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Start-up hilft Ausländern : Hilfe im Labyrinth der Formalitäten

  • -Aktualisiert am

International vernetzt: Das Frankfurter Fintiba-Team Bild: Wolfgang Eilmes

Mit einer App hilft ein junges Unternehmen ausländischen Studenten, sich in Deutschland zu orientieren. Allein die Eröffnung eines sogenannten Sperrkontos stellt viele Studenten aus Ländern außerhalb der EU auf eine harte Probe.

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          Amro Al Dabbas war heillos überfordert. Mit der Eröffnung eines Kontos, der Auswahl einer Krankenversicherung und der Beantragung eines Visums – einfach mit allen Formalitäten, die er für ein Auslandssemester in Deutschland erbringen musste. Seinen Kommilitonen ging es ähnlich. Al Dabbas ist Jordanier und studiert das Fach Management and Sciences. Sein Studiengang sieht ein Auslandssemester in Deutschland vor.

          Allein die Eröffnung eines sogenannten Sperrkontos stellt viele Studenten aus Ländern außerhalb der EU auf eine harte Probe. So auch Al Dabbas. „Das Konto ist verpflichtend, um ein Studium in Deutschland aufzunehmen“, sagt er. Es dient als Nachweis dafür, dass der Student genug Geld hat, um in Deutschland leben zu können. Eingezahlt werden muss der Bafög-Satz der gesamten Aufenthaltszeit. Für viele eine riesige Summe.

          Studenten den Weg nach Deutschland erleichtern

          Das weiß auch Bastian Krieghoff. Die Eröffnung eines Sperrkontos sei nur eine von vielen Hürden für Nicht-EU-Studenten bei der Planung eines Auslandssemesters. Der Absolvent der Frankfurt Business School gründete vor zwei Jahren das Unternehmen Fintiba, nachdem er eine Zeitlang im Finanzsektor gearbeitet hatte. Sein Ziel ist es, Studenten den Weg nach Deutschland zu erleichtern. Die Web-Applikation, die er entwickelt hat, bietet Dienstleistungen wie Information und Beratung rund um ein Auslandssemester für internationale Studenten an. Dazu gehört außer der Einrichung eines Sperrkontos auch ein Visumantrag und die Auswahl einer Krankenversicherung. „Viele Studenten wissen vor ihrem Aufenthalt überhaupt nicht, welche Nachweise sie erbringen müssen und sind mit bürokratischen Fragen oft überfordert“, sagt Krieghoff. Fintiba sammelt relevante Informationen – von der Zahlung an die GEZ bis hin zur Wohnungssuche.

          Dafür arbeitet das Start-up mit der DAK Gesundheit und Mawista in Versicherungsfragen und der Sutor-Bank, einer Privatbank aus Hamburg, bei Kontoeröffnungen zusammen. Durch die Kooperationen könnten sonst oft monatelang dauernde Prozesse beschleunigt werden. „Die Eröffnung eines Sperrkontos kann bis zu sechs Monate dauern, durch unsere digitalbasierte Arbeit klappt das innerhalb von zwei bis drei Tagen“, sagt Krieghoff. Mittlerweile sei Fintiba vom Auswärtigen Amt und allen deutschen Botschaften als Dienstleister anerkannt. Auch Hochschulen gäben ihren Studenten Informationen zu Fintiba an die Hand.

          355.000 Ausländer an deutschen Hochschulen

          Für ein solches Angebot besteht offenbar Bedarf. In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich die Zahl internationaler Studenten in Deutschland um 37 Prozent. Im Wintersemester vergangenen Jahres waren 355.000 Ausländer an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Auch weil Fintiba internationale Studenten auf dem Arbeitsmarkt unterstütze, fänden immer mehr Ausländer den Weg nach Deutschland, sagt Krieghoff. Fintiba könne nach eineinhalb Jahren am Markt „schon mehrere zehntausend Kunden aus 160 Ländern zählen“.

          Begonnen hat Fintiba als rein studentisches Unternehmen: Von den sechs Gründern waren drei damals noch immatrikuliert. Seitdem ist das Unternehmen schnell gewachsen. Mittlerweile hat es 23 Mitarbeiter aus mehr als zehn Nationen. „Es ist uns sehr wichtig, dass wir die Internationalität auch im eigenen Team leben“, sagt Krieghoff. Das erleichtere auch den Kundendienst. Über den sogenannten Customer-Service können sich Studenten aus aller Welt mit Fragen an Fintiba wenden. „Da ist es schon hilfreich, wenn möglichst viele Sprachen im Team vertreten sind“, sagt Krieghoff.

          Inzwischen zählt auch Arabisch zum Sprachrepertoire von Fintiba. Amro Al Dabbas wandte sich aus Jordanien an die Firma, um Unterstützung für sein Studium zu bekommen. Weil er die Arbeit des Start-ups so interessant fand, fragte er nach einem Praktikum – und bekam eines im Kundendienst.

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