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Stellwerk Mainz : „Es fehlen Lokführer, Zugbegleiter und Wagenmeister“

Laut Gewerkschaft EVG nicht nur Probleme beim Stellwerk Mainz: „Im Konzern fehlen überall qualifizierte Mitarbeiter.“ Bild: dpa

Ein Jahr nach dem Stellwerksausfall stellt die DB AG nun mehr Personal ein. Die Gewerkschaft EVG sieht gute Ansätze, fordert aber noch größere Anstrengungen - so auch mehr Chancen für Hauptschüler als Eisenbahner zu arbeiten.

          Nach Ansicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ist die Deutsche Bahn AG ein Jahr nach dem „Stellwerksausfall von Mainz“ zwar auf der richtigen Spur, aber längst noch nicht über den Berg. „Im Konzern fehlen überall qualifizierte Mitarbeiter“, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner gestern bei einer Pressekonferenz im Julius-Lehlbach-Haus an der Kaiserstraße. Bei den Fahrdienstleitern seien die personellen Engpässe im August des vergangenen Jahres öffentlich geworden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Damals herrschte am Mainzer Hauptbahnhof über Wochen hinweg nur eingeschränkter Betrieb, weil das Stellwerk nicht adäquat besetzt werden konnte. Verantwortlich war eine Kombination aus hohem Krankenstand und Urlaubszeit, so dass am Ende nur mehr die Hälfte der dafür eigentlich zur Verfügung stehenden 18 Zugleiter einsatzfähig waren. An schnelle Abhilfe war seinerzeit nicht zu denken, weil potentielle Aushilfen zunächst eingearbeitet werden müssen, ehe sie in einem „fremden Stellwerk“ Dienst verrichten dürfen.

          Hauptschüler stärker einbeziehen

          Aktuell fehlen Kirchner zufolge aber auch Lokführer, Zugbegleiter, Wagenmeister, Werkstattmitarbeiter und viele Ingenieure. Ohnehin sei in den vergangenen Monaten erst ein gutes Drittel der konzernweit benötigten und zugesagten 2.000 zusätzlichen Mitarbeiter eingestellt worden. „Uns ist klar, dass sich die Personalprobleme der DB AG nicht von heute auf morgen lösen lassen“, äußerte der Gewerkschaftschef. Allerdings müsse ein Arbeitgeber, der zu den besten zehn in Deutschland gehören möchte, besondere Anstrengungen unternehmen. Wobei seinen Angaben zufolge mittlerweile alle deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmen Schwierigkeiten haben, geeignetes Personal zu finden.

          Nach den Erkenntnissen von Gewerkschaft und Betriebsräten wechseln gerade jüngere Beschäftigte in den Ballungsgebieten oftmals schon bald nach der Ausbildung zu anderen Unternehmen, weil dort mehr gezahlt werde und die Arbeitsbedingungen attraktiver seien. Außerdem verliere die Bahn immer wieder „wertvolles Wissen“, wenn ältere Kollegen in den Ruhestand gingen. Wobei man die „Rente mit 63“ nicht in Frage stellen will, wie Kirchner sagte. In dieser angespannten Situation sei es einen Versuch wert, „stärker als bisher Hauptschülern eine Chance zu geben, den Beruf des Eisenbahners zu erlernen“. Grundsätzlich solle die Ausbildung möglichst dezentral, also in der Region, ablaufen; und auch bei der Auswahl des Nachwuchses müssten die für die Lehrlinge später zuständigen Betriebe von Anfang an mit eingebunden werden.

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