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Gründer in Rhein-Main : Hunderte auf Safari durch den Start-up-Dschungel

Aus der „Vabn“ in eine ganze Etage: Das Team des Kreditvermittlers Giromatch in Frankfurt Bild: Frank Röth

450 Gründer und Investoren besuchen 60 Einrichtungen in fünf Städten im Rhein-Main-Gebiet. Gründer üben Kritik an Förderprogrammen. Stadt Frankfurt und Land redeten viel, täten aber wenig.

          Das „Vabn“ ist in Bockenheim nicht einfach zu finden: Zur Eingangstür führt ein Schotterweg neben den S-Bahn-Gleisen. Im Aufzug sind auf dem Wegweiser nur die Abteilungen des Sozialrathauses aufgeführt. Die Beamten dort haben noch nie von „Vabn“ gehört: „Ist das was mit Computern?“ Fast.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung und bei dem Wirtschaftsmagazin Metropol.

          „Vabn“ ist ein privat betriebenes Gründerzentrum – und ein Experiment. Aurelis, der Immobilienentwickler, der das Europaviertel vermarktete, hat die fünfte Etage des Gebäudes umgebaut, um dort acht vielversprechende Start-ups unterzubringen. Die Wände der „Waben“, wie die Arbeitszellen heißen, sind verschiebbar, es gibt Konferenzräume, einen Gigabit-Breitbandanschluss, eine riesige Dachterrasse und eine Kaffee-Flatrate. Wie „Vabn“, eine lautmalerische Variation von Waben, geht es allerdings vielen Einrichtungen für Start-ups in der Region: Es gibt zwar immer mehr von ihnen, aber kaum einer kennt sie und weiß sie zu finden.

          Auch die Esa mit dabei

          Abhilfe schaffen soll nun eine zweitägige „Start-up-Safari“, die gestern begonnen hat. 60 Orte und Termine haben die Organisatoren der Marketingfirma Candylabs zusammengetragen. Die 450 Teilnehmer – Jungunternehmer, Investoren, Studenten und Wirtschaftsförderer – können Gründerzentren wie das Tech-Quartier in Frankfurt, den Heimathafen in Wiesbaden und Ostpol in Offenbach besuchen, oder auch Start-ups wie Emma-Matratze in Frankfurt und Hitch-On in Mainz.

          Das Darmstädter Raumfahrtzentrum Esa öffnet seine Türen, PWC präsentiert sein neues Kreativlabor „Experience Center“ und Merck bringt Interessierte aus Frankfurt per Bus zu Darmstädter Gründern. „Wir wollen zeigen, was das Ökosystem Rhein-Main für Start-ups alles zu bieten hat“, sagt Organisatorin Caroline Wagner. Es habe sich in den vergangenen zwei Jahren so viel entwickelt, dass solch ein Überblick inzwischen nötig geworden sei.

          Viel über Innovation geredet

          „Die Start-up-Szene in Rhein-Main ist ein riesiges Puzzle, bei dem ständig neue Teile dazukommen“, sagt Jörg Prüßmeier von Cygnet Ventures, einem Start-up-Investor. Er besucht den Smart-Bike-Hersteller Cobibike in Bockenheim, der 35 Mitarbeiter hat und 2015 den Frankfurter Gründerpreis gewann. Mitgründer Tom Acland erzählt ihm, wie schwierig die Finanzierung sei. Sicher, es gebe viele Förderprogramme, aber die seien meist ungeeignet für Start-ups, bei allen sei Cobibike abgeblitzt. Zudem benötigte die Bearbeitung der Anträge oft mehrere Monate – das sei viel zu lange für Gründer. Wirkliche Hilfe von der Stadt oder dem Land gebe es auch kaum: „Die reden nur viel über Innovation, aber tatsächlich passiert nichts.“

          Das Problem fehlender Büroflächen scheint dagegen etwas kleiner zu werden – zum Leidwesen des Immobilienentwicklers Aurelis. Als man „Vabn“ geplant habe, sei man einer der ganz wenigen Anbieter der bei Gründern begehrten Co-Working-Räume gewesen, berichtet der Leiter Elmar Schütz. „Jetzt ist der Markt hart umkämpft.“ Immerhin, das Konzept, mit „Vabn“ neue Kunden und Märkte zu erschließen, scheint aufzugehen: Der Kreditvermittler Giromatch zog kürzlich dort aus, da es dem wachsenden Unternehmen schnell zu eng wurde, und mietete bei Aurelis eine ganze Etage an.

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