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Start-up : Nudeln für 2000 Leute

Ess-Bar: Jan Dinter und Oliver Meiser bereiten als Celebrate Streetfood alle Speisen frisch zu. Bild: Celebrate Streetfood

Jan Dinter und Oliver Meiser wollen ein Burrito-Restaurant eröffnen, eigentlich. Dann kaufen sich die beiden einen Foodtruck. Jetzt mischen sie mit Imbisswagen im Catering-Markt mit.

          Der häufigste Fehler eines Gründers ist die bedingungslose Einhaltung eines Plans. Der Plan von Jan Dinter und Oliver Meiser ist ein gutes Beispiel dafür. Die Theorie sah nämlich vor, dass die beiden Uni-Absolventen ein Restaurant eröffnen und dort Burritos verkaufen. Irgendwo in Frankfurt, ganz klassisch, ganz einfach. Doch aus dem Plan wird nichts. Gescheitert sind die beiden Jungunternehmer deswegen nicht. Das Gegenteil ist der Fall. „Der Betrieb brummt“, sagt Jan Dinter. Warum? Weil sie ihren ursprünglichen Plan, ihren eigentlichen Traum, die fixe Idee immer wieder angepasst haben.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Geschichte von Celebrate Streetfood könnte im Lehrbuch für Gründer stehen, weil sie viele Kapitel enthält, die für Start-ups typisch sind. Kapitel eins dieser Geschichte beschreibt den Irrtum, als Gründer immer am ursprünglichen Plan festhalten zu müssen. Deshalb ist die erste Idee, die Jan Dinter und Oliver Meiser 2012 auf einem Blatt Papier festhalten, noch eine mit dünnen Bleistiftstrichen gezogene Skizze. Das langsam gegarte und dadurch besonders zarte, gezupfte Schweinefleisch, das als „Pulled Pork“ längst zu jedem größeren Stadtfest gehört, sollte, so ihr Vorhaben, in Teigtaschen aus Weizenmehl, Burritos, serviert werden – und zwar in einem eigenen Laden. Doch als die beiden Betriebswirte die Mieten, etwa auf der Berger Straße, zu Gesicht bekommen, weichen sie zum ersten Mal von ihrem Plan ab. „Wir konnten damals nicht glauben, diesen Betrag reinholen zu können.“

          Es wird nicht das einzige Mal bleiben, dass sich Dinter und Meiser von einer Idee verabschieden müssen. „Als Gründer muss man immer wach und flexibel bleiben – und Lust auf Veränderung haben.“ Gesagt, getan: Statt eines Restaurants wird ein Imbisswagen zum Verkaufsraum. Die Gründer lassen ihn für ihre Zwecke umbauen und verkaufen von Mitte 2013 an mittags auf Märkten und in Bürosiedlungen ihre Burritos. Vor einigen Jahren waren fahrende Essensstände üblicherweise klassische Imbisswagen, in denen es in der Regel Bratwurst, Pommes und Hamburger gab. Der Markt für Foodtrucks, wie sie neudeutsch heißen, mit schickem Design und kreativen Konzepten mit coolen Namen hat offenbar Potential: Schon im November 2013 bestellen die Gründer zwei weitere ihrer umgebauten Lieferwagen. Sie wollen mehr. Und stoßen damit ein weiteres Mal an die Grenzen ihres Plans.

          Skalierung und Flexibilität

          Dinter und Meiser erkennen, dass der Verkauf von Burritos, läuft er auch noch so gut, zeitlich begrenzt ist. In ihrem Fall auf die Mittagszeit, in der Angestellte häufig auf der Suche nach einem Ersatz für den täglichen Besuch in der Firmenkantine sind. Wird man hingegen für die Weihnachtsfeier eines Unternehmens gebucht, ist das deutlich lukrativer. „Es lässt sich besser skalieren“, sagt Dinter im Business-Deutsch und meint: Damit kann man mehr verdienen.

          Heute, nur knapp vier Jahre nach ihrer Idee, rechnet die daraus erwachsene Celebrate Streetfood Event & Catering GmbH für 2017 mit einem Umsatz in Höhe von fast drei Millionen Euro. Nur noch zehn Prozent davon kommen aus dem Straßenverkauf, der Rest aus dem Catering-Angebot, das mit inzwischen 14 Foodtrucks betrieben wird.

          Die Burritos gibt es immer noch, aber auch hier ist es nicht bei dem Ursprungsplan geblieben. „Wir haben schnell bemerkt, dass es Potential für weitere Marken gibt“, sagt Dinter. Sie heißen Trinity BBQ (Spareribs und Rinderbrust), Cucina Nostra (Pizza und Nudeln) und Burger Unplugged. Im Schnitt bewirtet das Unternehmen je Auftrag rund 250 Gäste, in der Spitze kochen sie aber auch schon mal für 2500 Personen, frisch. Jeder Foodtruck kann für jedes Konzept umgerüstet und die fahrenden Imbissbuden bei Bedarf auch noch mit dem Firmenlogo des Auftraggebers beklebt werden.

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          Lehrjahre beinhalten auch Abstürze

          Das zweite Kapitel im Lehrbuch für Gründer enthält die Lehre vom Scheitern. „Wer Angst davor hat, hat schon verloren“, sagt Dinter. Schließlich komme für Start-ups fast immer der Moment, wo ein Absturz zumindest möglich, manchmal zum Greifen nah erscheint. „In den ersten beiden Jahren wussten wir nicht, ob die Sache gutgeht“, erinnert sich der Gründer und berichtet von einem für ihn prägenden Ereignis. Zum Start ihres ersten Verkaufswagens hatten die Gründer nämlich Gutscheine verteilt, für die man auf die Burritos Preisnachlass erhielt. „Drei Wochen haben die uns überrannt“, berichtet er von den ersten Eindrücken. Doch dann liefen die Coupons aus. Und plötzlich liefen Menschen, die einen Tag zuvor noch Schlange gestanden hatten, grußlos an dem Foodtruck vorbei in die Kantine. Doch Rückschläge hätten ihm aber selten schlaflose Nächte beschert, sagt Dinter. Denn selbst wenn es nicht funktioniert hätte: Die Erlebnisse und Lehrjahre seien es allemal wert gewesen.

          Lektion drei in der Geschichte über Celebrate Streetfood ist am schwierigsten zu greifen, denn sie ist psychischer Natur. Jan Dinter sagt, er könne all das, die Trucks, die Öffentlichkeit, die wachsende Bürofläche im Frankfurter Stadtteil Seckbach, die 80 Mitarbeiter und das Interesse von Investoren manchmal kaum glauben. „Dafür reicht meine Vorstellungskraft einfach nicht.“ Doch die Begrenzung der eigenen Möglichkeiten und Visionen sei ein Fehler, sagt Dinter.

          Deshalb – und obwohl der Job ein Hamsterrad sei, dessen Geschwindigkeit andere bestimmten – haben die Gründer vor, ihre Pläne weiter an den Markt anzupassen. Derzeit überlegen sie, neben ihrer Heimat Frankfurt, wo sich im Umkreis von 250 Kilometern ihr Hauptgeschäft abspielt, weitere Standorte aufzubauen. Und auch wenn es schwierig sei, in der Gastronomiebranche innovativ zu sein, wollen die Unternehmer neue Konzepte entwickeln. Das zumindest ist der Plan. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass der sich nicht noch mal ändern wird.

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