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Startbahn West : „Narben einer ganzen Polizeigeneration“

  • -Aktualisiert am

Der Trauerzug bestand aus Mitarbeitern der Polizei sowie Familienangehörigen und Freunden der ermordeten Polizisten. Bild: Kretzer, Michael

Die hessische Polizei hat im Beisein der Familienangehörigen und Hinterbliebenen des Hauptkommissars Klaus Eichhöfer und des Polizeimeisters Thorsten Schwalm gedacht.

          Im Beisein der Familienangehörigen und Hinterbliebenen hat die hessische Polizei am Freitag Nachmittag mit einem ökumenischen Gottesdienst und einer Kranzniederlegung am Ehrenmal der beiden vor 25 Jahren getöteten Polizisten gedacht, des 43 Jahre alten Hauptkommissars Klaus Eichhöfer und des 23 Jahre alten Polizeimeisters Thorsten Schwalm. Die Beamten waren am Abend des 2. November 1987 durch Schüsse des tags darauf festgenommenen Andreas E. bei einer Demonstration gegen den Betrieb der Startbahn 18 West getötet worden. An der Gedenkfeier in der Sporthalle der III. Bereitschaftspolizei-Abteilung in Mühlheim nahmen 400 Menschen teil, die meisten von ihnen Polizisten. Zu ihnen gehörten auch Heinrich Bernhardt und Rolf Mai, die an jenem Abend Einsatzleiter waren.

          Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) legte am Ehrenmal, das zum Gedenken an Eichhöfer und Schwalm auf dem Gelände der Mühlheimer Bereitschaftspolizei errichtet wurde, einen Kranz nieder. Rhein sagte: „Die Schüsse an der Startbahn West haben Narben bei einer ganzen Polizeigeneration hinterlassen.“

          „Der Schock danach saß tief“

          Rhein erinnerte daran, dass der Täter am Abend des 2.November 1987 insgesamt vierzehn Schüsse aus dem Hinterhalt auf die Polizisten abgegeben habe. Bis heute sei es unverständlich, dass das Gericht den Täter nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt habe. Auch gedachte Rhein jener Polizisten, die am 2.November 1987 durch gewalttätige Demonstranten zum Teil schwer verletzt wurden. Der Innenminister verwies zudem darauf, dass die Gewalt gegen Polizisten weiter zunehme. So habe man im vorigen Jahr 1782 Angriffe auf Polizisten verzeichnet, ein Anstieg von 25,7 Prozent im Vergleich zu 2010.

          Zuvor hatte Polizeipfarrer Wolfgang Hinz von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in seiner Predigt während des ökumenischen Gottesdienstes den 2.November 1987 als einen „schwarzen Tag“ nicht nur für die Polizei bezeichnet. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik seien bei einer Demonstration zwei Polizisten erschossen und weitere verletzt worden. „Der Schock danach saß tief“, sagte der Polizeipfarrer. Da die neue Startbahn schon seit mehr als drei Jahren in Betrieb gewesen sei, seien diese Morde umso brutaler und sinnloser gewesen. Es habe sich ein Abgrund aufgetan, der auch über die vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte hinweg nicht habe überbrückt werden können. Hinz stellte heraus, dass die tödlichen Schüsse nicht nur das Ende der Anti-Startbahn-Bewegung herbeigeführt, sondern auch innerhalb der Polizei einiges bewegt hätten. Dies betreffe die Ausbildung und Ausrüstung der Polizisten ebenso wie die Gewaltprävention. Bei der Eindämmung von Gewalt sei Prävention unverzichtbar.

          Im Anschluss an die Kranzniederlegung eröffneten Landespolizeipräsident Udo Münch und Jens Mohrherr, Vorsitzender des Hauptpersonalrats, im Casino der III.Bereitschaftspolizei-Abteilung eine Wanderausstellung zu den sogenannten Startbahnmorden. Münch sagte, die Auseinandersetzungen um den Bau der Startbahn 18 West seien prägend für eine ganze Generation von Polizisten gewesen. Er, Münch, sei über sieben Jahre hinweg dort im Einsatz gewesen und habe Eichhöfer gekannt. Die Ausstellung, die auch in Rathäusern gezeigt werden soll, biete angesichts der dokumentierten Fotos, Zeitungsartikel und Ausrüstungsgegenstände der Polizei sowie der „Einsatzwerkzeuge“ gewalttätiger Demonstranten - von der Zwille samt Stahlkugel über Krähenfüße und Nägel bis zur Machete - eine zeitgeschichtliche Betrachtung.

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