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Stefanie Zweig im Porträt : Noch einmal zurück nach Afrika

  • -Aktualisiert am
Die Schriftstellerin und Journalistin blickt auf ein erfülltes Leben und die Dächer Frankfurts herab: Stefanie Zweig.
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          Am Ende ihrer späten, aber umso glanzvolleren Karriere als Schriftstellerin hat Stefanie Zweig noch einmal ihre ganze Familie nebst Freunden, Dienstpersonal und Haustieren um sich versammelt. In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Nirgendwo war Heimat“, das pünktlich zu ihrem 80. Geburtstag am 19. September erscheint, begegnet ihre Lesergemeinde wieder all jenen alten Bekannten, die sie in Zweigs Welt-Bestseller „Nirgendwo in Afrika“ und einem halben Dutzend weiterer Romane aus der Feder der Frankfurter Autorin kennengelernt hat.

          Postum kommt in Zweigs neuem Werk ihr heiß geliebter Vater Walter Zweig noch einmal ausführlich zu Wort, der mit Frau und Tochter den späteren Mördern seines Vaters, seiner Schwester, der Schwiegermutter und einer Schwägerin gerade noch ins Exil nach Kenia entkommen ist und dennoch auf der Farm in Afrika und später als Soldat der englischen Armee unentwegt von einer Rückkehr in ein von den Nazis befreites Deutschland träumt. Wir hören ihre kapriziöse Mutter Jettel unschuldig erklären, dass der von ihrem schon in Mombasa schwitzenden Ehemann dringend angeforderte Eisschrank in Deutschland nicht zu bekommen sei und sie sich deshalb mit dem Geld ein Abendkleid gekauft habe.

          „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“

          Stefanie Zweig schenkt ihrem Publikum eine Wiederbegegnung mit dem treuen Familienfreund Josef Greschek, der den jüdischen Exilanten in Kenia berichtet, daheim in Leobschütz erzählten sich die Leute, der Herr Doktor Zweig sei von einem Löwen gefressen und die Frau Doktor von einem Neger mit einer Keule erschlagen worden. Noch einmal singt der von der kleinen Steffi und ihren Eltern so ins Herz geschlossene schwarze Koch Owuor auf der Farm Ol’ Joro Orok das ihm von Walter Zweig beigebrachte Lied „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren“. Und auch der Hund Rummler, benannt nach einem Obernazi im oberschlesischen Leobschütz, darf siebzig Jahre später noch einmal stinken und furzen.

          Zur Buchmesse im vergangenen Jahr hat Stefanie Zweig den vierten und letzten Teil ihrer Rothschildallee-Saga vorgelegt, der vom Glück und vom Unglück der Frankfurter jüdischen Familie Sternberg handelt. Es hätte durchaus ihr letzter Roman sein können, schließlich war die Autorin damals schon 79 Jahre alt. Doch Stefanie Zweig, diese disziplinierte Arbeiterin, die ihr Leben lang nichts anderes getan hat, als Worte aneinanderzureihen und aus ihnen Geschichten zu formen, hat sich noch einmal an ihren Schreibtisch in ihrem Haus an der Rothschildallee gesetzt. Herausgekommen ist ihre und ihrer Familie Biographie. Eine Biographie in Briefform.

          Briefe als wichtigstes Kommunikationsmittel

          Briefe waren das wichtigste Kommunikationsmittel jenes Jahrhunderts, das Stefanie Zweig in „Nirgendwo war Heimat“ vor unseren Augen abrollen lässt. Als sie 1932 in Leobschütz zur Welt kam, konnte man sich nicht einfach mal anrufen oder ins Auto steigen und jemanden besuchen. Ein Privattelefon besaßen nur reiche Leute in den Großstädten. In Afrika, wo die kleine Steffi auf einer gottverlassenen Farm aufwuchs, waren jene fünfzig Kilometer zwischen Ol’Joro Orok und ihrem Internat am Nakurusee nicht mit dem elektrischen Draht überbrückt. Diese für unsere heutigen Verhältnisse geringe Distanz stellte für die Zweigs eine kleine Weltreise dar. Ein Nachbarfarmer, der ein klappriges Auto sein Eigen nannte, nahm Steffi freundlicherweise am Ende der Ferien immer mit, wenn er seine Tochter in der Nakuru-School ablieferte. Den Kontakt mit ihren Eltern, mit ihrer Tante in Amerika, mit Freundinnen und Bekannten, hat die „treue Tochter“ Stefanie schriftlich gehalten.

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