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Standortsuche : Gedankenspiele für einen Bühnen-Neubau

Ideen für die Bühnen: Studenten der TU Kaiserslautern haben untersucht, wo ein Neubau entstehen könnte. Bild: TU Kaiserslautern

Die Grundstückssuche für eine neue Spielstätte der Frankfurter Oper oder dem Theater läuft auf Hochtouren. Die Wallanlagen sind eine naheliegende, aber nicht die einzige Option.

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          Manche Ideen brauchen etwas länger, bis sie sich durchsetzen. Vor vier Jahren kam dem früheren Immobilienmakler Oliver Barth zu Ohren, dass die Doppelanlage der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz in einem derart schlechten Zustand sei, dass sich eine Modernisierung kaum noch lohne. Barth dachte nach: Wie wäre es, wenn die Bühnen einen Neubau bekämen und das alte Areal teilweise vermarktet würde, um die Baukosten zu refinanzieren? Er schlug vor, die Bühnen zu trennen und eine neue Spielstätte auf dem Areal des Alten Polizeipräsidiums am Platz der Republik zu bauen. Hinter dessen denkmalgeschützter Fassade könne ein moderner Kulturbau entstehen. Das Präsidium wurde damals vom Land Hessen für 80 Millionen Euro angeboten – aus heutiger Sicht ein Schnäppchen. Aber die Zeit war noch nicht reif für diese Lösung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf eine ähnliche Lösung könnte es nun hinauslaufen: Die Bühnen werden wahrscheinlich getrennt. Eine Sparte bleibt am Willy-Brandt-Platz, für die andere wird es einen Neubau an anderer Stelle geben. Das Polizeipräsidium am Platz der Republik steht allerdings nicht mehr zur Verfügung. Ein Investor, der andere Pläne verfolgt, hat es für mehr als 200 Millionen Euro erworben.

          Nicht nur im Zentrum nach Standorten suchen

          Fragt man Barth heute nach seiner prophetischen Begabung, verkneift er sich jede Besserwisserei. „Der Gedanke ist schon etwas älter“, sagt er lapidar. Wegen des Baubooms seien inzwischen viele Varianten ausgeschieden. Er sei weiterhin ein großer Freund der Idee, die Bühnen zu trennen. „Man braucht eine mutige Entscheidung.“ Barth empfiehlt, den Blick nicht nur auf das Zentrum zu richten. „Frankfurt ist nicht nur die Innenstadt.“

          Neuer Standort: Ein Entwurf für den Neubau der Städtischen Bühnen.

          Auch Michael Guntersdorf, Leiter der Stabsstelle Städtische Bühnen, wünscht sich eine zügige Entscheidung. Er will verhindern, dass die Debatte um die Zukunft der Bühnen zur „Hängepartie“ wird. „Das Gebäude ist in einem desolaten Zustand. Viel Spielraum haben wir nicht mehr.“ An welcher Stelle eine der Spielstätten neu gebaut werden könnte, will Guntersdorf nicht laut sagen, um Gespräche mit Eigentümern privater Grundstücke an den Wallanlagen nicht zu gefährden. Auch ein Eingriff in den halbkreisförmigen Parkstreifen selbst, der die Innenstadt umfasst und in städtischer Hand ist, kommt für ihn in Frage. Den Verlust an Grünfläche könne man durch eine Verkleinerung der Bühnen an der jetzigen Stelle kompensieren. Auch der Städtebaubeirat und der Bund Deutscher Architekten hatten schon dafür geworben, ein neues Theater in die Wallanlagen zu setzen. Für Kulturbauten könne man von der Wallservitut, die die Grünanlage schützt, ausnahmsweise abweichen.

          Will man den Park nicht zu sehr verbauen, sollte man eine Randfläche aber mit einbeziehen. Auch wenn Guntersdorf die Eigentümer nicht nennen will: Im Grunde kommen nur drei Grundstücke in Frage. Da wäre, erstens, das alte Bürogebäude am Opernplatz, das einst im Erdgeschoss ein Mövenpick-Restaurant beherbergte, früher der Allianz gehörte und inzwischen an die Unternehmen Signa und RFR verkauft wurde. Ein Architekturwettbewerb für einen Neubau an dieser Stelle war ohne befriedigendes Ergebnis geblieben. Ein Neubau der Oper läge dann vis-à-vis der Alten Oper, der Eingriff in die Wallanlage wäre überschaubar. Allerdings dürfte das Grundstück ziemlich teuer sein. Die derzeitigen Eigentümer sind nicht als altruistische Wohltäter bekannt, die der Stadt das Areal zu einem symbolischen Preis vermachen würden.

          Parallele Überlegungen

          Eine zweite Variante wäre ein Tauschgeschäft. Zwei potentielle Hochhaus-Standorte an der Wallanlage harren nämlich noch einer Bebauung: Auf Grundstücken der Helaba und der Frankfurter Sparkasse zwischen dem Park und der Neuen Mainzer Straße dürfen Türme errichtet werden. Die Grundstücke sind recht tief, was wiederum die Wallanlage schonen würde. Die Stadt könnte den Eigentümern, die eng mit der öffentlichen Hand verbunden sind, zum Tausch eine Teilfläche des jetzigen Bühnenareals am Willy-Brandt-Platz abtreten und dort ein Hochhaus genehmigen. Die Planungen für den Helaba-Turm sind allerdings schon weit vorangeschritten. „Das Projekt spielt keine Rolle für unsere Überlegungen“, sagt Guntersdorf.

          Es bleibt, drittens, das Raab-Karcher-Areal im Osthafen oder das Areal der Universitäts- und Stadtbibliothek auf dem Campus Bockenheim, das für ein Schauspielhaus wohl groß genug wäre, nicht aber für die Oper. Zwar soll die Bibliothek perspektivisch auf den Campus Westend umziehen. Aber das Grundstück gehört dem Land, und die Bibliothek ist ein Baudenkmal. „Den Denkmalschutz wegzubekommen ist nicht trivial“, sagt Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen ABG, die in Bockenheim an der Realisierung des Kulturcampus beteiligt ist. Dazu gehört auch ein „Zentrum der Künste“, das zur Hälfte auf einem dreieckigen Grundstück vor dem Bockenheimer Depot entstehen soll. In einem vom Kulturamt unterstützten Studentenwettbewerb war das Grundstück allerdings auch für eine Interimsspielstätte der Oper vorgesehen. „Von den parallelen Überlegungen haben wir heute aus der Zeitung erfahren“, teilt der Sprecher des Ministeriums für Kunst und Wissenschaften mit. Zudem sei unklar, wann die Bibliothek aus dem denkmalgeschützten Kramer-Bau ausziehen könnte.

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