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Start-ups in der Region : Studentenzeit als Gründerzeit

Haben ein neues Dosengetränk mit einem selektiven Vertrieb etabliert und schon festes Personal: die Gründer von Acáo, Michael Noven, Chris Reimann, Florens Knorr (v.l.) Bild: Wolfgang Eilmes

Brauen, die Welt mit einem neuen Energy-Drink beglücken, Gebrauchsgegenstände entwerfen: Viele Studenten haben Ideen für eine eigene Firma. Manche haben Erfolg.

          Im Hof des Kurfürstlichen Schlosses war es ruhig an diesem letzten warmen Spätsommertag. Ein Brunnen plätscherte, ein blauer Bauwagen diente als WC. Eine Szenerie wie aus dem Kinderfernsehen, wie aus der Serie Löwenzahn, in der Peter Lustig mit seiner immer blauen Latzhose die Welt erklärte. Leonidas Lazaridis trägt, als er an diesem Tag mit Philip Vogel im Schlossbiergarten ankommt, eine mit kleinen grünen Eulen verzierte weiße Hose. Und wie die Umgebung, in der die beiden jetzt sitzen, so filmreif aussieht, könnte auch die Geschichte der zwei jungen Männer von einem Drehbuchschreiber verfasst worden sein.

          Beide studierten an der Fachhochschule Mainz Kommunikationsdesign, ihre Bachelorarbeit war ein Gemeinschaftsprojekt. Ihr Auftrag: Bierflaschen designen. Das taten sie. Und begeisterten sich derart für die Materie, dass sie beschlossen, auch noch den Flascheninhalt zu gestalten. Heraus kam Eulchen Bier, heute erhältlich in vielen lokalen Supermärkten und Bars. In der Weinstadt Mainz kennt es mittlerweile fast jeder. Gut 100.000 Flaschen verkaufen Lazaridis und Vogel im Jahr, auch im Schlossbiergarten, den sie im Mai gepachtet haben und der jetzt in der Winterpause ist. Ihre Absatzzahlen sind noch gering im Vergleich zu denen der großen Marken. Doch es reicht, um davon leben zu können. Wenn auch auf Studentenniveau.

          Eigene Brauerei geplant

          Ein Unternehmen gründen, das zeigen nicht nur die Väter von Eulchen Bier, ist für Studenten heute nichts Unvorstellbares. „Das Thema Start-up ist so ein bisschen cool geworden“, sagt Thomas Funke, Leiter des Fachbereichs Gründung am Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft (RKW) in Eschborn. Das Institut erforscht, wie sich mittelständische Unternehmen in Deutschland im internationalen Wettbewerb behaupten können. Einer Umfrage zufolge versuchen fast sechs Prozent der Studenten in Deutschland, sich während des Studiums selbständig zu machen oder ein Unternehmen zu gründen. Direkt nach dem Studium sind es nur zwei Prozent, fünf Jahre nach dem Abschluss 17.

          Füllen Bier ab, das in der Weinstadt Mainz begeistert gekauft wird: Philip Vogel (l.) und Leonidas Lazaridis

          Elmar Konrad, geschäftsführender Leiter des Instituts für unternehmerisches Handeln der Hochschule Mainz, erklärt sich das so: Einerseits brumme die Wirtschaft, so dass viele Studenten eine Anstellung bevorzugten. Anderseits seien die Zeiten unsicher geworden, kaum jemand könne noch davon ausgehen, bis zur Rente bei ein und demselben Arbeitgeber zu bleiben. Studierenden rät er, eine Gründung mit ihrer Bachelor- oder Masterarbeit zu verbinden.

          Chancen auf Kredit minimal

          So wie Lazaridis und Vogel. Bei den Professoren stießen sie mit ihrem Brau-Plan zunächst auf Skepsis. Das habe sie nur noch mehr angespornt, sagen sie. Sie tranken 350 Biersorten und mixten dann ihre eigene in einer Küche, ein süßlich-süffiges Märzenbier. Für den Namen Eulchen Bier entschieden sie sich, weil es schon im Mittelalter viele Mainzer Marken mit Tiernamen gegeben habe. In einem Pop-up-Store verkauften die beiden 2000 Flaschen, die sie an einem Wochenende vor Abgabe der Bachelorarbeit eigenhändig befüllt und beklebt hatten. Nach nur einer Woche waren alle verkauft, die 2000 Euro Startkapital wieder in der Kasse. „Wir hatten unendlich viel Spaß dabei“, sagt Lazaridis. In naher Zukunft wollen sie eine eigene Brauerei in Mainz betreiben. Dafür aber müssen sie wohl einen Kredit aufnehmen.

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