensiv waren die zurückliegenden zweieinhalb Monate seit dem Lockdown für Pauly, der zum 1. Juli die Intendanz des Wiener Musikvereins übernimmt, gleichwohl. Die Corona-Krise stelle alle Veranstalter, die ihre Programme zwei bis drei Jahre im Voraus zu konzipieren gewohnt sind, vor enorme Herausforderungen. „Derzeit können alle nur auf Sicht planen“, sagt Pauly im Gespräch mit dieser Zeitung zu seinem insofern denkbar ungeahnt verlaufenden Abschied. Mit seinem Nachfolger Markus Fein, der noch Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ist, steht er schon seit vergangenem September in regem Austausch und regelt wie auch für Wien mit vielen Videokonferenzen und Telefonaten vom Frankfurter Homeoffice aus die erschwerte Übergabe.

          Den guten Ruf weiter stärken

          Ob die kommende Saison in der Alten Oper, die Pauly noch geplant und kurz vor der Ausgangssperre noch vorgestellt hat, im September mit dem Musikfest um Charles Ives‘ Orchesterstück „The Unanswered Question“ beginnen kann, ist derzeit noch offen. Mit Fein und dem Team der Alten Oper, dessen große Erfahrung und ganze Kompetenz gefordert sei, bereite man sich aber auf „unterschiedliche Szenarien“ vor. Darüber, welche Auswirkungen die schon jetzt zehnwöchige Einstellung des Spielbetriebs finanziell haben werde, will Pauly öffentlich nicht sprechen. Es werde intern berechnet, das Gefüge sei komplex und die Entwicklung dynamisch.

          Die Übergabe der Intendanz und Geschäftsführung läuft demnach, den Umständen entsprechend, vorbildlich ab. Das war auch der Fall, als Pauly im März 2012 die Nachfolge von Michael Hocks antrat. Pauly galt als Wunschkandidat seines Vorgängers, und dieser übergab ihm „ein ausgezeichnetes Haus“, wie Pauly sagt. Die langwierige Sanierung der Sandsteinfassade war kurz zuvor abgeschlossen worden, aber auch inhaltlich stand die Alte Oper schon glänzend da. So sei er mit dem Ziel angetreten, den Ruf eines der führender europäischen Konzerthäuser weiter zu stärken. Das „Auftakt“-Festival, das Hocks zum Saisonstart in Kooperation mit den Dauermietern des Hauses initiiert hatte, baute Pauly erheblich aus zu dem mehrwöchigen Musikfest, das immer um ein musikgeschichtlich bedeutendes Werk kreiste. Das konnte Strawinskys „Le sacre du printemps“ sein oder gar schwere Kammermusik wie Beethovens spätes Streichquartett opus 131. Dazu arbeitete Pauly mit neuen Partnern wie dem Mousonturm, dem Museum für Moderne Kunst oder dem Schauspiel zusammen, um das breitgefächerte und oft spartenübergreifende Programm auf die Beine zu stellen samt Ausstellungen, „Nach(t)konzerten“, Podiumsdiskussion und vielem mehr. An Ideen, Fleiß, guten Kontakten und Kenntnissen hat es dem Intendanten, dem es um Inhalte und Gestaltung ging, dabei nie gefehlt. Respekt als Geschäftsführer erwarb er sich kurz nach seinem Amtsantritt, als er beim Frankfurter Opernball die Reißleine zog. Es sei ihm infolge der Zahlungsunfähigkeit des Veranstalters gar nichts anderes übriggeblieben, sagt Pauly rückblickend. Versuche, den glamourösen Event wiederzubeleben, scheiterten, und so habe sich gezeigt, „dass dieses Format nicht mehr tragfähig war“.

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