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Städtische Bühnen Frankfurt : Theater bleibt am Willy-Brandt-Platz

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Der Willy-Brandt-Platz ist derzeit der Standort für fast alles, was mit den Städtischen Bühnen zu tun hat. Das soll im Wesentlichen auch so bleiben. Bild: dpa

Die Frankfurter Kulturdezernentin und Stabsstellenleiter haben den Zwischenbericht zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt vorgelegt.

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          Eines ist sicher: Der Willy-Brandt-Platz wird auch künftig Standort für zumindest eine Sparte der Städtischen Bühnen Frankfurt sein. Dabei dürfte es sich um die Oper handeln, deren Umzug logistisch und finanziell mit einem zu hohen Aufwand verbunden wäre. Wahrscheinlich aber bleibt auch das Schauspiel auf seinem angestammten Gelände. Das kann man jedenfalls aus dem Zwischenbericht schließen, den die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Michael Guntersdorf, Leiter der Stabsstelle „Zukunft der Städtischen Bühnen“, gestern vorgestellt haben.

          Demnach sind noch drei Modelle für die Erneuerung der Theaterdoppelanlage im Gespräch, die Stadträtin und der Projektleiter scheinen aber die Variante zu bevorzugen, die beide Bühnen am jetzigen Standort belässt. Dabei bliebe das heutige Volumen der Gebäude erhalten. Das Modell sieht vor, deren Kern aus Bühnen, Obermaschinerie und Zuschauersälen unangetastet zu lassen, darum herum aber ein neues Raumgefüge zu errichten. Die Kosten dafür schätzt Guntersdorf auf 480 bis 500 Millionen Euro.

          Eines der drei Planspiele ziehen er und Hartwig nicht mehr ernsthaft in Erwägung: die „Ertüchtigung des bestehenden Gebäudes“, wie Guntersdorf sagte, also eine Sanierung, bei der die derzeit vorhandene architektonische Situation nicht wesentlich verändert würde. Wegen der schweren Baumängel, die in diesem Fall nicht grundlegend behoben würden, und des Wunsches, die Funktionalität und die organisatorischen Abläufe zu verbessern, wäre eine solche Lösung nicht besonders sinnvoll, führten die beiden aus.

          Eine neue Spielstätte

          Mehr Chancen, realisiert zu werden, geben sie dem Modell, eine der Bühnen am Willy-Brandt-Platz zu belassen und für die zweite an einem anderen Standort eine neue Spielstätte zu errichten. Darüber, wo dies in die Tat umgesetzt werden könnte, wollten die Politikerin und der Stadtplaner nicht spekulieren. Guntersdorf machte jedoch deutlich, dass das Raab-Karcher-Areal am Osthafen dafür eher nicht in Frage kommt, unter anderem wegen der Schadstoffe im Boden und der schlechten Verkehrsanbindung. Zudem sei nicht klar, ob man dort überhaupt bauen dürfe und ob das Erbpachtgelände von der Stadt übernommen werden könne.

          Bisher ist nichts entschieden. Es werde, sagte Guntersdorf, noch etwa acht bis zehn Wochen dauern, bis feststehe, welche Vorgehensweise zu empfehlen sei und auf welche Summe sich die Kosten in jedem einzelnen Fall beliefen. Aber die von der Stabsstelle vorgenommenen Untersuchungen der Bausubstanz laufen offenbar auf eine Lösung bei der Umgestaltung der in Teilen maroden Theaterbauten hinaus, die auf eine Teilerhaltung des Bestehenden setzt und die, so Guntersdorf, „nicht nachhaltige Teile zu 100 Prozent ersetzt“. Für den Fall, dass sowohl Musik- als auch Sprechtheater in Zukunft weiterhin am Willy-Brandt-Platz angesiedelt sind, werden die auf etwa 4000 Quadratmeter betriebenen Werkstätten ausgelagert, „um Platz für die Qualitätsverbesserung zu schaffen“, wie der Leiter der Stabsstelle erläuterte. Dazu gehöre auch die Einrichtung einer Betriebskindertagesstätte.

          Die Werkstätten der Städtischen Bühnen waren erst vor etwa zehn Jahren rundum erneuert worden. Dennoch wäre eine Auslagerung wirtschaftlich sinnvoll, sagte der Architekt und Stadtplaner. Auch jetzt seien schon Teile der Städtischen Bühnen über mehrere Orte in der Stadt verteilt. Sie würden dann zusammengeführt. Für ein derartiges „Logistikzentrum“ entstünden laut Guntersdorf allerdings Kosten, die in seiner Schätzung der Bausumme von etwa einer halben Milliarde Euro nicht enthalten seien.

          „Das wollen wir uns ersparen“

          Vom Raumprogramm, das die im Juni 2017 vorgestellte Machbarkeitsstudie als Grundlage verwendet hat, sind die derzeitigen Überlegungen weit entfernt. Mit der nunmehr vorgesehenen Erhaltung der Kubatur, so lautet der Fachbegriff für das Gebäudevolumen, ist nach Guntersdorfs Worten auch die Idee eines Hochhauses vom Tisch. Überhaupt sei es angesichts der Lage der Städtischen Bühnen höchst riskant, dort einen Neubau hinzustellen. Wegen der benachbarten Hochhäuser und der Nähe zur U-Bahn bestehe ein beträchtliches „Baugrubenrisiko“, das Arbeiten verzögern oder gar verhindern könne. „Das wollen wir uns ersparen.“ Deshalb werde die vorhandene Bodenplatte beibehalten, auf der man etwas Neues aufbauen könne.

          Die Kulturdezernentin hob hervor: „Ich will einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern und einen zukunftsweisenden Bau, der den Willy-Brandt-Platz aufwertet.“ Wichtig sei ihr, dass dort auch in den nächsten Jahrzehnten das künstlerische Herz der Stadt schlagen werde. Sie sprach sich für ein ästhetisch anspruchvolles Gebäude aus, das sich nach außen hin öffnet und als wichtiges Element dient, das innerstädtische Umfeld zu beleben. Hartwig sagte, die „Plaza-Idee“, die beim Bau der Elbphilharmonie verwirklicht worden sei, begeistere sie. Aber nicht, wie die Verantwortlichen in Hamburg gehandelt hätten. Die Verzögerungen und die Kostenexplosion dort seien ein „absolutes Anti-Beispiel“. Es gehe in Frankfurt darum, genau zu planen und dann schnell zu bauen. „So wie in Hamburg werden wir das nicht machen.“

          Über eine Interimslösung denken die Fachleute der Stabsstelle noch nach. Belastbare Ergebnisse werde es auch hier erst im Herbst geben, sagte Hartwig. Aber sie werde gewiss Ratschlägen folgen, die provisorische Spielstätte innenstadtnah und in einer städtischen Liegenschaft einzurichten. „Ich kann keiner Interimslösung zustimmen, die eine Einschränkung der künstlerischen Qualität bedeutet.“ Es gelte schließlich, das Publikum auch während der Bauphase weiterhin für das Theater zu interessieren.

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