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Aktion der Katholischen Jugend : In 72 Stunden die Welt verbessern

Zum Anpacken bereit: Bischof Georg Bätzig (stehend im Vordergund) eröffnet die Aktion. Bild: Wolfgang Eilmes

Die 72-Stunden-Aktion der Katholischen Jugend hat begonnen. Die Gruppen müssen nun bis Sonntagnachmittag Aufgaben für die Gemeinschaft erledigen. Dann werden viele Feste gefeiert.

          Am Anfang steht ein Glücksspiel. Die „72-Stunden-Aktion“ der Katholischen Jugend im Bistum Limburg beginnt auf dem Plateau des Großen Feldbergs mit einer Verlosung. Mehrere hundert Jungen und Mädchen warten in der Sonne des Spätnachmittags geduldig auf Bruchsteinen, die als Sitzbänke dienen. In den nächsten 72 Stunden, also vom Beginn am Donnerstagabend bis zum Sonntagnachmittag, müssen Jugendgruppen Aufgaben erledigen, mit denen sie etwas für die Allgemeinheit tun. Dazu kann zum Beispiel gehören, den Garten einer Kindertagesstätte zu verschönern, ein Behindertenheim zu renovieren oder ein Fest zu organisieren.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was genau jede Gruppe auf die Beine stellen wird, erfahren die jungen Leute beim Auftakt auf dem Großen Feldberg und bei zwei anderen Treffen um die gleiche Zeit in Frankfurt und Wiesbaden. Bevor die Aufgaben verteilt werden, hat auf dem Feldbergplateau der Limburger Bischof das Wort. Georg Bätzing spricht ein Gebet, in dem er den Segen Gottes und ein wenig Rückenwind für die jungen Leute erbittet. Dann fasst er das Motto der Aktion zusammen: Die Welt ein bisschen besser machen, damit sie eine Welt ist, in der man gerne und sicher leben kann.

          Nicht nur die Schlafstadt der Reichen und Schönen

          Schließlich werden grüne Umschläge verteilt an die Gruppen, darunter Pfadfindertrupps und Firmungsgruppen, Jugendfeuerwehrleute und der Nachwuchs der Malteserhelfer. Auch die zwölfjährige Helena aus Königstein, die mit 36 Mitgliedern der Sankt-Georgs-Pfadfinder auf den Taunusgipfel gekommen ist, hält ein grünes Kuvert in der Hand, holt ein Blatt heraus und liest ihren Kameraden die Aufgabe vor. Die Pfadfinder sollen für den Verein „Bürger helfen Bürgern“ ein Straßenfest in der Königsteiner Innenstadt organisieren.

          Es soll ein Fest werden, bei dem alle sehen, dass Königstein nicht nur die Schlafstadt der Reichen und Schönen ist, sondern ein Ort voller Ideen und Engagement, wie es auf dem Aufgabenblatt heißt: „Ladet Gott und die Welt dazu ein, indem ihr zum Beispiel ein Video viral gehen lasst oder die ganze Stadt mit Plakaten pflastert.“

          Freude über den Auftrag

          Betreuerin Jutta Schultejans fängt an Ort und Stelle an zu organisieren. Um 9 Uhr am nächsten Morgen oder nach der Schule sollen die Pfadfinder ins Gemeindezentrum kommen, um mit den Vorbereitungen zu beginnen, ruft sie ihnen zu. Sandrine, die über dem beigen Hemd der Pfadfinder-Uniform ein orangefarbenes Halstuch trägt, freut sich über den Auftrag. Ein Fest zu Hause im Hof hat ihre Familie schon gefeiert. Aber bei einem so großen Fest für eine ganze Stadt habe sie noch nie mitgeholfen, sagt die Zehnjährige. Lange bleiben die Königsteiner dann nicht mehr auf dem Feldberg. Wie die anderen Gruppen werden sie in einem Bus wieder in ihren Heimatort gebracht, wo nun viel Arbeit auf sie wartet.

          Nach 2013 ist es die zweite Runde der 72-Stunden-Aktion „Uns schickt der Himmel“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Bundesweit engagieren sich die nächsten drei Tage mehr als 80.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und realisieren Tausende Projekte für die Sozialaktion. In 72 Stunden die Welt verbessern zu wollen sei ein hochgestecktes Ziel, aber Veränderungen fingen nun einmal klein an, sagt Frank Kienast, Jugendbildungsreferent bei der katholischen Jugendkirche Jona in Frankfurt. Dass es machbar sei, habe die erste Aktion bewiesen.

          Im Bistum Limburg, zu dem auch Hessen gehört, haben sich mehr als 1500 Kinder und Jugendliche zusammengefunden, die sich für gemeinnützige Projekte einsetzen wollen. Die Teams sind zwar selbstverantwortlich für Planung und Organisation, werden aber oft von Anwohnern und den eigenen Familien unterstützt. „Die Projekte sind anspruchsvoll, und die Gruppen freuen sich über Unterstützung aus der Nachbarschaft“, sagt Dirk Wentzel, Sozialarbeiter der Young Caritas in Frankfurt.

          Insgesamt zehn Projekte werden 200 Mädchen und Jungen aus Frankfurt bis um 17 Uhr am Sonntag realisieren. Dabei ist alles: Hochbeete bauen und bepflanzen, Gehege im Zoo verschönern, eine „Matschküche“ für einen Kindergarten bauen, aber auch das Organisieren verschiedener Aktivitäten für Bewohner eines Wohnverbundes für geistig Behinderte. Das Müllproblem in ihrem Frankfurter Stadtteil in eine Kunstaktion zu verwandeln ist die Aufgabe von Ann-Kathrins Gruppe. Sie sei zum zweiten Mal dabei und noch skeptisch, wie genau sie ihr Projekt realisieren sollten, freue sich jedoch auf die Herausforderung. Auch Clara und Marisa, zwei 14 Jahre alte Pfadfinderinnen, sind von ihrem Projekt begeistert: Sie sollen einen Bewegungspfad fürs Jugendhaus Schwanheim anlegen.

          Die Frankfurter Kinder und Jugendliche werden den Abschluss am Sonntagabend mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der katholischen Jugendkirche Jona in Sachsenhausen feiern.

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