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Stau auf der Adickesallee : Der Stärkere walzt sich seinen Weg

Kreuz und quer: Stau an der Kreuzung von Eckenheimer Landstraße und Adickesallee wegen Bauarbeiten Bild: Helmut Fricke

An einer Kreuzung an der Frankfurter Adickesallee müssen Pendler mit bis zu einer Stunde Stauzeit rechnen. Der Grund: die für Bauarbeiten geänderte Spurführung. Doch die Stadt will sie vorerst nicht korrigieren.

          Der Sportwagen steckt fest. Mitten auf der Kreuzung von Adickesallee und Eckenheimer Landstraße steht er. Bei grüner Ampel war er in die Kreuzung eingefahren, doch dann stoppten die Fahrzeuge vor ihm. Der Grund: Rund zehn Meter nach der Kreuzung verengt sich die zweispurige Allee wegen einer Baustelle auf eine Fahrspur.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Einfädeln dauert, Autos, Lastwagen und Linienbusse werden zum stehenden Hindernis. Als die Ampeln für die querende Eckenheimer Landstraße grün zeigen, wird es abenteuerlich: Autos, Motorräder, Radfahrer wollen nun ihrerseits die blockierte Kreuzung queren. Hupen plärren, Fahrer gestikulieren. Der an der Kreuzung installierte Rotlichtblitz löst wiederholt aus. Wendige Radfahrer umkurven die Karossen, Fußgänger schlängeln sich über die Fahrbahn, Kinderwagen werden durch Lücken manövriert.

          Bis zum Herbst 2019 neue Rohre

          Dann droht den Ausgebremsten weiteres Ungemach: Eine Stadtbahn will sich Platz verschaffen. Im Schritttempo fährt der Zug auf die Kreuzung, auf der anscheinend nur noch das Recht des Stärkeren und Größeren gilt. Der Zugführer hupt sich den Weg frei. Autos setzen vor und zurück, um das Gleis zu räumen. Schließlich gelingt einzelnen Fahrzeugen die Weiterfahrt, die Kreuzung leert sich für einen kurzen Moment – bis zur nächsten Grünphase. Dass nicht schon Menschen und Blech zu Schaden kamen, ist ein Wunder.

          Im Straßenverkehrsamt weiß man um das Nadelöhr. „Es gab schon Reaktionen von Verkehrsteilnehmern“, sagt Amtsleiter Gert Stahnke. Er verweist auf die Bauarbeiten, die eine geänderte Fahrbahnführung erfordern: Seit Anfang Juni verlegt die städtische MainovaAG auf dem Alleenring eine Fernwärmetrasse. Auf 1,7 Kilometern, bis zum Nibelungenplatz, sollen bis zum Herbst 2019 neue Rohre vergraben werden. Derzeit wird auf der Adickesallee im Abschnitt zwischen Polizeipräsidium und der Kreuzung zur Eckenheimer Landstraße gearbeitet. Die Leitung wird auf der nördlichen Straßenseite verlegt. Der Fuß- und Radweg ist gesperrt, Passanten sollen auf den südlichen Gehweg ausweichen. Für Radfahrer wurde auf der vielbefahrenen Adickesallee stadtauswärts mit einer gestrichelten Linie ein Schutzstreifen auf der Fahrbahn markiert.

          Besserung scheint nicht in Sicht

          Der Schutzstreifen kann normalerweise von Autos mitgenutzt werden, wenn kein Radfahrer unterwegs ist. Zu Beginn der Arbeiten konnte der Verkehr also noch zweispurig fließen, größere Staus blieben aus. So sei die Baustelleneinrichtung vereinbart gewesen, bestätigt die Sprecherin der Mainova. Ende vergangener Woche jedoch ließ das Straßenverkehrsamt die Radfahrstreifen mit Verkehrsbaken abtrennen. Dem Autoverkehr blieb nur noch eine Spur – seither herrscht Chaos. Beobachter sprechen von anarchischen Zuständen auf der Kreuzung. Autofahrer, die stadtauswärts fahren wollen, mussten im Berufsverkehr mit Verzögerungen von bis zu einer Stunde rechnen (F.A.Z. von Donnerstag).

          „Wir mussten nachbessern“, begründet Amtsleiter Stahnke den Aufbau der Baken. Zu viele Autofahrer hätten die Radspur genutzt. Das sei zwar grundsätzlich zulässig, aber nicht mehr verkehrssicher für Fahrradfahrer gewesen. Darum sei den Radfahrern die Spur gesichert und dadurch für den Autoverkehr nur eine Fahrspur übrig geblieben. Dass das nicht funktioniere, stehe nun eine Woche nach der Umstellung fest, gesteht Stahnke. „Wir suchen nach einer neuen Lösung.“ Am Montag soll es dazu ein Gespräch mit der Mainova geben.

          Eine kurzfristige Besserung scheint jedoch nicht in Sicht. Stanke weist darauf hin, dass häufige Umbauten in Baustellen zu vermeiden seien, vielmehr werde auf einen Lern- und Gewöhnungseffekt der Verkehrsteilnehmer gesetzt. Die Radroute etwa in die parallel verlaufende Cronstettenstraße zu verlegen, lehnt der Amtsleiter ab. Spätestens zum Ende der Sommerferien erhalte der Autoverkehr die zweite Fahrspur zurück, versichert er – das wäre zumindest ein kleiner Fortschritt, denn eigentlich sind die Arbeiten in dem Bauabschnitt bis Ende Dezember terminiert.

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