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Stefan Aigner über den Mannschaftsgeist der Eintracht : „Martinez kostet mehr als unser ganzer Kader“

  • Aktualisiert am

Es gibt wohl keine Bundesliga-Mannschaft, in der ein Profi bekennen würde, dass das Binnenklima schlecht ist. Bei der Eintracht scheint der Teamgeist aber tatsächlich ein Trumpf zu sein, obwohl vor der Runde neun Spieler neu dazu kamen. Wie erklären Sie sich das?

Als ich von 1860 weg bin, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Ich hatte gedacht, dass ich nie wieder eine Mannschaft erwische, wo die interne Stimmung so gut sein würde. Doch bei der Eintracht stimmt alles. Jeder kann grundsätzlich mit jedem, auch wenn es mal kleine Reibereien gibt. Doch das ist schnell erledigt. Es passt auch vom Alter, es sind richtige Freundschaften entstanden. Wir gehen oft zusammen was essen oder schauen gemeinsam Champions League, immer reihum bei einem anderen. Man sieht es ja auch im Stadion, jeder marschiert für seinen Nebenmann, hilft, wenn es Probleme gibt. Es gibt auch niemanden, der sich wichtiger nimmt, wenn er mehr Tore als der andere geschossen hat. Jeder fügt sich ein, keiner hebt ab - das zahlt sich aus.

Auf der rechten Seite harmoniert es auch zwischen Sebastian Jung und Ihnen gut. Wie wichtig ist es für den Verein, dass er seinen Vertrag verlängert und nicht in diesem Sommer schon geht?

Er ist ein super Hintermann für mich, soviel steht fest. Es macht wirklich Spaß mit ihm, wir ergänzen uns prächtig. Doch wie es mit ihm weitergeht, das ist seine Sache. Da braucht er meinen Ratschlag nicht. Er hat ja auch einen Berater und seine Familie, bei der er sich Tipps abholen kann. Außerdem ist er alt genug.

In Fürth haben Inui, Meier und Sie die Tore geschossen, wie so oft in der Vorrunde. Hat das etwas mit der Rückkehr zum alten System mit drei offensiven Mittelfeldspielern und einem Stürmer zu tun?

Taka hat ein Ding gemacht, wie er es immer mal macht, wenn er nach innen zieht. Und wenn Alex so frei ist, haut er ihn halt rein. Bei mir war es ziemlich glücklich, weil der Ball noch abgefälscht worden ist. Ich glaube, es war Zufall.

Armin Veh, Ihr Trainer, hat zuletzt den Substanzverlust bei einigen jungen Spielern angedeutet, weil meistens dieselben Leute von Beginn spielen, die diese permanente Anstrengung in der ersten Liga nicht gewohnt sind. Haben Sie Bedenken, dass die Eintracht auf der Zielgerade an Schwung verlieren könntet?

Eine Saison ist wie ein Lebensablauf: Mal gibt es Tiefen, mal gibt es Höhen. Dass wir diese Serie mit sechs Spielen ohne Sieg hatten, kam für mich nicht überraschend. Wir sind Aufsteiger, da kann man nicht davon ausgehen, dass wir jeden Gegner wie in der Vorrunde weghauen. Aber klar war es wichtig, dass wir in Fürth gewonnen haben. Das war ein Erfolgserlebnis für den Kopf.

Wo endet die sportliche Reise im Mai?

Ich persönlich schaue tatsächlich von Spiel zu Spiel. Ich weiß ja, dass es auch schnell nach unten gehen kann. Hätten wir in Fürth nicht drei Punkte geholt, wären wir zwar immer noch Sechster gewesen, hätten aber bei einer Niederlage gegen Bayern auch schnell Zwölfter sein können. Aber ich habe keine Angst vor den Spielen, die noch kommen und bin überzeugt davon, dass wir einen guten Abschluss haben. Unsere Leistung wird belohnt werden.

Von Ihnen ist bekannt, dass Sie sich nicht für die Fußball-Berichterstattung interessieren und wenig auf die Kritiken nach den Spielen geben. Was steckt dahinter, dass Sie die öffentliche Meinung so bewusst ausblenden?

Ich mache das seit zwei, drei Jahren so. Früher habe ich viele Zeitungen gelesen. Oft war es dann so, dass ich mich irre gemacht habe. Schießt man ein Tor, ist man der Gott, schießt man vorbei, ist man der Depp. Ich verstehe die Funktionsweise vieler Medien, aber ich habe mich entschlossen, es zu ignorieren, weil es mir so besser geht. Natürlich kriegt man aus dem Umfeld immer mal ein Feedback. Ich drehe nicht ab, wenn ich mal ein Tor mache, ich drehe auch nicht durch, wenn ich keines mache. Ich weiß, was ich aus mir rausholen kann und zu was ich im Stande bin. Ich kann das einordnen.

Wie fällt dann aus Ihrer Sicht Ihre bisherige Saisonbilanz aus? Neun Tore und sieben Vorlagen sind bemerkenswert. Oder geht noch mehr?

Es ist schon viel mehr, als ich erwartet habe. Es geht jedoch immer mehr. Nur: Wenn ich jetzt vier Spiele lang kein Tor schießen sollte, ist es mir auch egal. Hauptsache, die Mannschaft gewinnt, um nichts anderes geht es doch.

Sie werde aber an der Leistung aus dieser Saison auch in Zukunft gemessen.

(lacht) Eben, ganz bestimmt auch von den Journalisten. Und deshalb lese ich keine Zeitungen.

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