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Städtischen Bühnen : Zwei Neubauten sind am günstigsten

Nur temporär oder sogar dauerhaft? Studenten haben ein Konzept für ein vorläufiges Quartier entwickelt. Bild: © Academy for Architectural Culture

In Frankfurt sollen Oper und Schauspielhaus in getrennten Neubauten untergebracht werdend. Dabei sucht Dezernentin Ina Hartwig neben dem Willy-Brandt-Platz nach einem zusätzlichen Areal.

          3 Min.

          Ina Hartwig (SPD) spricht sich dafür aus, Oper und Schauspiel in getrennten Neubauten unterzubringen. Nach Ansicht der Dezernentin sollte mindestens eine Sparte am Willy-Brandt-Platz bleiben, denn dort schlage das Herz der Stadt. Zudem sei die Verkehrsanbindung sehr gut. Für die andere Sparte solle ein Areal möglichst in unmittelbarer Nähe gefunden werden.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine Sanierung der Theaterdoppelanlage sei weder wirtschaftlich vernünftig noch nachhaltig, sagte die Stadträtin bei der Vorstellung von vier Varianten für die bauliche Zukunft der Städtischen Bühnen am Donnerstag im Deutschen Architekturmuseum. Sie wisse, dass der Abschied von dem Gebäude, in dem sich viele Frankfurter ästhetisch hätten erziehen lassen, schwerfallen werde, sagte Hartwig. Die SPD-Fraktion im Römer hat dem Vorschlag der Stadträtin bereits zugestimmt.

          Opern-Intendant Bernd Loebe und Schauspiel-Chef Anselm Weber zeigten sich gestern angetan von dem Modell, das die Kulturdezernentin favorisiert. Beide sprachen sich für Neubauten aus und bekräftigten ihren Wunsch nach einem Standort inmitten der Stadt. Sie hofften, heißt es in ihrer gemeinsamen Stellungnahme, die Politik werde bald zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, die eine lange Interimszeit vermeide.

          Die Dezernentin hatte sich zu Beginn der Diskussion über die Erneuerung der Theater selbst als Anhängerin einer Sanierung zu erkennen gegeben, hat aber ihre Meinung unter dem Eindruck der Ergebnisse geändert, die von der Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen nach mehr als einem Jahr Arbeit jetzt vorgelegt wurden. Eine Minimalsanierung hält Hartwig grundsätzlich nicht für sinnvoll, da sich die ineffizienten Betriebsabläufe dadurch nicht beheben ließen. Eine gehobene Sanierung würde etwa 920 Millionen Euro kosten, wäre aber auch mit funktionalen Einschränkungen verbunden.

          Neubau der Doppelanlage für 875 Millionen Euro

          Ein Neubau der Doppelanlage würde nach den Berechnungen der Stabsstelle 875 Millionen Euro verschlingen. Diese Lösung wäre teurer als die Errichtung von zwei getrennten Neubauten, weil sowohl für die Oper als auch das Schauspiel eine Interimsspielstätte gefunden werden müsste. Nur eine Interimsspielstätte würde benötigt, wenn zwei getrennte Neubauten entstünden. Sollte zuerst der Neubau für die Oper entstehen, müsste die Stadt mit Kosten von 809 Millionen Euro rechnen. Rund 50 Millionen Euro mehr wären es, falls mit dem Neubau für das Schauspiel begonnen würde. In diesem Fall müsste für das Musiktheater eine Interimsbühne errichtet werden, diese wäre aufgrund der Größe deutlich teurer als ein Provisorium für das Sprechtheater. Sollte sich die Stadt für die günstigere Variante entscheiden, würde das mithin auch bedeuten, dass in einem ersten Schritt für die Oper ein neuer fester Standort gefunden werden müsste. Dieser würde dann in der Innenstadt gesucht werden.

          Ohne ein einzelnes Grundstück zu erwähnen, sprach Hartwig von einer Fläche an den Wallanlagen. Nach Informationen dieser Zeitung ist die Stadt in Gesprächen mit mehreren privaten Eigentümern von Liegenschaften in der Innenstadt. Auch eine städtische Fläche soll im Gespräch sein. Nach Lage der Dinge könnte es sich nur um einen Teil der Wallanlage handeln. Dem Vernehmen nach wird ernsthaft erwogen, den Neubau der Oper in der Wallanlage zu errichten, in Frage käme etwa die Fläche gegenüber der Alten Oper.

          Hartwig schloss zudem nicht aus, dass ein Neubau in der Nachbarschaft des Bockenheimer Depots entstehen könnte. Unter den gegebenen Umständen käme dafür nur das Areal der Stadt- und Universitätsbibliothek in Frage, die perspektivisch durch einen Neubau auf dem Campus Westend ersetzt werden soll. Dieses Areal wäre allerdings nur für das Schauspiel geeignet und für die Oper zu klein. Bockenheim ist gut zu erreichen. Zudem könnte dort gemeinsam mit dem Neubau der Musikhochschule und dem geplanten Zentrum der Künste ein echter Kulturcampus entstehen.

          Osthafen laut Hartwig ungeeignet

          Hartwig machte deutlich, dass sie das bisher vom Unternehmen Raab Karcher genutzte Areal am Osthafen für ungeeignet hält. Das Umfeld sei nicht urban, zudem sei das Areal nicht an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden.

          Das Raab-Karcher-Areal wird von der CDU bevorzugt. In einem gestern veröffentlichten fünfseitigen Positionspapier, das die Handschrift von Thomas Dürbeck trägt, dem kulturpolitischen Sprecher der Fraktion, heißt es, die traditionsreiche Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz werde baulich nicht zu halten sein. Die CDU bedaure dies wegen der kulturhistorischen Bedeutung des Ortes. Er müsse dennoch aufgegeben werden: „Wenn wir Interimsspielstätten vermeiden wollen, wird ein Neubau am Willy-Brandt-Platz unmöglich sein.“ Bei allen Emotionen, die mit dem gegenwärtigen Standort verbunden seien, „können wir von unseren Vorgängern lernen: Sie haben in der Vergangenheit schon funktionalen Aspekten den Vorrang gegeben und einen neuen Standort gewählt, als der alte zu klein wurde. Diesen Mut müssen auch wir haben.“ Das derzeit von Raab Karcher gepachtete städtische Grundstück sei mit etwa 24.000 Quadratmetern fast doppelt so groß wie das Grundstück am Willy-Brandt-Platz. Die Verkehrsanbindung dieses Grundstücks sei besser als zuweilen behauptet.

          Für Planung und Bau der Neubauten veranschlagt Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen, etwa acht Jahre. Wenn sich die Kommunalpolitik zügig entscheide, könnten die Neubauten also noch in diesem Jahrzehnt fertiggestellt werden.

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