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Frankfurter Städtische Bühnen : Schützenswerte Wolken

Bald ist es soweit: Die Stadtischen Bühnen öffnen wieder für ihr Publikum. Bild: dpa

Das hessische Landesamt für Denkmalpflege findet, dass das Wolkenfoyer der Theaterdoppelanlage geschützt werden sollte. Der Stadt Frankfurt passt das aber so ganz und gar nicht ins Konzept.

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          Über den ästhetischen Wert des Wolkenfoyers lässt sich streiten. Über den symbolischen und emotionalen, den es für viele Besucher der Städtischen Bühnen in Frankfurt besitzt, nicht. Zweifel allerdings sind erlaubt, ob die Theaterdoppelanlage wegen ihrer Glasfassade als reiner Ausdruck von Transparenz und Demokratie zu verstehen ist, mithin das Architektur gewordene Selbstverständnis der noch jungen Bundesrepublik widerspiegelt.

          Diese Auffassung jedenfalls vertreten die rührigen Initiatoren einer Petition, die mittlerweile 5300 Unterschriften gegen den Totalabriss der Theaterdoppelanlage aus dem Jahr 1963 gesammelt haben. Sie fordern, das Gebäude in die Denkmalschutzliste einzutragen. Dies hat das hessische Landesamt für Denkmalpflege bisher zwar nicht getan, und es steht auch kaum zu befürchten, dass es so weit kommt. Es würde einen Neubau von Oper und Schauspiel auf unabsehbare Zeit verzögern. Aber die Behörde meint, dass das Wolkenfoyer samt Zoltán Keménys himmlischen Gebilden aus Kupferblech schützenswert sei.

          Nachkriegsbescheidenheit statt Offenheit

          Die Stadt wird wohl nicht umhinkommen, diese Bewertung ernst zu nehmen. Dass sie ihr nicht ins Konzept passt, ist den Akteuren anzumerken. Schließlich kommt das Gutachten der Denkmalschützer auch den Abriss-Kritikern entgegen. Aber die städtischen Verantwortlichen haben allen Grund, es gelassen zu sehen. Denn es wird allenfalls darum gehen, das Wolkenfoyer in einen Neubau zu integrieren, und derlei Bauaufgaben sind Frankfurt nicht fremd.

          Wie weit die Anmutung des Wolkenfoyers erhalten bleiben kann, dürfte noch Gegenstand heftiger Debatten werden. Eher als ein Inbegriff von politischer Offenheit ist es allerdings ein Ausweis architektonischer Nachkriegsbescheidenheit und Nüchternheit, die in der Tradition des Bauhauses von repräsentativem Prunk und auftrumpfenden Gesten nichts wissen wollten. Dass viele Jahre ein Vorhang den Einblick ins Theaterinnere verwehrte, weist allerdings schon darauf hin: Hier versammelte sich eine geschlossene Gesellschaft. Die Idee wirklich transparenter Bühnenbauten ist viel späteren Datums.

          Michael Hierholzer
          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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