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Start-up Framen : Werbung im Hotel und im Fitness-Studio

  • -Aktualisiert am

Neue Wege des Marketings: Die Gründer von Framen. Bild: Helmut Fricke

Das Start-up Framen bespielt Bildschirme und will in ganz Europa wachsen. Und die Investoren stehen schon bereits Schlange.

          3 Min.

          Dimitri Gärtner ist ziemlich zufrieden. „Was hier gerade abläuft, übertrifft unsere kühnsten Erwartungen“, sagt er. Der Einunddreißigjährige ist einer der vier Gründer des Frankfurter Start-ups Framen, gemeinsam mit seinem Bruder Alexander, Magdalena Pusch und Sveatoslav Podobinschi. In einem Konferenzraum des Frankfurter We-Work-Gebäudes in der Taunusanlage haben sie ein 20 Quadratmeter großes Büro gemietet. Vor kurzem schlossen sie ihre zweite Finanzierungsrunde ab. Die Investoren stehen Schlange, wie Gärtner sagt. Gemäß den jüngsten Zahlen billigen sie dem vor knapp zwei Jahren aus der Taufe gehobenen Unternehmen einen Wert von mehr als zehn Millionen Euro zu.

          Framen ist eine Abkürzung und steht für Frankfurter Menschen. „Es geht um adressierbare kontextuelle Werbung“, erklärt Pusch. Als Beispiel führt sie Hotels an, in deren Eingangsbereichen Bildschirme aufgestellt sind, auf denen Videos mit Informationen über hauseigene Angebote wie Frühstückszeiten, den Spa und Restaurants laufen. Dieses Umfeld könnte zum Beispiel auch für Airlines interessant sein, um für sich zu werben, weil Übernachtungsgäste auch Reisende sind. Das heißt: Man erreicht auf einem Screen im Hotel ein grundsätzlich an Reisen interessiertes Publikum. Die Streuverluste von Werbung reduzieren sich beträchtlich. Das ist der Clou der Geschäftsidee.

          „Bestmögliche Wahrnehmung“

          So können Werbekunden Bildschirme an unterschiedlichen Orten buchen, sei es im Fitness-Studio, im Restaurant, im Coworking-Büro im Einkaufszentrum. Dank Framen lassen sich die Screens einzeln ansteuern und buchen. „Unser Ziel ist die bestmögliche Wahrnehmung der Inhalte“, sagt Magdalena Pusch. Aktuell stünden rund 1000 Bildschirme im deutschsprachigen Raum zur Verfügung, für weitere befinde man sich in Gesprächen. Die Expansion in ganz Europa sei auf dem Weg, so heißt es.

          Das erste Jahr sei hart gewesen, erzählt Dimitri Gärtner. „Da haben wir Tag und Nacht geschuftet, einen Prototypen der Internetplattform nach dem anderen gebaut. Einnahmen gab es praktisch nicht. Glücklicherweise stand uns ein Frankfurter Business-Angel zur Seite.“ Ein Meilenstein sei gewesen, als man mit Stage Entertainment ein großes Unternehmen von der Plattform überzeugen konnte, das Theaterhäuser in ganz Europa betreibt, in denen überwiegend Disney-Musicals wie „König der Löwen“ gezeigt werden.

          Der nächste wichtige Tag in der Unternehmensgeschichte kam mit dem Einstieg des Berliner Accelerators APX. Dem Gemeinschaftsunternehmen von Porsche und dem Axel Springer Verlag, das in vielversprechende Start-ups investiert, liegen jedes Jahr mehr als 1000 Bewerbungen vor, weniger als zwei Prozent erhalten einen Zuschlag. APX übernimmt dann fünf Prozent der Firmenanteile für einen „mittleren fünfstelligen Eurobetrag. Das klingt nicht nach viel Geld. „Wir haben lange diskutiert, ob wir das Angebot annehmen“, berichtet Gärtner. „Aber das war der Eintritt in die Welt des Wagniskapitals, eine Art Ritterschlag. Framen war damit Mitte Dezember 2019 auf einen Schlag eine Million Euro wert.“ Außerdem APX ein großes geschäftliches Netzwerk eingebracht.

          Wenige Tage später erwarben Investoren aus der Machine-Learning-Abteilung von Google weitere Anteile. Die nächste Finanzierungsrunde könnte bereits im Sommer über die Bühne gehen. Auch Übernahmen könnten dann ein Thema sein. Das aktuell zehnköpfige Team wird sich wohl verdoppeln müssen. Ein zweiter Standort in Berlin, in der Nähe des APX-Fonds, wird gerade aufgebaut.

          Gut funktionierendes Team

          Möglich wurde das unternehmerische Märchen nur mit einem gut funktionierenden Team. Dimitri Gärtner kümmert sich um den Vertrieb und die Kommunikation. Er hatte zudem die ursprüngliche Idee für die Firma. Der Einunddreißigjährige, der in Kasachstan geboren wurde, hat in Gießen BWL studiert. Seinen gut dotierten Job bei der Deutschen Bank kündigte er nach fünf Jahren und ging mit Framen „all in“.

          Das Herz seines Bruders Alexander, der mit 23 Jahren der jüngste in dem Quartett ist, schlägt für Design, Videos und Fotografie. Sein Studium an der Technischen Hochschule Mittelhessen hat er auf Eis gelegt, will es aber unbedingt abschließen. Im Augenblick konzentriert sich Alexander auf die Führung des operativen Geschäfts bei Framen. Er organisiert beispielsweise die Produktion, den Transport und die Lagerung des in China produzierten TV-Sticks, der die Bildschirme vernetzt. „In so einem Stick steckt mehr Rechenpower als in einem durchschnittlichen Laptop“, erklärt er.

          Sveatoslav Podobinschi ist das technische Gehirn des Unternehmens. „Deutsch spreche ich nicht so gut“, sagt der Moldawier, „ich habe es mehr mit Algorithmen und Zahlen.“ Er stieß auf Empfehlung eines Bekannten zu dem Team, als Dimitri Gärtner einen Programmierer suchte. Podobinschi hat in Bremen Biogenetik studiert. Für den Einstieg bei Framen gab er eine Anstellung als IT-Experte in Berlin auf. Seine Doktorarbeit ruht derweil.

          Viele junge Technologieunternehmen scheitern

          Magdalena Pusch ist für das Marketing verantwortlich. Sie hat in Gießen ein Doppelstudium in Sprachen, Kultur und Wirtschaft absolviert und sich in Eigenregie ein Auslandssemester an der San José State University mitten im Silicon Valley organisiert. Während dieser Zeit kam ein Google-Mitarbeiter auf sie zu und engagierte sie für Digitalisierungsprojekte in Europa. Sie implementierte für Google Software, beispielsweise in Frankreich und Norwegen.

          Viele junge Technologieunternehmen scheitern, weiß Dimitri Gärtner. Hauptgrund sind hierfür meist Probleme im Team. Diesbezüglich sieht sich Framen gut aufgestellt. Außerdem muss das Timing stimmen. „Wenn das Produkt perfekt ist, ist man zu spät am Markt“, glaubt Gärtner.

          Ob Framen das Zeug zum nächsten Unicorn hat – so wird ein Start-up mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar genannt –, dazu will er sich nicht äußern. Aber der Traum davon geht weiter.

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